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Yves Saint Laurent im Museum : Ein Hochamt für den Heiland der Haute Couture

  • -Aktualisiert am

Das ikonische Porträt des Künstlers schwebt über seinen Schöpfungen: Blick in einen Ausstellungsraum des neuen Yves-Saint-Laurent-Museums in Marrakesch Bild: dpa

Wenn alle in Schwarz kommen, trägt der Meister Weiß: In Marrakesch und in Paris huldigen neue Museen dem Modeschöpfer Yves Saint Laurent.

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          Eine Erscheinung: die „Robe Mondrian“ von 1965. Das meistkopierte Kleid der Modegeschichte. Aus pechschwarzer Finsternis tritt es dem Besucher entgegen, in leuchtender Farbigkeit und sachlicher Geometrie. Eine raumhohe Vitrine schirmt das ärmellose Cocktailkleid ab: Wir sind im Musée Yves Saint Laurent Marrakesch, wo der Auftakt der Dauerausstellung sich dezidiert selbstreflexiv gibt: Ein Kleid, das von einem Gemälde inspiriert ist, wird hinter Glas wie ein Kunstwerk präsentiert – eine schlagende visuelle Metapher für die Verwandlung der „Robe Mondrian“ vom Gebrauchsgegenstand in ein Sammlerstück.

          Das vor kurzem der Öffentlichkeit vorgestellte Museum soll Yves Saint Laurents Œuvre beleuchten. Der monographische Ansatz stellt es in eine Reihe mit dem Cristóbal Balenciaga Museoa im baskischen Getaria und mit Armani/Silos in Mailand. Beide Häuser, ebenfalls in den letzten Jahren eröffnet, sind als Bauwerke wesentlich größer, als Sammlungen ungleich kleiner.

          Die Marke Saint Laurent, 1961 gegründet, begann schon drei Jahre später, für jede Kollektion eine Auswahl von Prototypen zu bewahren. Von den weit über achttausend Haute-Couture-Modellen, die Saint Laurent bis zu seinem Rückzug 2002 schuf, befinden sich heute rund 3100 in der Kollektion der Fondation Pierre Bergé – Yves Saint Laurent. Dazu kommen zweitausend Prêt-à-porter-Modelle sowie Zehntausende von separaten Kleidungsstücken, Accessoires, Zeichnungen, Fotos und anderen Dokumenten.

          Ein nächtlicher Zauber

          Nach der Vision des aus dem Dunkel heranschwebenden Mondrian-Kleids schluckt den Besucher ein pechschwarzer Gang. Ästhetische Anmutung macht die didaktische Bestimmung vergessen: links eine lange Wand aus Leuchttafeln mit „planches de collection“ (handgezeichneten Listen verwandter Modelle), rechts eine Zeittafel mit ikonischen Fotos. Am Ende des Gangs geleiten drei schwarze Stehpuppen in androgynen Outfits ums Eck. Dort zieht der Hauptsaal den Blick in die Tiefe – ein nächtlicher Zauber. Den Längsseiten der Black Box entlang stehen Dutzende Mannequins Spalier: links in schwarzen, rechts in bunten Kleidern. Über ihnen flimmern an den Wänden Fotos und Filme, begleitet von der Stimme des Couturiers oder jener der Callas. Wie die schwarz verschwommene Spiegelfläche eines Sees reflektiert der Terrazzoboden die Mannequins, die sternengleichen Spots an der Decke und das sublime Foto des Couturiers im weißen Anzug – 1972 durch Jeanloup Sieff wie für die Ewigkeit geschossen, schwebt dieses Lichtbild wie eine überlebensgroße Ikone über dem Saal. Ist es Zufall, dass der dandyhafte Heiland der Haute Couture, die schwarzgekleideten Mannequins zur Linken, die bunten zur Rechten, als Einziger Weiß trägt?

          Fassade des Yves-Saint-Laurent-Museums in Marrakesch

          Die rund fünfzig ausgestellten Modelle sind zu thematischen Gruppen geordnet, die die wichtigsten Sujets von Saint Laurents Schaffen illustrieren: Anverwandlung von Männerkleidern wie Smoking, Trenchcoat oder Marinejacke, Anleihen bei Kostümen aus fremden Ländern, fernen Epochen, Inspiration durch Maler des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts und vieles mehr. Unter anderen sind ein historisierendes Ballkleid aus grau moiriertem Seidentaft mit Pumpärmeln, Rüschen und Schleppe zu bestaunen, eine grasgrüne Organza-Abendrobe, bestickt mit Perlen, Pailletten und rot-weißen Seidenblüten, oder ein schwarzes „Bambara“-Kostüm mit konisch vorkragenden Büstenhaltern, dessen Stickereien aus Kunststoffplättchen und Rocaille-Perlen rituelle Ziernarben evozieren.

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