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Kreativer als das Modediktat: Jill Kortleve bei Chanel Bild: Getty

Models mit mehr als Größe 34 : Ein realistisches Bild von Schönheit

Mit Körpermaßen von 90-60-90 war das Schönheitsideal in der Modelbranche lange weit entfernt von der Wirklichkeit. Models sollten dünn sein. Einige Frauen könnten das nun ändern.

          6 Min.

          Topmodels werden nicht bei „Germany's Next Topmodel“ gekürt. Das ist schon länger bekannt. Ein zuverlässigerer Gradmesser für die Bedeutung eines Models ist die Website Models.com. Sie führt Buch darüber, wer wann in einer Werbekampagne zu sehen war, auf einem Laufsteg, in Magazinen und in den sozialen Medien. Und wer dabei besonders erfolgreich war, hat Chancen, das Jahresranking von Models.com anzuführen, zum Topmodel gekürt zu werden.

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ganz oben stehen für 2020 bei den Frauen Paloma Elsesser, als Model des Jahres, und Jill Kortleve, als Newcomer-Model des Jahres. Paloma Elsesser war im Januar auf dem Cover der amerikanischen „Vogue“ zu sehen. Das war die Ausgabe vor jener mit Kamala Harris. Jill Kortleve lief 2020 bei Chanel, im Kornfeld von Jacquemus und bei den Schauen in Mailand im September, also bei Fendi, Etro und Versace.

          Man muss nicht mit dem Zentimetermaß kommen, um Brust-, Taillen- und Hüftumfang zu bestimmen, wie es viele Agenturen halten, um den Marktwert eines Models zu bestimmen. Entscheidend ist: Paloma Elsesser und Jill Kortleve haben Rundungen, an manchen Stellen ihrer Körper mehr, an manchen weniger. Von den 90-60-90 weichen sie deutlich ab. Und sie sind damit nicht die einzigen. Da wären noch Ashley Graham, Precious Lee, Alva Claire.

          Realistischere Modelmaße?

          Für Models war das Einstiegskriterium für ihren Beruf lange die Kleidergröße. Frauen, die nicht wahnsinnig dünn waren, hatten abseits des Übergrößenmarkts kaum Chancen. Einige der erfolgreichsten unter den aktuellen Topmodels sind das nicht. Sie könnten nun das schaffen, wovon jahrzehntelang immer wieder die Rede war, ohne dass sich etwas veränderte: Mit ihrer Präsenz könnten sie ein realistisches Bild von Schönheit prägen.

          Women's Fashion Week in Mailand: Alva Claire bei Versace
          Women's Fashion Week in Mailand: Alva Claire bei Versace : Bild: Versace Press Office via Getty I

          Julian Niznik betreut als Modelagent bei IMG in New York einige der schönsten Menschen der Welt. Ashley Graham, Alva Claire, Precious Lee und Paloma Elsesser sind dort unter Vertrag. 2014 hätten sich fünf Frauen, die zuvor von der Konkurrenzagentur Ford in New York im Bereich Übergrößen repräsentiert wurden, entschlossen, zu IMG zu wechseln, sagt Niznik.

          Bis dahin gab es bei IMG keine Models mit Kleidergrößen jenseits der 38. Die Agentur beschloss, kein Ressort für Übergrößen-Models zu eröffnen, deren Agenten dann auch nur mit Übergrößen-Kunden zusammenarbeiten würden, so wie es andernorts gängig ist. Stattdessen repräsentierte sie die fünf Frauen, unter ihnen Ashley Graham, fortan im allgemeinen Bereich, wie jede andere auch. „Diese Frauen gehören am Board neben Bella Hadid, Gisele Bündchen und Chrissy Teigen“, sagt Niznik. Der Erfolg gibt ihm recht: „Bei Models.com wird auch nicht das Curve-Model der Welt gewählt, sondern das Topmodel.“ Und für 2020 heißt das Paloma Elsesser.

          Schöne Vielfalt

          Die Mode ist in den vergangenen Jahren vielfältiger geworden. Das liegt natürlich an Globalisierung und Digitalisierung. Wenn Marken und Designer mit ihrer Arbeit Kunden auf der ganzen Welt bedienen, wäre es irritierend, wenn die überwiegende Mehrheit der Models weiß wäre. Besonders in den sozialen Medien begann man, vor einem halben Jahrzehnt genau nachzuzählen: Wie viele schwarze Models laufen bei einer Schau? Wie viele mit asiatischen Wurzeln?

          Ein schöner Coup, der Likes generiert, war immer wieder der Auftritt eines Models aus der Vergangenheit. Donatella Versace trieb die Idee vor vier Jahren auf die Spitze, indem sie zur Schau anlässlich des Todesjahres ihrer Bruders Gianni die Supermodels der Neunziger auf den Laufsteg holte: Naomi Campbell, Cindy Crawford, Claudia Schiffer, Carla Bruni und Helena Christensen. An diesen Moment erinnert auch der Castingdirektor Piergiorgio Del Moro, der DM Casting führt, eine große Agentur in New York: „Die Schau hat die Schönheit von Frauen in unterschiedlichen Lebensphasen gezeigt.“ Auch so wurde Vielfalt zum Gebot der Stunde. „Die Industrie ist in den vergangenen Jahren sensibler geworden.“ Del Moro castete im September die Models für die Schauen von Versace und Etro: Frauen mit androgynen bis rundlichen Körpern, Ashley Graham und Jill Kortleve inklusive.

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