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Lagerfeld und die Fashion Week : „Er war wie Peter Pan“

Lagerfeld am Ende einer Haute-Couture-Schau in Paris, 2015 Bild: Helmut Fricke

Am Tag, als Karl Lagerfeld starb, begann die Mailänder Modewoche. Auch dort wird deutlich, welche Spuren der epochale Designer hinterlassen hat.

          Plötzlich sitzt er da. Es sind Hunderte Menschen im Saal, und alle haben sich jetzt erhoben. Die Schau von Fendi am Donnerstagmittag in Mailand ist gerade vorbei, es ist seine letzte Kollektion, nach 54 Jahren Arbeit für das Unternehmen, nach einem Leben in der Mode. Ganz am Ende des Laufstegs sieht man ihn jetzt im Video an einem Tisch sitzen. Zunächst erscheint auf der Leinwand nur seine rechte Hand im schwarzen Lederfingerling, beim Zeichnen. Der Stift ratscht über das Papier. Dann ist er ganz da, in Uniform, schwarzes schmales Jackett, weißes Hemd mit Vatermörderkragen, dunkle Sonnenbrille, schwarze Krawatte, Silberschmuck. Diese vertraute Stimme, freundliche Färbung, zugleich zu Sticheleien bereit. Die Modeleute zücken ihre iPhones, Instagram muss gefüttert werden.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es sind die Tage nach dem Tod von Karl Lagerfeld. Die Modeleute trauern nicht gemeinsam, jeder macht das für sich. Man erzählt sich höchstens Geschichten, wie sehr er fehlt, in welchem Moment einem die Tränen gelaufen sind, mitten in der Redaktionskonferenz für ein Heft. Eine Mailänder PR-Frau, die für ihren Designer am Dienstagmittag eine Pressekonferenz angesetzt hatte, erinnert sich daran, wie ein Dutzend italienische Journalisten innerhalb von Minuten weg waren, als die Nachricht eintraf.

          Sein Tod fällt in die Zeit der Damenmodewoche. Ein Zufall – und doch keiner. Denn mittlerweile ist ja immer irgendwo Saison: Herrenschauen und Couture im Januar, Damen im Februar und März. „Cruise“-Kollektionen im Mai. Dann wieder Herren und Couture im Juni, Juli, Damen im September, Oktober, und dann „Pre-Fall“ zum Jahresende.

          Paul Andrew und Guillaume Meilland zeigen in der ehrwürdigen Rotonda della Besana ihre Kollektion für Salvatore Ferragamo. Dabei sind neben Damenentwürfen auch Herrenlooks zu sehen. Bilderstrecke

          Karl Lagerfeld hat dieses System mit entwickelt. Er hat es geprägt wie kein anderer Designer. Daher hat die Branche jetzt das beunruhigende Gefühl, dass sie mit seinem Tod etwas Epochales verliert, etwas Unwiederbringliches, und dass die Mode Karl Lagerfeld für die Ewigkeit hätte brauchen können.

          Sein Einfluss zeigt mindestens einmal während dieser Woche, nämlich am Mittwoch, Nachwirkungen, die weh tun. Physische Schmerzen hat man mit dem Beginn der Gucci-Schau. Herrlich mild ist es an diesem Nachmittag, die Wärme fühlt sich zum Ende des Winters an wie Wellness. Drinnen tut Kreativ-Direktor Alessandro Michele alles dafür, diese Stimmung zu zerstören. Mehrere Schüsse, scharfes Brennen in den Augen, ein Sound, der in den Ohren knallt. Es folgt eine Kollektion mit spitzen Stachel-Nieten und Masken. Musik, Licht und Kollektion werden hier eins.

          Natürlich, auch jemand wie Alexander McQueen hat stets in radikalen Gesamtkonzepten gedacht, aber es waren Konzepte für eine kleine Gruppe. Nicht für Menschen auf der ganzen Welt. Niemand hat das früher und konsequenter durchgezogen als Lagerfeld, niemand hat die Schau so sehr zur Markenbildung genutzt, dass die sozialen Medien tagelang mit Bildern davon vollliefen. Auch Gucci probiert das, mit einer Einladung in Form einer Gips-Maske, die in einer Holzkiste angeliefert wird. Bildmaterial liegt bei Instagram schon wenige Minuten nach Eintreffen am Mittwochvormittag reichlich vor. Die Masken in der Kiste passen zu den Masken auf dem Laufsteg. Ein Gesamtkonzept, das sich schnell verbreiten lässt.

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