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Wie seh ich aus? : „Kann die Hose auch mal hellblau sein?“

Kann die Hose auch mal hellblau sein? Bild: Schmitt, Tobias

Vor der Bundestagswahl sehen wir uns die modischen Auftritte der Politiker genauer an. Dieses Mal Bernd S. aus H. und B. und dessen hellblaue Chinos.

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          Neben dem Vorsitz der Piratenpartei, lieber Herr S., bekleiden Sie eine Position im Verteidigungsministerium unter Thomas de Maizière. Dort weht sicher ein Wind, der jeden neuen Beamten sofort dazu veranlasst, sich eine hübsche Sammlung Anzüge zu besorgen, die dann stets frisch gereinigt im Kleiderschrank parat hängen. Der Aufzug, in dem Sie sich dagegen in Ihrer Funktion als Parteivorsitzender sehen lassen, wirkt, als würden Sie darin wochenends einem wohltätigen, durchaus anspruchsvollen Hobby nachgehen. Einem, bei dem man sich ruhig mal ganz locker und zugänglich mit Wollschal, Schiebermütze oder eben in Chinos zeigen kann. Das ist nicht ungeschickt: Sie erinnern Ihre Genossen an den Spaß, den man bei der Arbeit haben sollte, der wiederum Streitereien untereinander als völlig abwegig erscheinen lässt, und das hat Ihre Partei ja auch ziemlich nötig.

          Bunte Hosen gehören zum guten Ton

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nun sind die Piraten beim Thema optische Sittenwidrigkeiten natürlich kein unbeschriebenes Blatt. Und trotzdem sind die Chinos in Hellblau selbst auf einem offiziellen Termin wie diesem, der ganz im Zeichen der Schärfung eines professionelleren Profils steht, Ihrem Bundesparteitag nämlich, nicht unangebracht. Bunte Hosen gehören heute zum guten Ton. Waren Sie in letzter Zeit mal bei einem Herrenausstatter? Für gewöhnlich kommen da auf ein Regal mit langweiligen Hosen in Grau, Marine, Beige und Schwarz mindestens vier kunterbunte, mit Stücken in allen leuchtenden Farben, von denen man bei zu langem Hinsehen eigentlich Kopfweh bekommen müsste. Mit einer Selbstverständlichkeit, die man so bei Männern und Mode nicht gewohnt ist, ziehen sich dort die Herren, mit den bunten Modellen bewaffnet, in den Umkleidekabinen um.

          Erklärungsversuch der meistgetragenen Modelle

          Die Frage ist also nicht mehr, ob Hosen auch hellblau sein dürfen, sondern allenfalls, was diese Farben jeweils an den Beinen von Männern bedeuten. Ein Erklärungsversuch der meistgetragenen Modelle:

          Rot: Man würde gerne eine bunte Hose tragen, nur wie wird das im Lions-Club ankommen? Die Lösung: Rot. Die zieht doch auch der britische Landadel über.

          Gelb/Grün/Orange: Kennt und schätzt man aus den Siebzigern. Damals trug man sie mit Schlag. Das geht heute nicht mehr. Aber die Farbe - na klar.

          Türkis/Fuchsia: Man ist eben ein schräger Vogel und stolz drauf.

          Gemustert: Modisch möchte man ganz vorne dabei sein. Jetzt, da der Bunte-Hosen-Trend die Massen erreicht hat, ist es Zeit weiterzuziehen.

          Hellblau: So recht traut man sich doch nicht. Aber Hellblau, das ist doch fast Mittelblau, also eigentlich eine klassische Hosenfarbe.

          Fragen Sie ruhig!

          Sie sind kein Politiker und haben wirklich eine Frage? Sie sind sich etwa unsicher, ob man Gummistiefel auch bei Herbstsonne tragen darf? Oder ob die Übergangsjacke eine Wachsschicht haben sollte? Wir beraten Sie an dieser Stelle gerne. Schicken Sie uns die Frage und das entsprechende Foto an wie-seh-ich-aus@faz.de.

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