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Architekt Frank Lloyd Wright : Da dreht was

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Runde Sache: Den Showroom in Manhattan gestaltete der Architekt Frank Lloyd Wright mit sanft nach oben schwingenden spiralförmigen Ausstellungsflächen. Bild: Historisches Archiv Porsche AG

Frank Lloyd Wright schuf nicht nur monumentale Bauwerke wie das Guggenheim-Museum – sondern auch ein Autohaus in Manhattan. Mit einem neuartigen Showroom setzte er Standards, die bis heute gelten.

          Frank Lloyd Wright, 1867 im amerikanischen Bundesstaat Wisconsin geboren, galt schon Ende der vierziger Jahre als einer der großen Architekten des 20. Jahrhunderts. Auch mit mehr als 80 Jahren war er noch voller Schaffensdrang. Architektur erreichte für ihn nur dann ihr Ziel, wenn sie den Bedürfnissen der Menschen ebenso Rechnung trug wie der Natur, die sie umgab – ein Ansatz, den er als organische oder wesentliche Architektur bezeichnete.

          Frank Lloyd Wright betrachtete ein Gebäude als Einheit, daher betätigte er sich auf Wunsch des Kunden auch als Designer, der etwa Möbel oder Essgeschirr gestaltete. Das berühmteste Beispiel organischer Architektur neben seinen „Prärie-Häusern" ist das Anwesen von Edgar J. Kaufmann in Mill Run im Bundesstaat Pennsylvania, 1935 bis 1939 errichtet, das als Fallingwater in die Architekturgeschichte einging.

          Wright schuf in seiner langen Laufbahn das Guggenheim-Museum in New York, Hunderte Villen für betuchte Kunden und Firmensitze wie das Larkin Building in Buffalo im Bundesstaat New York (1905) oder das Johnson Building in Racine (Wisconsin, 1939). Dazu kamen sakrale Bauwerke wie der Unity Temple in Oak Park in Illinois (1907) und die Beth-Sholom-Synagoge in Elkins Park (Pennsylvania, 1959) sowie das Imperial Hotel in Tokio (1916).

          Privat erlebte Wright in den frühen fünfziger Jahren einen Tiefpunkt. Manche Zeitgenossen betrachteten den dandyhaft auftretenden Exzentriker als egoistisch und sexbesessen. Wright war dreimal verheiratet und pflegte viele Liebschaften. Wirtschaftliche Probleme brachten den auf großem Fuß lebenden Architekten immer wieder an den Rand des Ruins. 1926 hatte er einen Schuldenberg von 43.000 Dollar angehäuft und verlor sein auf 25.000 Dollar taxiertes Privathaus an die Bank von Wisconsin. Freunde und Geschäftspartner sprangen ein und ermöglichten die Tilgung der Restschuld.

          Knapp 30 Jahre später hatte sich Wrights finanzielle Situation abermals dramatisch verschlechtert, eine Steuernachzahlung von 19.000 Dollar wurde fällig, die nur durch Spenden beglichen werden konnte.

          Trotzdem entwickelten sich die fünfziger Jahre nach einer langen Durststrecke, in der sich viele Projekte zerschlugen und er langsam aus der Zeit fiel, zu seinem kreativsten Jahrzehnt – mit fast 140 Bauten, die er in dieser Zeit vollendete.

          Wright lebte damals in einer Suite im New Yorker Plaza Hotel, an der Ecke von Fifth Avenue und Central Park South. Eines Tages beauftragte ihn der Autohändler Maxie Hoffman, ein Autohaus in Manhattan zu gestalten. Hoffman, 1904 geboren, war ein kunstsinniger Mann, der Gemälde französischer Impressionisten sammelte, für Design schwärmte und es in den Vereinigten Staaten zu einem stattlichen Vermögen gebracht hatte.

          Er war 1938 vor den Nationalsozialisten aus Wien geflohen. Dort hatte er mit einem Partner die erste Volvo-Vertretung außerhalb Schwedens aufgebaut, und seit 1947 vertrieb er in New York, von der feudalen Adresse Park Avenue 487 aus, Automarken wie Alfa Romeo, Bentley, Porsche und Jaguar. Später kamen Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW hinzu.

          Damaliges Konzept ist heute Standard

          Der neue Auto-Showroom in Manhattan war nun als „Jaguar House" geplant. An der Park Avenue 443, Ecke 56. Straße, nur wenige Schritte vom Stammsitz entfernt, sollten die Schöpfungen der englischen Nobelmarke in Szene gesetzt werden. Aber Hoffman musste umdisponieren: Als er 1952 den Import von Mercedes-Benz übernahm, kündigte Jaguar ihm den Vertrag. Also sollte der neue Standort den Modellen von BMW und Porsche vorbehalten bleiben.

          Wright war nicht nur ein begnadeter Architekt, er war auch ein car nut – ein Autoverrückter. Im Laufe seines Lebens besaß er mehr als 80 Autos. Für den Showroom entwickelte er ein Konzept, das statt auf zergliedernde Treppen auf sanft nach oben schwingende spiralförmige Flächen setzte, die den Raum leicht und transparent wirken ließen. Ausstellungsgebäude in aller Welt weisen diese ganzheitliche Bauweise heute auf, die auch beim Guggenheim-Museum innen wie außen zu sehen ist.

          Die Idee zu dem Dreh kam Wright schon 1924, als er für einen Geschäftsmann aus Chicago an den Zeichnungen für ein Projekt am Sugarloaf Mountain (Maryland) saß. Unter der Bezeichnung „Automobile Objective" sollte dort ein für Autos kreisförmig befahrbarer und sich nach oben verjüngender Aussichtspunkt mit Planetarium entstehen. Daraus wurde nichts – aber Wrights Skizzen nahmen die Architektur des seit 1943 geplanten Guggenheim-Museums vorweg.

          Vorbild: Frank Lloyd Wright (links), Mäzenin Hilla von Rebay und Museumsgründer Solomon R. Guggenheim begutachten im August 1945 ein Modell des Guggenheim-Museums.

          Maxie Hoffman war von der Ausführung des Auftrags so angetan, dass Wright später auch sein privates Domizil in Rye bei New York entwarf. Die beiden einigten sich auf ein naheliegendes Geschäftsmodell. Als Teil des Honorars bekam der Architekt zwei Autos mit dem Stern: einen Mercedes-Benz 300 und einen 300 SL – den mit den Flügeltüren.

          Bis an sein Lebensende war Wright beruflich aktiv. 1956 entstand sein zweites Bauwerk, das mit dem Auto zu tun hatte: eine Tankstelle. Sie steht in Minnesota und ist heute noch in Betrieb. Als nicht vollendeter letzter Entwurf gilt das Haus von Norman Lykes in Phoenix (Arizona). Wrights berühmtestes Bauwerk bleibt aber das Guggenheim-Museum in New York, auf dessen Baustelle er oft begeistert unterwegs war. Die Eröffnung am 21. Oktober 1959 erlebte er nicht mehr; er war schon am 9. April 1959 gestorben.

          Das Guggenheim-Museum zieht bis heute viele Besucher an. Wer aber in New York nach Spuren des Projekts von Maxie Hoffman und Frank Lloyd Wright sucht, wird enttäuscht. Hoffman zog sich 1975 aus dem Geschäftsleben zurück, er starb 1981. Und der Showroom in der Park Avenue 443 in Manhattan wurde vor einigen Jahren kurzerhand abgerissen.

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