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„The Spectachrome Filter“: Nicht das Gesehenwerden, sondern das Sehen steht im Fokus. Bild: Tens Sunglasses

Wes-Anderson-Sonnenbrille : Ein Instagram-Filter zum Tragen

  • -Aktualisiert am

Nicht das Gesehenwerden, sondern das Sehen steht im Fokus: Eine neue Sonnenbrille soll jede schnöde Alltagssituation in das stimmungsvolle Licht von „Hotel Chevalier“ oder anderen Filmen von Wes Anderson tauchen.

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          Ausdruck von individuellem Stil muss im Sommer auf wenigen Quadratzentimetern stattfinden, wo sonst Meterware Schal und Mantel als bespielbare Fläche der Selbstinszenierung zur Verfügung stehen. Die Sonnenbrille wird saisonal Teil des Gesichts und unterstreicht die Persönlichkeit, sei es mit Glitzersteinen, Jugendstil-Schnörkel oder Windschutzscheiben-Vollverspiegelung. Galt noch im letzten Jahr radikal minimal – je schmaler, desto besser – und waren extreme Katzenaugenform und rote Gläser die Antwort auf die Frage „Was sie will“ von Dada-Rapper und Stilvorbild Yung Hurn, so ist diese Saison nun wieder alles anders, alles größer, kantiger, technischer.

          Ein Hingucker soll die Sonnenbrille sein und ist doch immer auch ein Rausschauen. Neben dem Rahmen wird mit der Tönung experimentiert, die als semipermeable Membran Träger und Gegenüber trennt, auch schützt. Die Schattierung ist Gradmesser der Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit der direkten Umwelt. Wenn die Augen einer überbeanspruchten Metapher folgend das Fenster zur Seele bedeuten, fungiert die Sonnenbrille wahlweise als leichte Gardine oder Verdunklungsrollo. Die Farbgebung ist dabei Markenzeichen, klassisches Flaschengrün bei Ray-Ban und Persol oder ikonisches tiefschwarz, getragen von Lagerfeld und Lindenberg.

          Perspektivwechsel! Nicht das Gesehenwerden, sondern das Sehen steht im Fokus. Zumindest bei einem jungen Unternehmen aus dem Vereinigten Königreich. Das hat eine Sonnenbrille entwickelt, die die Sicht nicht einfach verdunkelt, sondern veredelt. Spectachrome sollen die Gläser heißen, die inspiriert von der unverwechselbaren Ästhetik der Wes-Anderson-Filme jede schnöde Alltagssituation in das stimmungsvolle Licht von „Moonrise Kingdom“ oder „Hotel Chevalier“ tauchen.

          Bereits im Jahr 2014 kam den Gründern die Idee zu den „Tens“-Sonnenbrillen bei einem Roadtrip durch das schottische Hochland. Sie wollten ihr Prinzip der Fotobearbeitung –  wärmere Farben statt der vorherrschenden Grün- und Grautöne – auf das Sehen übertragen. Simultan, nämlich im Moment des Betrachtens soll das Bild verändert werden. „Einen Instagram-Filter zum Tragen“, nennen Käufer die Brille und kommentieren: „Man ist froh, dass sie auch noch als Sonnenschutz wirken“.

          Die Entwicklung der ersten Generation finanzierte das Start-Up über eine Crowdfunding Kampagne. Auch die Spectachrome Gläser sollen nun durch diese Form der Gruppenfinanzierung das Licht der Welt brechen. Dem Träger soll der Himmel blauer und das gelb sonniger erscheinen – eben ganz so, als durchstreife er die smaragdgrünen Wiesen im Neuengland der siebziger Jahre oder genieße die Aussicht vom Balkon eines mondänen Pariser Hotels. Sollte es eines Tages möglich sein, neben der Farbgebung auch Symmetrie und Mise en Scène Wes Andersons erlebbar zu machen, würde sich diese Sonnenbrille wohl auch im Winter als Accessoire durchsetzen.

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