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Nach vier Generationen : Wenn der Familienbetrieb schließen muss

  • -Aktualisiert am

Es begann mit den Urgroßeltern, dann übernahmen die Großeltern. Mit ihnen verpackte Petra Weigert als Kind die ersten Schuhe. Bild: Christina Pahnke

Es gibt Geschäfte, die sind seit Generationen in Familienhand. Dann müssen sie schließen. Die Schuhhändlerin Petra Weigert aus München erzählt.

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          Als ich im Januar dieses Jahres zur Bank gegangen bin und Geld eingezahlt habe, um die Mietkosten für den Laden zu decken, hatte ich es schwarz auf weiß auf dem Kontoauszug: Du hast eigentlich nix drauf und zahlst nur. Irgendwann ist das Geld weg. Ich möchte nicht mehr weiter draufzahlen, sonst wird unser Alterspolster zu hart. Noch dazu brauchen mein Mann und ich das ein oder andere, was ein Gesunder nicht braucht. Ich bin Dialysepatientin, seit ich Krebs hatte, mein Mann hatte einen Schlaganfall. Unser Erspartes darf nicht weiter schrumpfen. Wir mussten also die Reißleine ziehen.

          Der letzte Tag wird der 31. August sein. Wir müssen dann raus, damit der Vermieter den Laden renovieren und neu vermieten kann. Ich bin gerade dabei, die Inventur zu machen. Hier lagern einige hundert Paar Schuhe, zuletzt waren es 100.000 Euro Warenwert. Man muss ja die Saisonware schon vorher bestellen. Man kann sie nicht normal verkaufen, nicht lagern, man muss sie dann reduziert verschachern und macht kaum Gewinn damit. Meine Schuhe kosten im Einkauf im Schnitt 70 Euro aufwärts. Der Aufkäufer zahlt fast nichts mehr. Da muss ich froh sein, wenn ich pro Paar noch 20 Euro Marge bekomme. Ich schicke denen bald die Liste, und dann teilen die mir mit, was sie zahlen wollen.

          Man kriegt nicht mehr viel für die Ware

          Wenn ich mein Geschäft vor zwei, drei Jahren aufgegeben hätte, dann hätte ich noch mehr Geld bekommen. Aber jetzt, wo so viele aufgeben, wo so viel Masse auf dem Markt ist, kriegt man nicht mehr viel für die Ware. Ehrlich gesagt, habe ich aber keine andere Wahl. Was soll ich sonst mit den Schuhen machen? Über Ebay läuft’s nicht. Das sind kleine italienische Qualitätsmarken aus Manufakturen, die da keiner sucht. Meine Schuhe muss man sehen, die muss man fühlen.

          „Einen gut gemachten Schuh zu berühren ist für mich eine Erfüllung“: Weigert in ihrem Lager.
          „Einen gut gemachten Schuh zu berühren ist für mich eine Erfüllung“: Weigert in ihrem Lager. : Bild: Christina Pahnke

          Wenn ich überlege, was mein Großvater in der Kriegs- und Nachkriegszeit geschafft hat, ist es tragisch, dass ich jetzt nicht fähig bin, irgendeinen Weg zu finden, um unser Geschäft, das Schuhhaus Birgmaier, zu retten. Ich bin in der vierten Generation Schuhhändlerin. Es begann mit meinen Urgroßeltern, dann übernahmen meine Großeltern. Meine Tante Maria führte schließlich das Schuhhaus Selg an der Tegernseer Landstraße. Leider konnte ich dort nicht lernen, weil meine Tante keinen Ausbildungsschein hatte, daher ging ich woanders in die Lehre. Mit meinem Laden habe ich an die Traditionen meiner Großmutter und Tante angeknüpft und deren Qualitätsbewusstsein konsequent übernommen. Jetzt ist es einfach furchtbar. Onkels und Tanten aus meiner Familie hätten mir schon Geld geboten, um den Laden weiter zu halten, aber ich habe gesagt, Leute, ich sehe keine Basis. Das fühlt sich an, als ob ich auf Wasser etwas bauen will. Ein schlechtes Gewissen meiner Familie gegenüber habe ich aber nicht, denn auch die finanzielle Hilfe hätte ja nicht langfristig geholfen.

          650 Euro Überbrückungshilfe

          Seit die Lockdown-Maßnahmen im Februar 2020 in Kraft traten, habe ich fast keine Einnahmen, aber jeden Monat 2500 Euro Nebenkosten für Miete, Strom und Steuerberatung für meinen Laden zu stemmen. Die staatlichen Zuschüsse, die ich bekommen sollte, kann man vergessen. Im ersten Lockdown durfte ich noch selbst den Antrag stellen und habe eine Einmalzahlung von 2000 Euro bekommen, also nicht mal eine Miete. Im zweiten Lockdown durfte der Antrag nur noch von meiner Steuerberaterin gestellt werden, da bekam ich einmalig 650 Euro. Die Steuerberaterin hat dafür 100 Euro berechnet.

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