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Wie seh’ ich aus? : „Bin ich der schickste Politiker dieses Landes?“

Schon gut, aber nicht gut genug: Es fehlt das gewisse Etwas. Bild: dpa

Vor der Bundestagswahl sehen wir uns die modischen Auftritte der Politiker genauer an. Dieses Mal Christian L. aus B. und sein Kontrahent Alexander D. aus B. im Vergleich.

          Wie Sie da Anfang Mai vergangenen Jahres bei Günther Jauch saßen, lieber Herr L., Uhr, Manschettenknöpfe und Lederschuhsohle gut sichtbar, schließlich hatten Sie die Beine locker übereinandergeschlagen, das war kein schlechter Auftritt. Jedenfalls ließen Sie Norbert R., einen Platz weiter in der Runde, in modischer Hinsicht entschieden hinter sich, von Johannes P. - barfuß in Trekkingsandalen - ganz zu schweigen. Nur schwiegen anschließend die Medien über Ihren gelungenen Auftritt und spotteten anstelle dessen, was das Zeug hielt, über die Sandalen des Johannes P. So ist das hierzulande mit Mode, zum Lästern kommt sie gerade recht.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer allerdings weiß, Mode so für sich einzusetzen, dass daraus eine passende Hülle für das wird, was in ihr steckt, wird sich selten in Anerkennung sonnen können. Also an dieser Stelle: Ja, Sie sind einer der am besten gekleideten Politiker, die dieses Land hat. Fotos, auf denen Sie aus einem Auto steigen oder auf einem Podium stehen, könnten ebenso gut „Vanity Fair“-taugliche Aufmacherbilder großer Geschichten sein, selbst wenn im Hintergrund lediglich Funktionäre klatschen. Sie sind schön, Ihre Anzüge von Armani sitzen gut, Ihre Uhr aus dem Haus IWC Schaffhausen, das Modell Portugieser, hat sicher ein Vermögen gekostet und sieht dennoch nicht protzig aus, und mit den dünnen Krawatten zeigen Sie sogar Gespür für Trends.

          Oder sind die eigentlich als Ausdruck von Zurückhaltung gemeint, als Nummer Sicher? So wie die schmalen Revers Ihrer Anzüge? In der Menge der gemütlichen P&C-Bausteinanzugträger, mit denen Sie zu tun haben, wirkt Ihr Look somit auf den zweiten Blick nicht stark genug. Sie mögen der Hoffnungsträger der FDP sein, in modischer Hinsicht fehlt Ihnen das bisschen Extravaganz. Gute Aussichten auf den Posten hat deshalb ein gewisser Alexander D.

          Zum Vergleich: Alexander D. aus B.

          Wer, wenn nicht Sie, lieber Herr D., sollte besser wissen, dass man für sein gutes Aussehen hart arbeiten muss. 19 Kilogramm haben Sie vor einiger Zeit abgenommen, das war sicher kein Spaziergang. Mit anderen Worten: Sie tun alles, um sich auch in Ihrem Aussehen von den „faulen Sozialisten“, Ihre Worte, abzuheben - mit einem Stil, der gelegentlich ähnlich übers Ziel hinausschießt wie ein Haufen reicher Zöglinge in feuchtfröhlichen Internatsnächten. Aber Ihre Anstrengungen sind sichtbar, deutlicher als bei dem in Stilfragen geschätzten Christian L. Ihr modischer Auftritt steht Ihrem verbalen Ausdruck in nichts nach, wobei Sie im Auftritt ein glücklicheres Händchen zu haben scheinen als im Ausdruck. Glückwunsch, das können die wenigsten deutschen Politiker von sich sagen.

          Gelungene Kombination: Der modische Auftritt steht dem verbalen Ausdruck in nichts nach.

          Aber dieser graue Anzug mit feinen hellblauen Karos zur Krawatte mit hellblauem Paisley-Muster, der hat was. Oder die karierte Krawatte zum Nadelstreifenanzug - die lässt Sie modisch wie ein Pfau unter Politikern aussehen, einer, der jedoch nicht allzu sehr aus der Art schlägt, denn die Farben stimmen Sie gekonnt aufeinander ab. Darüber hinaus haben Sie die äußerst gelungene Kombination von braunen Schuhen und Krawatte zum dunkelblauen Anzug auf dem Schirm, und auf der Nase tragen Sie Ihre markante Woody-Allen-Brille. Selbst in einer Zeit, da dicke Gestelle auf den Nasen von Politikern keine Seltenheit mehr sind, zeigen Sie mit Ihrem Modell Kante und somit jenen Modemut, der Sie locker in den Rang des schicksten Politikers dieses Landes hebt.

          Fragen Sie ruhig!

          Sie sind kein Politiker und haben wirklich eine Frage? Sie sind sich etwa unsicher, ob man Gummistiefel auch bei Herbstsonne tragen kann? Oder ob die Übergangsjacke eine Wachsschicht haben sollte? Wir beraten Sie an dieser Stelle gerne. Schicken Sie Frage und Foto an wie-seh-ich-aus@faz.de.

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