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Mode für Fortgeschrittene : Warum es fürs Alter keinen Dresscode gibt

  • -Aktualisiert am
Oft zu flott: Ihre Kunden stylen Greta Silver, 70, Model, gelegentlich gediegener, als sie ist.

Wie jedoch sieht die Generation der 65- bis 85-Jährigen sich selbst, und wie passt dazu die Mode, die sie trägt? Allgemeine Indizien liefert die Generali-Altersstudie von 2017, welche die Lebenssituation älterer Menschen in Deutschland vom Allensbach Institut für Demoskopie untersuchen ließ. Diese stellte fest, dass viele Menschen zwischen 65 und 85 Jahren ihr gefühltes Alter um rund 7,5 Jahre jünger angeben als ihr tatsächliches Alter; dass ihr Lebensgefühl als überwiegend positiv zu bezeichnen ist und 44 Prozent gelegentlich bis regelmäßig Sport treibt. Im Vergleich dazu waren es 1986 nur 16 Prozent aktive Rentner. Logisch, dass diese Faktoren am Ende auch einen Einfluss auf das Auftreten haben.

Ein anderes, ein subjektives Bild liefert Greta Silver, 70 Jahre alt. Silver modelt, ist YouTuberin und hat zuletzt ein Buch mit dem Titel „Wie Brausepulver auf der Zunge“ geschrieben, das es auf die „Spiegel“-Bestsellerliste geschafft hat. Auf dem Buchtitel trägt Silver einen Wollmantel im angesagtesten Gelb des Sommers, einem warmen Gold-Gelb. Die Hamburgerin ist niemand, der sich durch das zunehmende Alter einschränken lässt. Auch nicht modisch. Im Gegenteil. In ihrem Buch berichtet Silver, dass sie manchmal bei Foto- oder Filmproduktionen in ihren privaten Klamotten als „zu flott“ daherkommt und daraufhin „auf solide umgestylt“ wird. Andererseits inspiriert sie mit ihrem Stil genauso gut Produzenten dazu, „Omi-Klischees“ abzulegen.

„Meine Freundinnen sehen alle toll aus“

Dabei war die Hamburgerin nicht schon immer so modebewusst: „Ich habe mich früher älter angezogen, als ich es war“, erzählt sie. Heute, als Großmutter, vermeidet sie „angepasste Kleidungsstücke“ und greift lieber zu kräftigen Farben. „Vor allem, seit ich weiße Haare habe.“ Zum klassischen Kleid kombiniert Greta Silver Lederjacke. Sie kauft ihre Stiefeletten beim skandinavischen Label Acne und trägt Skinny-Jeans von Closed, Teile, die auch jede Jungschauspielerin abseits des roten Teppichs so anziehen würde. Kritik gibt es in ihrem Umfeld keine. „Meine Freundinnen sehen alle toll aus“, sagt Greta Silver. Sie wünscht sich, dass auch andere Frauen in ihrem Alter modeaffiner wären.

Eine Marke, die Frauen wie Silver ansprechen und sich den veränderten Bedürfnissen der Zielgruppe der Best-Ager ab 50 anpassen möchte, ist Bonita. Das 1979 gegründete Damenbekleidungsunternehmen ist neben Firmen wie Gerry Weber oder den Versandhäusern Witt Weiden und Peter Hahn eine jener Firmen, die sich mit „Oma-Mode“, sprich Pastellfarben und großen Prints, in Verbindung bringen lassen. Zumindest, wenn man sich die Filialen in den Einkaufsstraßen von mittelgroßen deutschen Städten wie zum Beispiel Potsdam einmal anschaut: Vor dem Bonita-Geschäft hängen Hosen in Siebenachtel-Länge in Apricot oder Mint auf den Ständern. Eine Schaufenster-Puppe trägt ein Tweedjäckchen, das mit etwas gutem Willen eine Hommage an Chanel sein könnte. Im Regal stehen weiße Ledersandalen mit flachen Absätzen. Teile wie diese gibt es auch bei Verkaufssendern wie HSE24 oder QVC, wo diese Mode von den nie müde wirkenden Moderatoren oft mit Attributen wie „frisch“ oder „praktisch“ umworben wird.

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