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Am Festzelt, von links nach rechts: Charline: Rock von Delpozo; Nina: Bluse von Alexis Mabille, Rock von Miu Miu; Adriana: Rock von Lutz Huelle

Sevilla Mágica

TEXT: EVELYN TYE, FOTOS: YAVIDAN CASTILLO
Am Festzelt, von links nach rechts: Charline: Rock von Delpozo; Nina: Bluse von Alexis Mabille, Rock von Miu Miu; Adriana: Rock von Lutz Huelle

25.12.2019 · Wo bekomme ich hier etwas zu essen? Na, überall! Bei der Feria de Abril in Sevilla, dem größten Volksfest in Andalusien, wird eine Woche lang getanzt, getrunken und gegessen. Wir haben mitgefeiert.

Wie bei jedem unserer Shootings starteten wir auch diesmal ins Ungewisse – mit dem Ziel, einige kulinarische und kulturelle Schauplätze Sevillas zu entdecken. Wir hatten uns die beste Zeit dafür ausgesucht, die Tage des Volksfests Feria de Abril, wenn die ganze Stadt eine Woche lang feiert. Die Menschen tragen typische andalusische Trachten, sie treffen sich zum Essen und Trinken in den Buden und Festzelten und feiern dort bis in die Morgenstunden.

Wie eine Sevillana bei der Feria: Korsett und Schleier von Andreas Kronthaler für Vivienne Westwood
Wie eine Sevillana bei der Feria: Korsett und Schleier von Andreas Kronthaler für Vivienne Westwood
In der Flamenco-Schule El Torombo: Kleid von Alexander McQueen
In der Flamenco-Schule El Torombo: Kleid von Alexander McQueen
In der Tapasbar
In der Tapasbar "Casa Pepe Hillo": Kleid von Burberry

Wer an Sevilla denkt, dem fällt sofort der Flamenco ein. Der Tanz scheint den Menschen dieser Stadt wirklich im Blut zu liegen. Viele tanzen seit ihrer Kindheit. Auch wir suchten uns eine Flamenco-Schule, um diese Kultur besser kennenzulernen. Doch wie so oft führte uns das Leben ganz woanders hin. Unser Airbnb-Gastgeber machte uns mit Torombo bekannt, einem einzigartigen Lehrer, der auch auf einem der Fotos zu sehen ist. Er saß eine Zeitlang im Gefängnis und schaffte es dank des Flamencos, seine Drogenabhängigkeit zu überwinden. Inzwischen arbeitet er als Tanzlehrer. Ihm gehe es vor allem darum, sagt er, sich im Rhythmus des eigenen Herzschlags zu bewegen, den Menschen dabei zu helfen, ihren eigenen Rhythmus zu finden. Neben Showauftritten und seiner Lehrtätigkeit hilft Torombo mit seinem Projekt „Fuera de Serie“ auch jungen Menschen in schwierigen Lebenssituationen, in Tanz und Musik ein Ventil für ihre Probleme zu finden.

Noch bevor wir Torombo trafen, stießen wir auf den Palacio de Las Dueñas, den Palast der Herzogin von Alba, der heute ein öffentliches Museum ist. Die Herzogin von Alba ist eine der ikonischen Adelsfiguren Spaniens und ein Symbol der Stadt. Es lohnt sich in Sevilla immer wieder, einen Blick hinter die Tore der Häuser zu werfen. Man kann dort phantastisch angelegte Innenhöfe entdecken. In einer kleinen Straße fanden wir so auch den Garten von Don Carlos, der uns sofort einlud, einige Aufnahmen zu machen.

Im Innenhof des Palacio de Las Dueñas: Cape, Bluse, Rock, Strümpfe, Schuhe von Prada
Im Innenhof des Palacio de Las Dueñas: Cape, Bluse, Rock, Strümpfe, Schuhe von Prada
In einem privaten Patio: Kleid und Stiefel von Louis Vuitton
In einem privaten Patio: Kleid und Stiefel von Louis Vuitton

In einer Stadt wie Sevilla sind die Einwohner die besten Stadtführer. Einen Reiseführer mitzunehmen ist genauso unnötig wie vorher einen genauen Besuchsplan zu erstellen. Die Menschen empfehlen einen immer gerne weiter, schicken einen in ihr Lieblingsrestaurant, in dem man dank der Empfehlung gleich herzlich empfangen wird. So landeten wir auch in der „Antigua Abacería de San Lorenzo“, einem festen Anlaufpunkt während der Feria, weil dort angeblich ein hervorragender Cola de Toro serviert wird, ein zarter Fleischeintopf. Auch von der Bar am Abend erfuhren wir durch einen Tipp. Sie gehört Don Ramon, dessen Familie sie in dritter Generation betreibt. Er begrüßte uns begeistert und brachte uns in Kontakt mit dem Kommunikationsdirektor der Plaza de toros de la Real Maestranza de Caballería de Sevilla, der berühmten Stierkampfarena. So kamen wir dazu, außerhalb der Öffnungszeiten in der leeren Arena fotografieren zu dürfen.

An der Plaza de Toros de la Real Maestranza: Jacke, Bluse, Rock, Strümpfe, Schuhe von Dolce & Gabbana
An der Plaza de Toros de la Real Maestranza: Jacke, Bluse, Rock, Strümpfe, Schuhe von Dolce & Gabbana
An der Plaza de Toros de la Real Maestranza: Jacke, Bluse, Rock, Strümpfe, Schuhe von Dolce & Gabbana

All das geschah, bevor wir unsere erste geplante Location „La Campana“ erreicht hatten – eine 150 Jahre alte Bäckerei, in der sich Leute morgens treffen, um ein Sandwich zu frühstücken, oder nachmittags, um Kuchen zu essen. Leider hatten wir nicht genug Zeit dafür – wir mussten uns beeilen, um zur Feria zu kommen, bevor es dort zu voll wurde.

Auf dem Weg sagte unser Taxifahrer, wir müssten unbedingt erst zur Kutschenparade auf der Plaza de Toros gehen, die sei ein echtes Spektakel. Wir folgten auch diesem Hinweis und wurden wieder nicht enttäuscht: Die Reiter hatten ihre Kutschen, Pferde und sich selbst reich geschmückt. Das war ein sensationeller Anblick.

Der beste Ort, um Leute zu beobachten, ist die Taverne hinter der Plaza de Toros, „Casa Pepe Hillo“. Sie ist dekoriert mit alten Postern und Stierkampf-Accessoires. Vor dem Stierkampf stärkt man sich hier mit Tapas und Bier. Aber wir konnten nicht allzu lange bleiben – es war Zeit für die Feria.

In der „Confitería La Campana“: Oberteil und Rock Dries Van Noten, Ohrringe und Ringe Saskia Diez. Essensempfehlung: Tortas de Aceite und – siehe Bild – Merengue.
In der „Confitería La Campana“: Oberteil und Rock Dries Van Noten, Ohrringe und Ringe Saskia Diez. Essensempfehlung: Tortas de Aceite und – siehe Bild – Merengue.
Im Restaurant „El Rinconcillo“: Mantel, Minikleid, Stiefel von Emporio Armani. Essen: Spinat mit Kichererbsen, Kabeljau mit Tomatensauce
Im Restaurant „El Rinconcillo“: Mantel, Minikleid, Stiefel von Emporio Armani. Essen: Spinat mit Kichererbsen, Kabeljau mit Tomatensauce

Sevilla ist eine einzigartige folkloristische, kulinarische, aber vor allem menschliche Erfahrung. Die Bewohner sind der beste Schlüssel zu dieser Stadt.

Die Feria ist die wichtigste Woche Sevillas, sie findet immer zwei Wochen nach Ostern statt. In dieser Zeit fühlt sich die Stadt wie ein Filmset an, an dem fast alle Frauen in bunter Flamenco-Tracht und die Männer in ihren typischen Anzügen gekleidet sind. In der ganzen Stadt rollen prachtvoll geschmückte Pferdewagen durch die Straßen, die Besucher zu den Ferias bringen und durch die Stadt fahren. Als Besucher fühlt man sich wie im Film. Die Menschen in der Stadt bereiten sich das ganze Jahr über auf das siebentägige Fest vor. Viele Kostüme sind maßgefertigt und werden in monatelanger Vorarbeit entworfen und hergestellt. An der Bar, im Bus, beim Friseur: Überall reden die Leute darüber, was sie zur Feria tragen.

Mit Don Antonio bei der Parade: Bluse, Jacke, Rock von Elie Saab, Hut von Don Antonio
Mit Don Antonio bei der Parade: Bluse, Jacke, Rock von Elie Saab, Hut von Don Antonio
Bei der Parade: Korsett von Delpozo, Rock von Lutz Huelle, Ohrringe und Ringe von Saskia Diez, Schuhe von Miu Miu
Bei der Parade: Korsett von Delpozo, Rock von Lutz Huelle, Ohrringe und Ringe von Saskia Diez, Schuhe von Miu Miu

Mehr als 200.000 Menschen besuchen die gut 1000 Stände. Ein Vergnügungspark lässt bei Kindern und Erwachsenen Jahrmarktfeeling aufkommen. Auch unsere Models konnten der Versuchung nicht widerstehen, ein paar Churros zu bestellen. Wem dieses Spektakel zu viel ist, wer nur ein paar Kleinigkeiten essen will, dem sei „El Rinconcillo“ ans Herz gelegt, eine der ältesten Tapas-Bars im Stadtzentrum.

Sevilla ist eine einzigartige folkloristische, kulinarische, aber vor allem menschliche Erfahrung. Die Bewohner sind der beste Schlüssel zu dieser Stadt.

In der „Antigua Abacería de San Lorenzo“, von links nach rechts: Lorena: Jacke und Hemd von Givenchy. Michelle: Kleid und Oberteil von Marine Serre. Nina: Bluse und Jacke von Paco Rabanne. Charline: Oberteil von Y/Project, Hose von Balmain, Kette von Saskia Diez. María: Jacke und Halskette von Saint Laurent by Anthony Vaccarello. Auf dem Tisch: Sonnenbrille von Celine (links) und Loewe. Auf der Bank: Tasche von Versace. Essen: Stiernacken-Cannelloni, Schinken vom Ibérico-Schwein, Steak Tartar vom Jungbullen, Bohnensuppe aus La Granja mit Ochsenschwanz, Tomatensuppe mit Kräutern sowie Teigtaschen mit Gemüse, Äpfeln und Ziegenkäse.
In der „Antigua Abacería de San Lorenzo“, von links nach rechts: Lorena: Jacke und Hemd von Givenchy. Michelle: Kleid und Oberteil von Marine Serre. Nina: Bluse und Jacke von Paco Rabanne. Charline: Oberteil von Y/Project, Hose von Balmain, Kette von Saskia Diez. María: Jacke und Halskette von Saint Laurent by Anthony Vaccarello. Auf dem Tisch: Sonnenbrille von Celine (links) und Loewe. Auf der Bank: Tasche von Versace. Essen: Stiernacken-Cannelloni, Schinken vom Ibérico-Schwein, Steak Tartar vom Jungbullen, Bohnensuppe aus La Granja mit Ochsenschwanz, Tomatensuppe mit Kräutern sowie Teigtaschen mit Gemüse, Äpfeln und Ziegenkäse.

Fotos: Yavidan Castillo,
Styling:
Evelyn Tye,
Produktion:
Yavidan Castillo und Evelyn Tye,
Model:
Nina Grau (View Management),
Extras: Michelle Fradkin, Maria Castellvi, Adriana Crovetto, Charline Janne, Aurelia Sagnier, Maria Jover, Rita Campos, Claudia Santoma, Clara Sagnier, Lola Bartolome, Lorena Berni, María Rosales Carrasco, Juan Carlos Osorno, Antonio García,
Foto- und Produktionsassistenz: Nathan Zaoui,
Stylingassistenz: Alyson Sillon und Joël Harder
Dank an: Torombo, Nina Grau, Ramón López de Tejada, José Enrique Moreno, Plaza de Toros de Sevilla, Sweet Inn team, José Juan Frau Socías, Don Carlos, „el Guasa“, Patrick Sillon
Fotografiert in Sevilla vom 4. bis 11. Mai 2019


Quelle: F.A.Z. Magazin

Veröffentlicht: 23.12.2019 10:28 Uhr