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Im Alter von 85 Jahren : Modeschöpfer Karl Lagerfeld gestorben

Karl Lagerfeld und Haarkünstlerin Odile Gilbert sehen sich die Generalprobe zur Karl-Lagerfeld-Schau im März 2010 in Paris an. Bild: Helmut Fricke

Der deutsche Modeschöpfer Karl Lagerfeld ist tot. Das teilte Chanel am Dienstag in Lagerfelds Geburtsstadt Hamburg mit. Er starb im Alter von 85 Jahren. Sein Tod sorgt für ein Beben in der Modewelt.

          Der Modedesigner Karl Lagerfeld ist tot. Das hat Chanel in seiner Geburtsstadt Hamburg mitgeteilt. Der Fünfundachtzigjährige war bereits auf der Chanel-Modenschau in Paris im Januar nicht aufgetreten, was Spekulationen über seinen Gesundheitszustand ausgelöst hatte. Karl Lagerfeld war einer der bedeutendsten Modeschöpfer des 20. Jahrhunderts und prägte als Kreativdirektor das französische Modehaus Chanel mehr als ein halbes Jahrhundert lang maßgeblich. Er trug dazu bei, dass aus der leicht angestaubten Marke ein millionenschweres Unternehmen wurde.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Karl Lagerfeld, 1933 in Hamburg geboren, war der Sohn eines Kondensmilch-Fabrikanten und ging bereits in jungen Jahren nach Paris, wo er zunächst als Illustrator arbeitete. Mit 16 Jahren gewann er einen Wettbewerb des Internationalen Wollsekretariats. Zunächst war er bei Modefirmen wie Balmain, Patou und Chloé beschäftigt. 1965 begann er als Damenmode-Designer bei der italienischen Marke Fendi, der er bis heute treu blieb, auch führte er mit Unterbrechungen seit den siebziger Jahren eine eigene Marke unter dem Namen Karl Lagerfeld.

          Seine größten Erfolge aber feierte er von 1983 an als Kreativdirektor des französischen Modehauses Chanel. Er interpretierte die Tweed-Jacke und die schwarzen Taschen von Coco Chanel neu und führte die Marke damit in die Moderne. Bei den Prêt-á-Porter waren die Defilees von Chanel im Grand Palais  stets aufsehenerregend. Er ließ ganze Wälder installieren, Sand aufschütten und Models an Kreuzfahrtschiffen defilieren. Zudem brachte er Models wie Claudia Schiffer groß heraus und entdeckte immer wieder neue Musen wie zuletzt Kaia Gerber, die Tochter von Cindy Crawford. Zu den Markenzeichen von „Kaiser Karl“, wie er in Deutschland genannt wurde, gehörte der Zopf, eine Sonnenbrille und der Vatermörder-Kragen.

          „Karl Lagerfeld war Paris“

          Bis Anfang des Jahrhunderts war der Designer bei öffentlichen Auftritten zudem mit einem Handfächer zu sehen. Danach nahm er innerhalb weniger Monate 42 Kilogramm ab, um nach eigener Aussage in die schmal geschnittenen Anzüge des damaligen Dior-Designers Hedi Slimane zu passen. Dass Lagerfeld ein unermüdlicher Schöpfer war, zeigte sich daran, dass er allein für Chanel acht Kollektionen im Jahr herausbrachte und darüber hinaus für andere Marken arbeitete. Als Erster entwarf er eine Capsule-Kollektion für die schwedische Billigmodemarke H&M. Lagerfeld, der hauptsächlich in Paris arbeitete und lebte, aber auch Häuser und Wohnungen unter anderem in Biarritz, Monaco und New York unterhielt, war darüber hinaus Verleger, Kostümbildner und Fotograf.


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          © Reuters

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          Darüber hinaus war er ein scharfzüngiger Gesprächspartner, der sich nicht nur für Mode interessierte, sondern auch kulturelle und politische Themen kommentierte, wie etwa in seinen Karikaturen für das F.A.Z.-Magazin. Viele seiner Aussagen sind zu Bonmots geworden, wie zum Beispiel: „Wer im Alltag eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“ oder: „Man muss etwas Neues machen, wenn man den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen will.“

          Sein Tod sorgt für ein Beben in der Modewelt. Der Modedesigner Wolfgang Joop sagte FAZ.NET am Dienstag: „Ich bin sehr getroffen von seinem Tod. Ich habe heute Morgen Tränen vergossen. Ich dachte wirklich, er kommt wieder auf die Beine. Auch wenn Freundschaften mit Karl nicht einfach waren, haben wir ja einmal sehr viel Zeit miteinander verbracht.“ Alain Wertheimer, CEO von Chanel, ein Mann, der sich selten in der Öffentlichkeit äußerte, sagte: „Heute habe ich nicht nur einen Freund verloren, wir alle haben einen außerordentlichen kreativen Geist verloren, dem ich in den frühen achtziger Jahren eine Carte Blanche gab, um die Marke neu zu erfinden.“ Bernard Arnault, Chef des Luxusgüterkonzerns LVMH, zu dem auch Fendi gehört, erklärte: „Wir haben ein kreatives Genie verloren, das dazu beigetragen hat, Paris zur Modehauptstadt der Welt und Fendi zu einem der innovativsten italienischen Häuser zu machen.“

          Karl Lagerfeld 1983 in Paris beim Einkleiden eines Models vor der Chanel-Schau Bilderstrecke

          Der frühere französische Präsident Nicolas Sarkozy schrieb, Lagerfeld habe „Exzellenz und Eleganz à la francaise“ verkörpert: „Merci Karl Lagerfeld!“ Auch Regierungssprecher Benjamin Griveaux nahm mit Dankesworten Abschied: „Frankreich und Paris verdanken ihm so viel“, schrieb Griveaux. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo würdigte Lagerfeld als einen außergewöhnlichen Künstler. „Karl Lagerfeld war Paris(...)“, schrieb Hidalgo. „Karl Lagerfeld war ein Genie.“ Der Modeschöpfer habe bei Chanel mit Geduld und Vortrefflichkeit gewirkt.

          Nach dem Tod von Karl Lagerfeld soll seine langjährige enge Mitarbeiterin Virginie Viard die Kollektionen des französischen Modehauses Chanel entwerfen. Chanel-Miteigentümer Alain Wertheimer habe „die engste Mitarbeiterin von Karl Lagerfeld seit 30 Jahren“ mit dem Entwurf der künftigen Chanel-Mode betraut, teilte das Unternehmen am Dienstag in Paris mit. Dadurch solle das Erbe von Coco Chanel und Karl Lagerfeld lebendig bleiben. Die Prêt-à-porter-Schauen, die in der kommenden Woche beginnen, sind ohne Karl Lagerfeld trotzdem kaum vorstellbar.

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