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Design-Kollektiv Pentagon : Sie waren fünf

Die Mitglieder der Gruppe Pentagon (von links) Ralph Sommer, Wolfgang Laubersheimer, Reinhard Müller, Gerd Arens und Meyer Voggenreiter. Bild: F.A.Z. Magazin

Vor 35 Jahren gründete sich in Köln das Kollektiv Pentagon, das Design neu erfand. Mit einer Ausstellung im MAKK werden die Protagonisten nun geehrt.

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          Was sie gar nicht mögen: Wenn man sie als Popstars bezeichnet. Oder, noch schlimmer, als Boygroup. Und das auch nicht in der Rückschau, also versehen mit „alternde“ oder „ehemalige“. Aber was waren sie dann? „Wir waren vor allem jung“, sagt Wolfgang Laubersheimer nach einem kurzen Moment des Schweigens. Reinhard Müller, den die anderen mittlerweile Silberlocke nennen, fügt hinzu: „Eine Designgruppe waren wir jedenfalls nicht, auch wenn das alle sagen. Und Künstler waren wir auch nicht. Wir saßen einfach zwischen allen Stühlen.“

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Laubersheimer, Jahrgang 1955, ist Professor für Produktionstechnologie an der Köln International School of Design, kurz Kisd. Müller, zwei Jahre jünger, lebt heute als „freischaffender Designer, Bildhauer, Künstler und Querdenker“ in der Schweiz und gibt Kurse in der Designfabrik in Uetendorf im Kanton Bern. Zum einstigen Kollektiv gehören noch Meyer Voggenreiter (Jahrgang 1954), Gerd Arens (1943) und Ralph Sommer (1955). Meyer Voggenreiter, der seinen eigentlichen Vornamen schon vor langer Zeit abgelegt hat, gestaltet Ausstellungen, Arens lebt auf Mallorca und hat sich auf Immobilen spezialisiert („Mallorca ruft“), Sommer ist ebenfalls Professor – für Konzeptdesign an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. So unterschiedlich ihre Lebenswege verlaufen sind, so unterschiedliche Charaktere waren die fünf schon Anfang der achtziger Jahre, als sie in Köln zusammenfanden und sich, weil sie eben zu fünft waren, Pentagon nannten.

          Dass aus ihnen im September 1985 die bekannteste Gruppe des Neuen Deutschen Designs wurde, ergab sich aus einer Reihe von Zufällen. Drei von ihnen, Laubersheimer, Müller und Sommer, studierten zusammen Bildhauerei an der Fachhochschule für Kunst und Design in Köln. Nebenher fertigten sie als Studenten erste Objekte, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie richteten Läden und Geschäfte ein, auch eine Tanzschule gehörte zu ihren Kunden und eine Bar, für die sie einen Neon-Schriftzug vorsahen. Darauf wiederum war Gerd Arens mit seiner Firma in Köln spezialisiert. Meyer Voggenreiter, der Erziehungswissenschaften in Marburg studiert hat, lernte eines Tages auf der Straße die Freundin von Ralph Sommer kennen. „Wir klebten damals gerade Möbel für einen der ersten Jeans-Paläste zusammen“, erzählt Sommer. Meyer Voggenreiter half ihnen dabei – und blieb, als Grafiker.

          Materialwert ein paar Mark, Verkaufspreis 750 Mark

          „Wir machten Unikate“, sagt Müller. Und so nannten sie sich zunächst auch: Unikate. Dass sie unter anderem mit Stahl arbeiteten, lag vor allem daran, dass drei von ihnen das im Studium der Metallbildhauerei gelernt hatten. Dass sie ihren Stahl nicht lackierten, hatte ebenfalls naheliegende Gründe: Es war ihnen zu teuer. „Wir hatten auch keine Spritzkabine“, sagt Sommer. So wirkten ihre Möbel ungewohnt roh und schroff, irgendwie unfertig. „Materialien, die sonst im Wohnbereich nicht vorkommen, werden plötzlich ,möbelwürdig'“, schrieb der Kunsthistoriker Wolfgang Schepers 1989 begeistert über die ungewöhnlichen Werkstoffe von Pentagon. Stahl, „oft sogar unbehandelt“, werde in diesem Maße wohl nur von ihnen, „den neuen deutschen Designern“ verwendet – gemeint war: im Gegensatz zum Rest der damaligen Designwelt.

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