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Will nicht nur der Designer sein, der Hiroshima überlebte: Issey Miyake. Bild: 55158421 © Armin Smailovic / Ag

Issey Miyakes 80. Geburtstag : Der Designer, der Hiroshima überlebte

Er hat die Atombombe überlebt, seine eigene Modemarke gegründet und den Plissee-Stil entwickelt: Designer Issey Miyake wird heute 80 Jahre alt.

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          Große Mode entsteht oft genug aus leidvoller Erfahrung. Den Schrecken hinter sich lassen, Krieg und Armut überwinden, das Schöne suchen – das waren wichtige Motive bei der Berufswahl, von Jil Sander, die in einem Luftwaffenlazarett geboren wurde, bis hin zu Wolfgang Joop, der seinen Vater bis zum achten Lebensjahr nur von Fotos kannte, weil Gerhard Joop bis 1952 im Krieg, im Lager und im Zuchthaus war.

          Alfons Kaiser
          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Für Issey Miyake, der an diesem Sonntag 80 Jahre alt wird, gilt diese Theorie von der biographischen Überkompensation frühen Leids erst recht. Er wurde am 22. April 1938 in Hiroshima geboren. Als Siebenjähriger erlebte er am 6. August 1945 die Explosion der Atombombe. Viele Familienmitglieder kamen ums Leben, seine Mutter starb drei Jahre später an der Strahlenkrankheit, und er selbst entwickelte seit dem zehnten Lebensjahr ein Knochenmark-Leiden, weshalb er hinkt.

          „Ich wollte nie der Designer sein, der die Atombombe überlebt hat“, schrieb er später einmal. Allerdings habe er erfolglos versucht, die Erinnerungen an das helle rote Licht, die schwarze Wolke und die panisch fliehenden Menschen hinter sich zu lassen: „Ich wollte mich auf das beziehen, was entstehen kann, nicht auf das, was zerstört wird.“ Da blieb – nach dem Studium des Designs an der Tama-Kunsthochschule – nur noch die Mode.

          Bis in die neunziger Jahre entwickelte Miyake seinen typischen Plissee-Stil wie hier beim „Staircase Dress“ 1994. (Das Bild, aufgenommen von Irving Penn, ist Teil der Ausstellung „Der Jahrhundertfotograf“ in der C/O Galerie Berlin). Bilderstrecke
          Bis in die neunziger Jahre entwickelte Miyake seinen typischen Plissee-Stil wie hier beim „Staircase Dress“ 1994. (Das Bild, aufgenommen von Irving Penn, ist Teil der Ausstellung „Der Jahrhundertfotograf“ in der C/O Galerie Berlin). :

          Für einen männlichen Japaner war das in den fünfziger Jahren noch revolutionär. Bestärkt wurde er in den sechziger Jahren in New York und Paris, unter anderem bei Givenchy und Guy Laroche. 1970 gründete er die Modemarke Issey Miyake, und bis in die neunziger Jahre entwickelte er seinen typischen Plissee-Stil („Pleats Please“), eine noch recht liebliche Variante des „post-atomic look“ von Rei Kawakubo und Yohji Yamamoto.

          Nach seinem Rückzug ist die Marke modisch nicht mehr bestimmend. Mit den Parfums bleibt sein Name aber gegenwärtig. Prägend war gleich der erste Duft von 1992: „L’eau d’Issey“ ist im Französischen ein Wortspiel mit „l’odyssée“. Die Odyssee dieses Mannes liegt nun, da er sich dem Druck des Geschäfts mit der Schönheit nicht mehr beugen muss, hinter ihm. Mehr kann man sich nach diesen ersten 80 Jahren nicht wünschen.

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