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Wie seh’ ich aus? : „Kann ich als Linke Perlen tragen?“

Sehnsüchte nach Reichtum: die Perlenkette Bild: dpa

Vor der Bundestagswahl sehen wir uns die modischen Auftritte der Politiker genauer an. Dieses Mal: Gesine L. aus B. und die heimliche Sehnsucht hinter ihrer Perlenkette.

          Wenn Klaus E. den Motor seines 911ers zum Heulen bringen kann, ohne sonderlich aufs Gaspedal zu treten, wenn Sahra W. weiß, wo man in Straßburg einen Hummer genießt, na klar, warum sollten Sie, liebe Frau L., sich dann keine Perle um den Hals hängen dürfen? Vielleicht halten Sie es in Sachen Statussymbole auch wie Frau W.: Solange die Perle mit Geld bezahlt wurde, das man nicht verdient hat, indem man seine Überzeugungen verkauft, dann ist der Luxus legitim. In dem Sozialismus, von dem Ihre Partei träumt, werden laut Frau W. ja angeblich „alle Menschen Hummer essen können“.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Hummer, Porsche und Perlen - es wirkt fast so, als hätten es Sie und Ihre Genossen ganz besonders auf die offensichtlichen Statussymbole abgesehen. Gerade Ihre Perle ist ein interessantes Beispiel: Mit Perlen kann man ja gut blenden. Selbst die Attrappen, die falschen Perlen, sehen täuschend echt aus. Schon Coco Chanel trug sie in mehrmals um den Hals gebundenen Strängen - allerdings wohl auch, um damit den Pomp der besseren Bürger zu ironisieren. Leider meinen die heutigen Bürger, die so gerne bessere wären, ihre falschen Perlen knallernst. Um Perlen zu tragen, muss man nicht reich sein, und gleichzeitig sind sie Symbol des Reichtums: Das kommt vielen gelegen. Die Frage ist, ob Sie das auch so sehen wollen.

          Nicht auf Schmuck verzichten

          Ihre dicken pinkfarbenen Ringe, die dünnen silbernen Armreifen, die an Ihrem Handgelenk klimpern, die kleinen und somit etwas unentschlossen wirkenden Kreolen, die können Sie ohne weiteres tragen. Sie können auch gerne einen Nachmittag mit Nadel, Faden und Steinen in Schwarz, Rot und Gold auf dem Teppichboden verbringen, vertieft in ein Do-it-yourself-Projekt, um eine Kette zu machen, die Frau Merkels Schlandmodell vom TV-Duell Konkurrenz macht. Als Linke muss man nicht auf Schmuck, und sei er selbstgebastelt, verzichten.

          Aber Ihre Perlenkette ist anders konnotiert - konservativer. Sie erzählt von den Sehnsüchten nach Reichtum, nach sommerlichen Sonntagen auf der Pferderennbahn, nach Grillfesten mit dem Tennisclub auf dem perfekt gemähten Rasen, wo die Männer super sitzende Bermudas tragen und die Damen schlichte Pumps in Hautfarben. Diese Perlen sind beliebte Requisiten eines Wasp-Lebensstils, wie er nicht nur an der amerikanischen Ostküste erträumt wird. Das hat auch zur Folge, dass Perlen eben vornehmlich von einem Haufen Blender getragen werden, die das hässliche Sprichwort von den Perlen, die man vor die Säue wirft, wahrscheinlich lustig finden. Tragen Sie also Perlen! Tragen Sie meinetwegen ein ganzes Collier! Mobilisieren Sie Ihre Genossinnen, es Ihnen gleichzutun! Den Blendern werden Sie Perlen damit so richtig madig machen. Das Getue, zumindest mit den Perlen, hat dann vielleicht irgendwann ein Ende.

          Fragen Sie ruhig!

          Sie sind kein Politiker und haben wirklich eine Frage? Sie sind sich etwa unsicher, ob man Gummistiefel auch bei Herbstsonne tragen darf? Oder ob die Übergangsjacke eine Wachsschicht haben sollte? Wir beraten Sie an dieser Stelle gerne. Schicken Sie uns die Frage und das entsprechende Foto an wie-seh-ich-aus@faz.de.

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