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Handtasche trifft Zeitgeist : Wie eine günstige Tasche zur „Bushwick Birkin“ wurde

  • -Aktualisiert am

Begehrte Tasche: Backstage bei Telfar während der Mailänder Fashion Week im September 2019 Bild: Picture-Alliance

Die „Bushwick Birkin“-Tasche des New Yorker Labels Telfar erreicht gerade Kultstatus. Wie hat der liberianisch-amerikanische Designer hinter dem Label das geschafft?

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          „Nicht für dich, sondern für jeden“ – das ist das Motto des liberianisch-amerikanischen Designers Telfar Clemens und es bricht komplett mit dem Elitismus der Mode. Vielleicht ist es aber ausgerechnet dieses Markenzeichen extremer Normalität, mit dem sein gleichnamiges Label Telfar nach gefühlt ewigem Nischendasein gerade Kultstatus erreicht. Die Shopping Bag der Marke ist jedenfalls so begehrt, dass sie als erste It-Bag der Generation Z gilt und permanent ausverkauft ist. In New York wird sie „Bushwick Birkin“ genannt, eine Kombination des Stadtteil, aus dem sie kommt, und dem Namen der Luxustasche von Hermès, die man erst nach Jahren auf einer Warteliste kaufen kann.

          Dabei wirkt sie mit ihrem pragmatischen Design aus Kasten und Henkeln erst einmal unscheinbar. Die drei Standardgrößen der Tasche sind quasi von den Maßen der braunen Papiereinkaufstüten von Bloomingdales abgekupfert, nur eben aus veganem Leder in allen Regenbogenfarben. Es ist das geprägte Logo, das aus der Tasche hervorsticht und zu einem Code für junge Amerikaner der Kunst- und Kreativszene geworden ist, die sich als queer, bunt und liberal identifizieren.

          In unterschiedlichen Farben mit großem Logo: Die Bushwick Birkin ist nicht nur auffällig, für eine Designertasche ist sie obendrein auch erschwinglich.

          Und es ist das Logo, das ein bisschen von Clemens eigener Geschichte erzählt, die die Authentizität des Labels trägt. Clemens wurde in Queens geboren, verbrachte aber die ersten Jahre seines Lebens in Liberia, weil seine Eltern nach dem Studium in ihre Heimat zurückkehrten, um Aufbauarbeit zu leisten. Erst der Bürgerkrieg brachte die Familie wieder in die Vereinigten Staaten. Weil er aber einen liberianischen Akzent hatte, wurde Clemens in die Förderklasse gesteckt, wo der Lehrer in der ersten Stunde als Übung die Initialen der Schüler an die Tafel malte. Das große C mit dem eingeschlossen T markierte die ersten Schritte zurück in Amerika und wurde zum Markenzeichen des Designers. Und das lange vor dem Hype. Angefangen hat Telfar Clemens nämlich bereits 2004, als er noch Buchhaltung an der Pace University studierte. In seiner Freizeit inspizierte er die heruntergesetzte Luxusware im Discount-Kaufhaus Century 21 und handelte mit Vintage-Kleidung. Übergroße T-Shirts waren der Trend der Zeit, und Clemens kaufte sie im Fünferpack, um sie auseinander zu schneiden und wie amorphe Skulpturen wieder zusammenzunähen. Seine Dekonstruktion des Mainstream-Guts kam so gut an, dass der Vice Store die neuen T-Shirts direkt kaufte. Die paar hundert Dollar, die er dafür bekam, wurden zum Startkapital seines Labels.

          In den ersten Jahren finanzierte Clemens sein Label noch mit DJ-Gigs und fuhr seine Kollektionen im Rucksack mit dem Fahrrad zu den Kunden aus. Clemens war und ist noch immer selbst Teil einer queeren Subkultur von BIPOC (Black, Indigenous and People of Color) um die GHE20G0TH1K-Musikszene und Künstler wie Wu Tsang & Boychild, Ryan Trecartin oder dem DIS-Kollektiv. Weil er vor allem für sich und seine Freunde entwarf, etablierte sich seine Unisex-Kleidung aus dekonstruierten Basics schnell in seiner eigenen Community, und über Stadtgeflüster auch bei prominenten Fans wie Kelela und Solange.

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