https://www.faz.net/-hrx-9nxr0

Caren Pflege Ende der Neunziger Jahre bei der „NDR Talkshow“ Bild: action press

Modedesignerin Caren Pfleger : Rheinländisch lebensfroh

Caren Pfleger war ein deutsches Model, das lange vor Claudia Schiffer die amerikanische Modewelt eroberte. Ihren noch größeren Erfolg hatte sie jedoch als Designerin. Nun ist die Ikone aus den Achtzigern verstorben.

          Eigentlich hatte Katharina von Paffendorf Ärztin oder Kunstexpertin werden wollen. Dass sie dann aber nichts von beidem, sondern als Caren Pfleger eine der bekanntesten deutschen Modedesignerinnen der achtziger Jahre wurde, war eine Fügung des Schicksals, die nicht zuletzt ihrem Aussehen zu verdanken war. Man nannte sie auch die „rheinische Jil Sander“, was in zweifacher Hinsicht nicht ganz korrekt war, denn geboren wurde sie 1945 in Oberhausen, also im Ruhrgebiet, und mit Jil Sander verband sie zwar einiges, in vielem aber ging sie ihren ganz eigenen Weg.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wie man Mode für Frauen macht, die im Leben stehen, darüber dachte sie vermutlich früh nach, denn sie arbeitete in den sechziger Jahren als international gefragtes Model und trug in dieser Zeit das, was sich überwiegend Männer als Designer für Frauen als Kundinnen ausgedacht hatten. Auch wenn sie sich in Interviews nicht als „Emanze“ verstanden wissen wollte, so war es doch die weibliche Sicht auf die Mode, die zu ihrem Erfolg beitrug. Sie entwarf einen bequemen Business-Suit, ein „Sieben-Teile-Set der Erfolgsfrau“, sie kombinierte Hosenanzüge zu lässigen Wickelmänteln und sportlichen Caban-Jacken.

          Sie praktizierte in ihrer Mode das, womit auch Jil Sander groß wurde: ein Understatement, das sich von den italienischen und französischen Modemarken absetzte, nur dass Pflegers Kollektionen im Gegensatz zu denen von Sander weniger puristisch und norddeutsch als vielmehr lebensfroh und rheinländisch waren. Sie selbst beschrieb ihre Mode so: „Fließend, nie extrem; unkonventionell, aber nicht ausgeflippt; feminin, aber nicht rüschig verspielt; erotisch, aber nicht sexy; klar in den Linien, aber nicht hart.“

          Kluge Vermarktung

          Mit ihrem Erfolg geriet in Vergessenheit, wie gefragt sie auch als Model gewesen war. Mit ihren hohen Wangenknochen, den tief liegenden Augen, den blonden Haaren und dem blassen Teint umgab sie etwas Geheimnisvolles. Sie war das Gesicht bekannter Marken wie Esteé Lauder und Revlon und schaffte es 24 Mal auf das Cover der amerikanischen „Vogue“, zwanzig Jahre bevor Claudia Schiffer als deutsches Fräuleinwunder in der Modewelt durchstartete. Mit Mitte Zwanzig schlug sie einen neuen Weg ein, belegte in New York Kurse für Modedesign an der Academy of Art und studierte später am Fashion Institute of Technology, an dem auch Calvin Klein seinen Abschluss gemacht hatte.

          In den achtziger Jahren gelang ihr zurück in Deutschland der Durchbruch als Designerin. Ihre Firma baute sie aber nicht in Düsseldorf auf, das damals als Mittelpunkt der deutschen Modewelt galt, sondern in Köln. Das Bling-Bling, das auf der Düsseldorfer Kö zur Schau getragen wurde, war ihr fremd. Zugleich verstand sie es, ihre Kollektionen gut zu vermarkten, indem sie ähnlich wie Jil Sander ihr Gesicht als Werbeträger nutzte. 1983 lancierte sie eine Kosmetiklinie, darunter ein Parfum unter ihrem eigenen Namen. Dazu kamen „Caren Pfleger Eyewear“ und eine Taschenkollektion.

          In den neunziger Jahren stagnierte das Geschäft, ihre knapp 50 Läden mussten schließen. Pfleger entwarf danach für eine große Kaufhauskette und schrieb esoterisch angehauchte Lifestyle-Bücher. Zweimal, 1996 und 1998, wurde ihr in Monte Carlo von Karl Lagerfeld der Fil d’Or beim Festival International des Créateurs überreicht. Zwei Monate nach ihm starb nun auch Caren Pfleger im Alter von 74 Jahren – wie erst jetzt bekannt wurde bereits am 11. Mai in einem Kölner Krankenhaus.

          Weitere Themen

          All right in all white!

          Adidas Supercourt : All right in all white!

          Adidas Originals wird 50: Dazu gibt es eine neue Sammlung mit den besten Sneakern in Weiß. Heraus sticht ein echter Tennisklassiker. Die Kolumne Sneak around hat ihn unter die Lupe genommen.

          Topmeldungen

          Persischer Golf : Amerika meldet Abschuss iranischer Drohne

          Amerikas Präsident zufolge zerstörte die „USS Boxer“ das unbemannte Fluggerät über der Straße von Hormus, weil sie ihr zu nahe gekommen sei. Teheran entgegnet, Iran fehle keine Drohne.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.