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Zur Anprobe, bitte! : Wer folgt nach den Rücktritten bei Zegna, Berluti und Brioni

Alessandro Sartori hört bei Berluti auf. Wer übernimmt nun dort die Herrenkollektion? Bild: AFP

Nicht nur Dior und Lanvin sind verwaist. Auch Männermarken wie Brioni und Berluti stehen plötzlich ohne kreativen Kopf da. Nur eine Kombination fügt sich nun nahtlos.

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          Soll Phoebe Philo jetzt Dior nach vorne bringen? Sollte Stefano Pilati zu Lanvin gehen? Oder gar Hedi Slimane ganz einfach bei Yves Saint Laurent bleiben?

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Dem einen sind es böhmische Dörfer, dem anderen gewagte Gedanken. Weil die Verwirrung in der Modeszene durch all die Designer-Rücktritte so groß ist, sind nun unendlich viele Kombinationen möglich. In New York mag bald die Schauensaison beginnen – in Paris und Mailand reden alle über die große Frage, wer mit wem und warum und wohin.

          Dior ohne Raf Simons, Lanvin ohne Alber Elbaz, so weit sind wir schon seit vier Monaten. In dieser Woche haben auch noch drei der wichtigsten Herrenmode-Designer die Schere an den Nagel gehängt: Stefano Pilati verlässt nach drei Jahren Zegna, Alessandro Sartori nach fünf Jahren Berluti, Brendan Mullane nach dreieinhalb Jahren Brioni.

          Nun könnte man sagen: wird ohnehin keiner merken, denn in der klassischen Herrenmode verändert sich wenig. Aber im verschärften Wettbewerb und bei zunehmender modischer Vielfalt kommt es auf die feinen Unterschiede an. Zumindest Sartori hat die Kraft des Designs gezeigt: Im Jahr 2011 machte Berluti weniger als 30 Millionen Euro Umsatz, im vergangenen Jahr waren es bei der LVMH-Marke mehr als 130 Millionen – nicht nur wegen der vielen neuen Läden, sondern auch wegen der Strahlkraft.

          Herbst-/Winterkollektion in Paris: Letzte Kreation von Designer Alessandro Sartori für Berluti

          Anders die renommierte Marke Brioni aus dem Kering-Konzern. Bei dem früheren James-Bond-Ausstatter sind die Umsätze laut „Women’s Wear Daily“ vom Freitag im vergangenen Jahr um rund zehn Prozent auf weniger als 200 Millionen Euro gefallen – unter anderem, weil der Preiskampf in den Kaufhäusern härter ist als in eigenen Boutiquen, wo man ihn womöglich gar nicht bemerkt. Die römische Marke muss sogar Dutzende Angestellte entlassen. Die Flaute könnte auch am Design liegen, das mit zu viel Casual- und Sportmode das Image vom Lieferanten dunkelblauer Dreiteiler arg aufgelockert hat.

          Manche gehen also, weil sie erfolglos sind – andere womöglich, weil sie Erfolg haben. Dafür wäre Hedi Slimane ein schönes Beispiel, dem nun schon seit Wochen nachgesagt wird, seine nächste Schau für Yves Saint Laurent  könne seine letzte sein. Und sogar Phoebe Philo, die erfolgreiche Designerin der Marke Céline, muss sich nun in Gerüchte kleiden, die gar nicht minimalistisch sind.

          Ein Brioni-Anzug steht nicht nur Bond. (Hier an Schauspieler Lars Eidinger für ein Modeshooting des Frankfurter Allgemeine Magazins.)

          Man kann sich förmlich vorstellen, wie die Manager der beiden großen Luxuskonzerne Kering und LVMH nun über Lösungen nachdenken. Würde Phoebe Philo mit ihrem Minimalismus nicht zu Dior passen, als erste Frau auf den Spuren Christian Diors? Wäre Stefano Pilati vielleicht doch besser in der Damenmode aufgehoben, schon wegen des Großtrends zur Unisex-Bekleidung?

          Spannend sind diese Gedankenspiele auch, weil die Konzerne gegeneinander antreten. Würde Hedi Slimane zu Dior wechseln (wo er einst Herren-Designer war), könnte LVMH- und Dior-Chef Bernard Arnault das als einen Sieg gegen Kering- und Saint-Laurent-Eigner François-Henri Pinault verbuchen.

          Nur ein nahtloser Übergang ist nun zu vermelden: Alessandro Sartori, der bis 2011 die dann eingestellte Zweitlinie „Z Zegna“ erdachte, kehrt nach Angaben vom Freitag im Sommer zu Zegna zurück – also gewissermaßen nach Hause, denn er wurde in der Seidenstadt Biella geboren und verstand sich mit Ermenegildo Zegna auch nach seinem Ausstieg gut. Zegna kann ihn gut gebrauchen: Das schwache China-Geschäft macht vor allem jener Luxusmarke zu schaffen, die vor einem Vierteljahrhundert als Erste dort war.

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