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Wie seh’ ich aus? : „Darf ich mit der Chefin über Handtaschen sprechen?“

Schwieriges Gesprächsthema: die Tasche der Chefin Bild: dpa

Vor der Bundestagswahl sehen wir uns die modischen Auftritte der Politiker genauer an. Dieses Mal Frau K. aus B. und die Handtasche ihrer Chefin.

          Sie können hier fast nur verlieren, liebe Frau K. Selbst wenn es um Lob gehen soll, wie wir erst mal vermuten wollen. Sollten Sie allerdings ernsthaft vorhaben, die Handtasche Ihrer Chefin zu kritisieren, dann kann ich Ihnen nur raten, an sich zu halten. Die Kaufentscheidung ist bereits gefallen. Eine Tasche ist es nicht wert, Ihren Stand bei der Chefin aufs Spiel zu setzen. Nun ist allerdings auch Lob schwer zu vergeben, geht es doch um ein Taschenmodell, welches so unauffällig ist, dass nichts weiter darüber gesagt werden kann - außer dass es neu ist. Wenn Ihre Chefin zum Beispiel eine dieser Rockstud Shopper von Valentino am Arm tragen würde, die mit Nieten besetzt sind, wäre die Lage eine andere. Selbst bei einer Falabella Bag von Stella McCartney könnte daraus noch ein Thema werden, Stella ist schließlich Vegetarierin und die Tasche deshalb bewusst aus Kunstleder. Aber dieser Schatten von Handtasche sieht aus, als wäre er Teil einer Sammlung halbvergessener Modelle, die ihr Dasein im Garderobenschrank fristen und alle paar Jahre von der Trägerin wiederentdeckt werden.

          Ausnahmsweise dürfen Sie keine Meinung haben

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sich das ausführliche Gespräch darüber zu sparen wäre die eleganteste Lösung. Ausnahmsweise dürfen Sie mal keine Meinung haben, Sie arbeiten schließlich nicht in einer Moderedaktion, wo jede neue Anschaffung, jedes Vorrücken auf einer Warteliste Anstoß für eine Diskussion mit den Kollegen ist, deren Urteil in Stilfragen geschärft sein müsste. Ich vermute, dass solche Themen bei Ihnen eher schlecht ankommen würden. Das könnte wiederum auch bedeuten, dass Ihre Chefin auf dem Gebiet nicht allzu gefestigt ist; Ihr Kommentar könnte sie schnell verunsichern. Und was wollen Sie auch sagen? Dass die Tasche über genug Stauraum verfügt, dass man, mit Zeitungen und Proviant darin, auch einen Tag in Ihrer Stadt, in M., überleben kann, sollte man dort mit der Bahn hängenbleiben? Oder wollen Sie die Marke kommentieren, deren Name wahrscheinlich in den Metallbeschlägen eingraviert ist? Sind Sie etwa neugierig, wo Ihre Chefin einkauft und wie viel Geld sie für eine Handtasche ausgibt? Solche allzu direkten Blicke und Fragen gehören sich nicht.

          Lassen Sie also die Finger vom Leder, und vergessen Sie die Idee, darin ein tiefgründiges Gesprächsthema zu finden. Sie haben ja ein entspanntes Verhältnis zur Chefin, wollen ihr vielleicht irgendwann nachfolgen. Bleiben Sie deshalb souverän: Ein freundliches „Guten Morgen“, ein verbindliches „Wie war der Urlaub?“ und ein beiläufiges „Oh, schöne Handtasche!“ dürfte genügen, um Ihre Beziehung zu pflegen. Was anschließend dann aber doch jeden freut: ein Tipp für die Pflege des empfindlich hellen Leders.

          Fragen Sie ruhig!

          Sie sind kein Politiker und haben wirklich eine Frage? Sie sind sich etwa unsicher, ob man Gummistiefel auch bei Herbstsonne tragen darf? Oder ob die Übergangsjacke eine Wachsschicht haben sollte? Wir beraten Sie an dieser Stelle gerne. Schicken Sie uns die Frage und das entsprechende Foto an wie-seh-ich-aus@faz.de.

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