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Weniger im Kleiderschrank : All you need is less

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Stücke für die Sammler-Garderobe: Als Catherine Deneuve jung war, gehörte jedes Teil im Kleiderschrank dazu (circa 1961). Bild: Leemage / Fotofinder

Die meisten Marken mögen es noch nicht verstanden haben, aber man braucht gar nicht etliche Kleider – ein paar richtige genügen. Ein Plädoyer für mehr Stil in der Mode.

          7 Min.

          Dass sich die Welt in einem gigantischen Umschwung befindet, zeigt auch die Mode. Dort ist jetzt ein lauter Ruf nach Befreiung und Unabhängigkeit zu vernehmen. Bei den ganz großen Luxushäusern haben dieses Jahr viele Meister beinahe fluchtartig ihre Throne verlassen, die meisten freiwillig. Saint Laurent ohne Hedi Slimane, Dior ohne Raf Simons und Lanvin ohne Alber Elbaz: Die betroffenen Luxusmarken stehen jetzt ohne ihre Superstars da, verlassen und wie überschmückte Hüllen. Was ist ein Designhaus ohne einen großen Designer? Nichts.

          Man kann es einen Kollaps nennen, hervorgerufen durch Profitgier, dass sich Designhäuser mit Hilfe von immer mehr Kollektionen pro Saison und einem Preisanstieg von teilweise 200 Prozent in den vergangenen zwei Jahren von der normalen Menschheit verabschiedet haben und sich nur noch einer bestimmten, stil- und ästhetikfremden Klientel von superreichen Käufern zuwenden: jenen, die sich an Stil-Ikonen wie, ich mag es kaum tippen, Kim Kardashian und ihren Schwestern orientieren. Was zur Folge hat, dass nicht mehr Design die Menschen überrascht und seine Liebhaber finden muss, sondern die eindimensionalen Käufer das Design bestimmen.

          Das beste Beispiel ist der offenbar unaufhaltbare Siegeszug der merkwürdigen Nieten-Accessoires von Valentino. Erstmals tauchten sie 2012 ganz harmlos und unschuldig auf, wiederholten sich danach in jeder Kollektion aufgrund des unglaublichen Erfolgs und vermehren sich bis heute hartnäckig wie Katzenflöhe in jeder neuen Valentino-Accessoires-Kollektion. Wer an Valentino denkt, der denkt nur noch: Nieten. Und so gibt es mittlerweile fast nichts von Valentino ohne diese Nieten. Sie verkaufen sich von Wladiwostok bis Medina wie warme Cronuts von Dominique Ansels gleichnamiger Bakery in New York.

          Erst der Schock, dann die Angst

          Die Mode hat also ihren eigentlichen Pfad, die Kunst der Verhüllung und die Liebe zu Schönheit und neuen Ideen, schon lange verlassen; aus Couturiers sind zugrundegerichtete Sklaven der Kundschaft geworden. Vollkommen natürlich, dass diese Blase aus Gier, Lüge, und Massenproduktion platzen musste.

          Wie bei jedem unfreiwilligen Befreiungsschlag kam zuerst der Schock, dann die Angst: Was sollen wir anziehen, wie sollen wir merken, was cool ist, wenn die Designer keine umjubelten Stars sind? Und wenn die Tageskleider oft 2000 Euro und mehr kosten, von den notwendigen Schuhen, Taschen, Mänteln und Jacken ganz zu schweigen. Designermode ist heute nur noch so etwas wie eine virtuelle Größe, nach der sich alle richten, die sie aber nicht in Anspruch nehmen können. Sie bestimmt nur den Kurswert, ist aber für die meisten Menschen nutzlos wie ein Kunstwerk, bewundert in einer Ausstellung und versteckt in der Sammlung eines wohlhabenden Unbekannten.

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