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Kunst trifft Mode in Berlin : Echte Influencer, ein Duft wie für Keith Richards und ein Hype für Millenials

  • -Aktualisiert am

Kunstvolle Accessoires bei Dawid Tomaszewski Bild: Dawid Tomaszewski

In Berlin spielt dieser Tage Kunst die Hauptrolle, doch die Mode hat ein Gastspiel. Wie wird das inszeniert? Unsere Autorin hat sich auf einigen Veranstaltungen umgeschaut.

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          Berlin Art Week, Gallery Weekend, die Messe Positions, Berlin Biennale sowie die Ausstellung Studio Berlin im Berghain: Die Hauptrolle spielt in der Hauptstadt dieser Tage die Kunst. Doch auch die Mode trat mit einem Gastspiel auf: Erstaunlich viele Labels nutzen den Moment, ihre Ideen für heute und morgen zu inszenieren und präsentieren. Wenn man so will, lief parallel zur Kunstwoche eine Fashion Week Light. Ganz ohne klassische Modenschauen.

          Sich an die Kunst zu hängen, ist für die konstant nach Substanz und Sinnhaftigkeit suchende Mode genau genommen ein alter, aber immer noch schicker Hut: Designer lassen sich von den Werken von Künstlern inspirieren. Boutiquen sehen aus wie Galerien. Departement Stores locken mit Ausstellungen. Und die Großen der Mode sind gleichzeitig die Mäzene der Kunst. Außerdem steckt in jedem Sammler ein potentieller Kunde — und anders herum bedient sich der Kunstmarkt sowieso längst auch an den Mechanismen der Mode.

          Gerade in Berlin, wo Mode durch den angekündigten partiellen Umzug der Fashion Week nach Frankfurt institutionell zukünftig vielleicht in abgespeckter, zumindest in anderer Form stattfinden wird, könnte die Liaison mit der Kunstwoche eine Konzept mit Zukunft sein. Zumal sich das klassische Schauenkonzept zuletzt sowieso nicht mehr so recht behaupten wollte.

          Wie wurde Fashion im Rahmen Kunst inszeniert? Auf einigen Veranstaltungen der Woche haben wir uns umgeschaut.

          Sexy und artsy: Couture von Lucas Leclere
          Sexy und artsy: Couture von Lucas Leclere : Bild: LML

          LML Studio

          „Ich bin für Sex und Kunst nach Berlin hergezogen. Das Gallery Weekend ist für beides perfekt“, sagt Lucas Leclere. Zur Kunstwoche präsentierte der französische Künstler und Modedesigner, der mal Stoffdesigner bei Chanel war, seine Idee von Couture auf einem Event, das selbst so sexy wie artsy war: Zu den neuen Galerie-artigen Räumlichkeiten seiner Agentur Reference Studios auf der Potsdamer Straße zog es das Who is Who Berliner Party Kids, die in hedonistischen Modefummeln vor der Tür scheinbar ihr eigenes Event feierten — wegen der strengen Corona-Maßnahmen konnten nämlich nur wenige gleichzeitig hinein. Machte nichts: Die Sound Installation von Cem Dukkha und Nicolas Maxim Endlicher, den Gründern der berüchtigten Berliner Herrensauna Clubnacht, waberte genauso nach draußen wie die die Düfte von D. L. Roelen — multisensorisch kam hier alles zusammen.

          Lecleres Mode betrachtete man dann doch besser aus der Nähe. Immerhin arbeitet der Designer, der durch Gespräche und seine Ausstellung hüpft wie ein Flummiball, gern mit aussortierten Stücken der großen Luxushäuser. Nach dem Motto der Künstlerin Elaine Sturtevant — „remake, reuse, reassemble, recombine“ — verarbeitet er die feinhaptischen Überbleibsel zu nachhaltigen, einzigartigen Stücken, die man sich auf der MET Gala genauso vorstellen kann wie auf einer Sex Positive Party Post-Corona. Vielleicht auch im Museum. Ein gutes Beispiel ist ein dekonstruiertes klassisches Tweedkostüm. Mit handgestickten Spitzensäumen  sowie wilden Pinselstrichen hat Leclere dem eher konservativen Material eine Überdosis Berlin verpasst. Der Tweed scheint das zu genießen.

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