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Lagerfeld zu Ehren : Ein zurückgegebenes Geschenk

Entwurf von Caro Daur Bild: PR

Prominente haben Hemden zum Gedenken an Karl Lagerfeld entworfen, die für einen guten Zweck verkauft werden. Eines der begehrten Stücke zu ergattern ist aber fast unmöglich.

          3 Min.

          Diala Makki hatte sich schon während der Anproben in diese Ohrringe verliebt. Und bei der Chanel-Schau in Dubai im Mai 2014 fiel ihr genau ein solcher Ohrring vom Ohr eines Models vor die Füße. „Wahrscheinlich weil er so schwer war“, sagt die Moderatorin und Journalistin, die damals bei der Cruise-Kollektions-Präsentation in der ersten Reihe saß. „Ich hob ihn auf, nahm ihn an mich und gab ihn später dem Bodyguard.“ Als sie gehen wollte, holte man sie zurück, und Lagerfeld gab ihr den Ohrring: „Als Erinnerung“.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Jetzt ist er zu einem einfacheren – und leichteren – Anhängsel auf einem weißen Hemd geworden, das in der Zentrale der Marke Karl Lagerfeld im Pariser Stadtteil Saint-Germain-des-Prés hängt, neben vielen anderen Hemden, die Freunde wie Baptiste Giabiconi, Kollegen wie Alessandro Michele und Models wie Kate Moss entworfen haben, um an den deutschen Modeschöpfer zu erinnern, der im Februar gestorben ist.

          Limitierte Auflage von 77 Stück für jeweils 777 Euro

          Die Marke seines Namens existiert weiter – und beweist es am Mittwochabend in der Prêt-à-porter-Woche mit einem großen Empfang, zu dem auch Prominente wie Kaia Gerber, Anna Wintour und Gigi Hadid kommen.

          „Das weiße Hemd war für ihn ein ikonisches Kleidungsstück“, sagt Lagerfeld-Geschäftsführer Pier Paolo Righi. Und weil seine Glückszahl die Sieben war, verkauft Righis Team nun sieben der 50 Entwürfe in einer limitierten Auflage von 77 Stück für jeweils 777 Euro. Schon vor Verkaufsbeginn am Donnerstag gab es online Hunderte Vorbestellungen.

          Das Geld aus dem Verkauf kommt dem Programm „Sauver la vie“ der Universität Paris Descartes zugute, das die Ausbildung von Medizinstudenten und die medizinische Forschung fördert. „Für uns ist diese Hilfe schon deswegen gut, weil es ein unabhängiges Programm ist, das nicht von Pharmaindustrie oder von Medizingeräteherstellern gefördert wird“, sagt Gérard Friedlander, der Dekan der medizinischen Fakultät, der ebenfalls geladen ist. „Karl hat uns seit dem Beginn unseres Programms vor vier Jahren unterstützt“, sagt er. „Bei einem Fundraising-Dinner überreichte er einen anonymen Umschlag, denn er war immer sehr diskret. Für uns war die Beziehung zu ihm eine Liebesgeschichte. Das Geld, auch aus diesem Verkauf jetzt, ist wirklich ein Geschenk.“

          „Das ist doch eine schöne Art, danke zu sagen“

          Als Diala Makki gefragt wurde, ob sie eines von 50 Hemden entwerfen wolle, sagte sie sofort zu. „Ich habe das so gemacht, wie er es gewollt hätte“, sagt sie an der Champagnerbar im Garten des Pariser Sitzes der Firma Karl Lagerfeld an der Rue Saint-Guillaume. Sie fragte also die befreundeten Modedesigner Azzi & Osta aus Beirut, die das Hemd mit ihr gemeinsam entwarfen: Am Kragen ragt eine Hand herab, die in einem fingerlosen schwarzen Lederhandschuh steckt und eine kleine Brosche in Form des Ohrrings hält. Dabei handelt es sich natürlich nicht um das Original – das liegt im Safe der Moderatorin. Auch die anderen Prominenten und Freunde ließen sich etwas einfallen: Tommy Hilfiger, der mit dem amerikanischen Konzern PVH den gleichen Anteilseigner hat wie die Marke Karl Lagerfeld, entwarf natürlich ein Hemd in den amerikanischen Farben, die zufälligerweise auch die seiner eigenen Marke sind. Cara Delevingne hat die Tattoos, die sie am Oberkörper trägt, original auf das Hemd drucken lassen, an den gleichen Stellen. Diane Kruger schrieb die schönsten Lagerfeld-Zitate auf die Knopfleiste und setzte auf die Rückseite des hohen Kragens den Satz: „Karl was here.“ Und Fußballspieler Cristiano Ronaldo hinterließ dicke schwarze Kleckse auf dem weißen Hemd, als wären es Freistöße.

          Mit einer solchen Charity-Aktion soll natürlich auch die Aufmerksamkeit auf die Marke gelenkt werden, die nach dem Tod des Designers weiterlebt. Im vergangenen Jahr ist sie um 50 Prozent gewachsen, in diesem Jahr um etwa 25 Prozent auf einen Umsatz von nun mehr als 600 Millionen Euro. „Das ist eine Größenordnung, auf die man aufbauen kann“, sagt Righi, der mit den 150 Mitarbeitern des Hauptsitzes in Amsterdam im Sommer ins renovierte Zonnewijser-Haus an der Herengracht umgezogen ist.

          Auch für Diala Makki lebt der Modeschöpfer weiter. „Nach der Dokumentation, die ich gemacht habe, ist meine Karriere richtig durchgestartet“, sagt sie. „Wenn man in der Modebranche arbeitet und etwas über ihn gemacht hat – dann hat man’s geschafft. Daher habe ich gerne bei dieser Aktion mitgemacht. Das ist doch eine schöne Art, danke zu sagen.“

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