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Erstmals Zahlen veröffentlicht : Chanel bricht sein Schweigen

Chanel-Schau bei der Modewoche in Paris im März Bild: Helmut Fricke

Zum ersten Mal hat die 1910 von Coco Chanel gegründete Firma einen richtigen Geschäftsbericht veröffentlicht. Die neue Transparenz von Chanel hat wohl einen bestimmten Grund.

          Chanel galt unter den großen Luxuswaren-Herstellern lange Zeit als die verschwiegene Schönheit. Wer an Geschäftszahlen interessiert war, musste sich zur Handelskammer von Amsterdam begeben, wo die Chanel International BV ein dünnes Zahlenwerk hinterlegte. Am Donnerstag aber veröffentlichte die 1910 von Coco Chanel gegründete Firma erstmals einen richtigen Geschäftsbericht. Danach befindet sich der Arbeitgeber von Karl Lagerfeld, der den Brüdern Alain und Gérard Wertheimer gehört, in guter Gesundheit und kann mit der Großen der Branche gut mithalten.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz von Chanel um 11 Prozent auf 9,62 Milliarden Dollar (8,3 Milliarden Euro). Der Nettogewinn verbesserte sich um 18,5 Prozent auf umgerechnet 1,54 Milliarden Euro. Der Betriebsgewinn lag bei 2,3 Milliarden Euro, der liquide Mittelzufluss (cash flow) bei 1,4 Milliarden Euro und die Nettoverschuldung bei 15,5 Millionen Euro. Mit diesen Kennziffern ordnet sich Chanel größenmäßig in die Nähe seines Erzrivalen Louis Vuitton (LVMH-Gruppe) mit dessen geschätzten Umsatz von rund 8 Milliarden Euro ein sowie vor dem italienischen Konkurrenten Gucci (Kering-Gruppe) mit seinen 6,2 Milliarden Euro.

          Die neue Transparenz von Chanel dürfte sich damit erklären, dass das Modehaus zuletzt als mögliches Übernahmeobjekt gehandelt wurde. Diese Spekulation sei jedoch völlig haltlos, genauso wie jene über einen Börsengang, betonte der Chanel-Finanzchef Philippe Blondiaux. „Wir wollen unsere Bilanz für sich selbst sprechen lassen.“ Und er fügte hinzu: „Wir können unseren Status einer privaten, unabhängigen Firma in den nächsten Jahrhunderten behalten.“

          Chanel profitiert so wie seine Konkurrenten von der starken Nachfrage im asiatisch-pazifischen Raum. Der Umsatz lebt zudem stark vom umfangreichen Geschäft mit Make-up und Parfums. Das legendäre „Chanel No 5“ wird längst durch neue Düfte erfolgreich ergänzt, etwa „Gabrielle“ in Erinnerung an die Firmengründerin Gabrielle (Coco) Chanel.

          Das Unternehmen kündigte auch die Gründung der Holding Chanel Limited, mit Sitz in London an. Unter ihr sollen die verschiedenen Geschäftsbereiche mit ihren 20.000 Mitarbeitern zusammengefasst werden. Die Schönheitsprodukte verkauft Chanel online, Modeprodukte wie die Bekleidung kommen dafür aber weiter nicht in Frage, heißt es. Das Vermögen von Alain und Gérard Wertheimer, die je die Hälfte halten, wird von Bloomberg auf jeweils 12,2 Milliarden Euro geschätzt.

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