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Ferien nach Maß: Wolfgang Joop : „Nichts ist ekliger, als gebräunt zu sein“

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Wolfgang Joop genießt, hier vor seiner Villa Wunderkind am Heiligen See, die Ruhe in Brandenburg. Bild: Matthias Lüdecke

Wir wollten wissen, wie Modemenschen Urlaub machen: Im dritten Teil erreichen wir Wolfgang Joop in Saint-Tropez, wohin er sich der Ruhe wegen geflüchtet hat.

          Herr Joop, wo erreichen wir Sie?

          Saint-Tropez. Bin einfach mal kurz abgehauen. Wasser 19 Grad, Luft 23 Grad noch am Abend.

          Schönes Leben!

          Ja, aber ich bin nicht mehr so für den Trubel. In diesem Jahr setze ich mich mit dem Thema Älterwerden auseinander. Vor kurzem ist Dickie Mommsen gestorben, Jil Sanders Lebensgefährtin, und der Mann meiner Ex-Frau auch. Ich bin zum Glück genetisch gesegnet. Aber ich beschäftige mich damit, Abschied zu nehmen. Dann kann man neue Wege suchen.

          Sie sind durch die Heidi-Klum-Sendung nun auch bei Jüngeren populär geworden. Müssen Sie sich davon erholen?

          In der Wahrnehmung der Leute bin ich eine ganz andere Person geworden. Kreisch-Alarm auf der Straße, jeden Tag. Es macht Spaß, diese andere Rolle. Wir leben nicht mehr im Zeitalter der mysteriösen Designer. Wie Karl Lagerfeld muss man sich der medialen Herausforderung stellen, wenn man mit seiner Marke überleben will.

          Wo waren Sie denn zuletzt in Urlaub?

          Tel Aviv. Das war eine ziemliche Katastrophe, alles ist schmutzig, das Bauhaus-Viertel ist runtergekommen, alle sind arrogant, die Hotels am Strand sind scheiße. Dann war ich in Mailand zur Designmesse, in Ancona in den Fabriken für Taschen und Schuhe. In einer Fabrik saß nur noch die Familie. Alle Arbeiter entlassen, weil die Produktion in China ist. Der Niedergang Europas macht mich melancholisch. Ich weiß auch nicht, wo man hinfahren soll. Der Süden mit all der schlechten Pizza geht mir auf die Nerven. Die Clubs mit Technomusik auf Ibiza und verdrogte Leute halte ich nicht mehr aus.

          Aber Saint-Tropez?

          Hier ist es ganz schön, paradiesisch. Brigitte Bardot hat dem Ort ihren Stempel aufgedrückt. Bis heute will jede Frau so aussehen wie sie, ob es Kate Moss ist oder Claudia Schiffer.

          Und Sie halten sich gut, so in Badehose?

          Und ob. Erst gestern traf ich eine Frau aus Hamburg, die war erstaunt, dass ich es war, so jung und schön. Die Tochter dieser Frau, die sah hier Jean-Paul Belmondo und wusste gar nicht, wer das war. Da merkt man natürlich, was für eine alte Kuh man ist.

          Sie brutzeln da so in der Sonne?

          Mit Sonnenschutzfaktor 60 von Kopf bis Fuß! Ich finde nichts ekliger, als gebräunt zu sein. Das ist so yesterday. Der Scherz aus Sylt ist ja bekannt: „Oh, haben Sie aber hübsche Krokoschuhe an! Ach, Sie tragen gar keine Schuhe?“ Davor habe ich Angst: vor den Krokoschuhen.

          Arbeiten Sie auch in Saint-Tropez?

          Ja, abends, da ziehe ich mir die Schaufenster rein, und ich muss all die Handtaschen vergleichen, die sowieso alle gleich aussehen. Das ist so wie ganz schlimme Schularbeiten, wie Nachsitzen. Ich hasse Handtaschen wie die Pest! Ich weiß gar nicht, warum Frauen Einbauküchen am Arm haben. Heute tragen die Taschen die Frauen, nicht die Frauen die Taschen.

          Und wohin fahren Sie nun im Sommer?

          Ich weiß nicht. Der deutsche Sommer am Heiligen See ist unvergleichlich. Der deutsche Sommer ist einfach cool. An den Müggelsee zu fahren ist nicht schlecht.

          Also auch Berlin?

          Berlin? So trostlos! Diese Stadt ist ein einziges verlogenes Versprechen!

          Doch nur Brandenburg?

          Genau. Ich fahre dauernd mit dem Fahrrad herum und stürze einmal pro Monat. Diese geistige Ausnüchterung genieße ich. Wenn man zwei Monate lang einen Drehplan hingelegt bekommt, und man weiß nicht, ob die 25 Mädchen dich am nächsten Morgen erwürgen oder abknutschen: Da habe ich auch begriffen, welches Privileg ich mein Leben lang hatte, mir meinen eigenen Arbeitsplan hinzulegen. Um das Leben neu zu begreifen, brauche ich keine Disko und keinen heißen Strand.

          Und was bringen Sie aus Saint-Tropez mit?

          Ich habe mir am Strand für 100 Euro eine Versace-Tasche gekauft. Wenn alle etwas ganz furchtbar finden, dann darf man es gut finden. Daher habe ich jetzt eine Strandtasche mit Leopardenmuster. Das ist so beyond, das geht wieder. Cool ist heute nur der bad taste.

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