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Arbeitskleidung : Wer macht die Kleidung für Ärzte und Handwerker?

  • -Aktualisiert am

Das Segment der Arbeitskleidung ist bei vielen Designern groß – und es wächst. Bild: dpa

Wir sehen sie täglich, aber im Blitzlichtgewitter steht Arbeitskleidung meist erst dann, wenn sich Designer von ihr zu Trends inspirieren lassen. Wer aber entwirft eigentlich Blaumänner, Kittel oder Uniformen?

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          Nicht erst seit dieser Saison sind sie von C&A bis Chanel überall zu finden: Jumpsuits, also Einteiler, deren Oberteil fast nahtlos in eine Hose übergeht. Sie sind längst eine etablierte Alternative zum Kleid. Jennifer Lopez spazierte im April in einer lässigen Jeans-Variante durch Miami, ebenfalls im Frühjahr erschien Beyoncé Knowles in Los Angeles in einem schwarzweißen Modell auf dem roten Teppich. Schon der Name des Kleidungsstücks deutet dessen Ursprung an: Der erste Jumpsuit wurde nämlich tatsächlich zum Springen entworfen. Zum Fallschirmspringen, um genau zu sein. 1919 schuf der italienische Designer Ernesto Michahelles unter dem Pseudonym Thayaht einen durchgehenden Anzug, den bald auch Piloten und Rennfahrer schätzten.

          Elsa Schiaparelli, die größte Konkurrentin von Coco Chanel, holte den Jumpsuit in den 30ern auf den Laufsteg und legte damit den Grundstein für die steile Karriere des Einteilers. Heute vergeht kaum eine Modesaison ohne Jumspuits in allen nur denkbaren Varianten. Und es gibt noch mehr Anleihen aus der Arbeitswelt: „In der High Fashion ist das Thema Arbeitskleidung aktuell total en vogue“, sagt Henning Strauss, Managing Director von Engelbert Strauss, einem der größten deutschen Anbieter für Berufsbekleidung und Arbeitsschuhe mit Dependancen von Dänemark bis Tschechien. „Kantige Taschen, übergroße Parkas und Jacken, unübersehbare Reflexapplikationen, das sind sozusagen Designzitate aus der Arbeitswelt, die bewusst die gewohnt schlanken Silhouetten aus der Modewelt klotzig kontrastieren.“

          Die oft als hedonistisch verschriene Modewelt kreiert immer wieder aus funktionaler Kleidung Trends, die ebenso robust sind wie die verwendeten Materialien: Die Firma Champion produzierte die ersten Kapuzenpullover in den dreißiger Jahren ursprünglich für Arbeiter in New Yorker Tiefkühllagern. Schuhe von Caterpillar wurden von Handwerkern getragen, bevor sie die Alltagsmode eroberten. Und die Schlaghose etablierte sich erst als Arbeitskleidung von Zimmermännern und dann als typisches Flower-Power-Beinkleid. Ob der aktuell wieder starke Hang zum Funktionalen einem gesellschaftlichen Trend entstammt, oder ob Unternehmen wie Engelbert Strauss mit ihren Produkten die Aufmerksamkeit auf Arbeitskleidung richten, lässt Henning Strauss offen. Eines aber steht für ihn fest: „Der Trend schafft Aufmerksamkeit für unser Produktsegment.“

          Der Begriff Arbeitskleidung ist weit gefasst (Symbolbild).

          Dieses Segment ist groß. Und es wächst: Lag der Umsatz der deutschen Hersteller von Arbeits- und Berufskleidung 2008 noch bei 427,79 Millionen Euro, stieg er bis 2018 auf 620,83 Millionen Euro an. Schutzkleidung für Mitarbeiter der Abfallentsorgung gehört ebenso zu diesem Bereich der Textilindustrie wie jene für Chemiker, Köche und Bauarbeiter, aber auch die Kleidung von Servicepersonal in Restaurants und Hotels, adrette Kostüme von Hostessen und Anzüge von Anwälten.

          „Jedes Unternehmen ist eine eigene Marke“

          Wie weit der Begriff „Arbeitskleidung“ tatsächlich gefasst ist, wird im Gespräch mit Wolfgang Grupp deutlich. Grupp lenkt seit 50 Jahren die Geschicke von Trigema – genau, die Marke mit dem Affen im Werbespot. Dieses Jahr feiert das Unternehmen sein 100-jähriges Bestehen. Einen genauen Zeitpunkt, ab dem Arbeitskleidung zum Sortiment des Textil-Giganten mit Sitz im baden-württembergischen Burladingen gehört, lasse sich nicht benennen, erklärt Grupp: „Unsere Produkte wurden bestimmt schon lange als Berufskleidung eingesetzt, ohne dass wir sie explizit als solche bezeichnet hätten.“

          Die Polohemden, T-Shirts und Sweat-Jacken von Trigema erweisen sich als so robust, dass sie sich auch ohne spezielles Marketing einen festen Platz in der Garderobe vieler Mitarbeiter von Kliniken, Bäckereien und Handwerksbetrieben sichern konnten. Die müssen ihre Kleidung täglich waschen können, ohne dass diese an Passform und Farbe verliert. Die wachsende Nachfrage habe schließlich zur Einführung des Bereichs „Corporate Fashion“ geführt, so Grupp. Aufgestickte Firmenlogos, Schriftzüge und spezielle Farbgebungen verleihen der Kleidung eine individuelle Note und vereinheitlichen zugleich die Wirkung nach außen.

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