https://www.faz.net/-hrx-9k14j

Lagerfelds Choupette : Viele Mäuse auf dem Konto

Karl Lagerfeld malt 2015 bei der Vernissage „Corsa Karl und Choupette“ in Berlin. Bild: dpa

Karl Lagerfeld hinterlässt nicht nur ein Vermögen, er hinterlässt auch seine geliebte Katze Choupette. Die ist selbst ein Star – und, so spekulieren manche, die Erbin des Modezars.

          „Karl Lagerfeld wird in meinem gebrochenen Herzen für immer weiterleben“ – diese Beileidsbekundung für den am Dienstag verstorbenen Modeschöpfer stammt von einer ganz besonderen Wegbegleiterin Lagerfelds: seiner Katze Choupette. Neben dem Abschiedstext steht auf ihrer Webseite choupettesdiary.com ein Foto der beiden. Karl Lagerfeld trägt darauf, wie immer, Anzug, Handschuhe und Sonnenbrille. Choupette sitzt auf seinen Schultern, als wäre es ihr liebster Platz auf der Welt. Natürlich hat die Katze den Post in den sozialen Netzwerken nicht selbst verfasst, sondern Ashley Tschudin, die Choupettes Webseite und ihre Accounts in den sozialen Netzwerken betreut und dort regelmäßig Fotos der Lagerfeldschen Rassekatze teilt. Auf Instagram hat Choupette bisher 196.000 Fans (die Zahl wächst seit Dienstag beständig an), mehr als manch deutscher Influencer.

          Julia Anton

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Nur wenige Stunden nach Lagerfelds Tod kam deshalb die Frage auf: Wer kümmert sich künftig um die Birma-Katze mit dem weißen Fell und den großen blauen Augen? Das kann man eher nebensächlich finden; irgendwer wird das süße Kätzchen schon nehmen. Vermutlich gibt es sogar eine Menge Leute, die Choupette gerne adoptieren würden. Denn Choupette ist nicht einfach nur eine glamouröse Rassekatze, Choupette ist auch eine ziemlich reiche Katze. Lagerfeld erklärte einst der Vanity Fair: „Wenn mir mal etwas passiert, wird die Person, die sich um sie kümmert, nicht arm sein.“ 

          Lagerfeld baute Choupette zu einer Marke auf

          Choupette hat schon für den Autohersteller Opel und japanische Kosmetik geworben, war mehrfach auf dem Cover der Vogue. Sie hat sogar eine eigene Make-Up-Linie und ein Buch über ihr Leben „geschrieben“. 2014 soll sie laut Lagerfeld mit nur zwei Werbedeals drei Millionen Dollar verdient haben, die Make-Up-Linie soll wenig später fast fünf Millionen Dollar eingebracht haben. Statt sie in lustige Kleidchen zu stecken („zu zirkushaft“) und für Katzenstreu werben zu lassen (dafür sei sie zu „schick“) baute Lagerfeld die Katze zu einer Marke auf, indem er sie zu einer Diva wie Greta Garbo machte und einen Mythos um sie spann.

          Der beginnt mit der Geschichte, wie die Katze in Lagerfelds Besitz kam: Eigentlich sollte er nur für das befreundete Model Baptiste Giabiconi an Weihnachten 2011 zwei Wochen lang auf Choupette aufpassen, doch am Ende wollte der Modezar, so erzählte er es häufig, das Tier einfach nicht mehr hergeben. Er war so vernarrt in die Katze, dass Choupette mit Lagerfeld am Tisch von einem silbernen Teller speisen durfte. Natürlich gab es kein Futter aus der Dose, sondern frisch zubereitete Speisen von Lagerfelds Koch, manchmal soll ihr sogar Kaviar kredenzt worden sein. Zum Spielen gab es kein Wollknäuel, sondern ein iPad und Würfel aus Nerz von Fendi. Die Katze schlief selbstverständlich bei Lagerfeld im Bett, und sie flog mit in seinem Privatjet um die Welt, wenn er unterwegs war. Zwei Angestellte und ein Bodyguard sorgten für Choupette, wenn der Designer arbeitete. Sie führten sogar Tagebuch für die verwöhnte Katze, die laut Lagerfeld Kinder hasst.

          Über einen „pet trust“ könnte Choupette erben

          Nachlesen lässt sich alles über den fast schon menschlich anmutenden Alltag Choupettes in dem 2015 erschienen Buch „Choupette: Aus dem Leben einer Katze an der Seite von Karl Lagerfeld“. Nach der Lektüre kommentierte die Cosmopolitan: „Es ist genug, um jeden Menschen unendlich neidisch zu machen. Könnte man doch nur Karl Lagerfelds Katze sein!“

          Das wird sich manch einer auch jetzt noch wünschen: Denn es wird bereits spekuliert, dass Choupette das Vermögen des kinderlosen Modeschöpfers erben könnte. Der Designer wäre nicht der Erste, der seinem Haustier Geld hinterlässt. Unmöglich ist das nicht: Beispielsweise bieten Banken in den Vereinigten Staaten sogenannte „pet trusts“ an, also Treuhandkonten für Haustiere. Das Geld darauf ist für das Wohlergehen des Tieres bestimmt, also für Futter, Tierarztbesuche und ähnliches. Es wäre denkbar, dass zumindest das Geld von Choupettes Werbedeals bereits auf einem solchen Konto liegt. Um ihren bisherigen Lebensstil zu halten wären die Millionen vermutlich auch nötig.

          Fest steht bislang aber nur: Karl Lagerfeld hat diese Katze geliebt. Ihr neuer Besitzer, reich oder nicht, tut es hoffentlich auch.

          Weitere Themen

          Choupette ist heimgekehrt

          Lagerfelds Katze : Choupette ist heimgekehrt

          Nach dem Tod ihres Besitzers war es ruhig geworden um Karl Lagerfelds berühmte Katze Choupette. Auch aus den sozialen Netzwerken hatte sie sich zurückgezogen. Jetzt gibt es ein Lebenszeichen.

          Und was, wenn das Handy jetzt runterfällt?

          Smartphones : Und was, wenn das Handy jetzt runterfällt?

          Dann ist verloren, was Psychologe Christian Montag „ein ausgelagertes Gehirn“ nennt – und Panik angesagt. Im Interview erklärt der Forscher, warum uns das Smartphone verändert und warum wir Momente nicht mehr genießen können.

          Topmeldungen

          Miet- und Kaufpreise in Europa : Schlimmer geht immer

          Deutschland ächzt unter hohen Mieten und teuren Immobilien. Doch anderswo in Europa ist die Lage weitaus dramatischer – kein gutes Zeichen.

          Ich und das Klima : Du sollst verzichten

          Die Deutschen müssen ihr Leben ändern, sagen die einen. Was die Deutschen machen, ist der Welt egal, behaupten die anderen. Was kann der Einzelne wirklich bewirken?

          Umstrittener Backstop : Was will Boris Johnson?

          In einem Brief an EU-Ratspräsident Donald Tusk kritisiert der britische Premierminister die „Backstop“-Regelung zur irischen Grenze und schlägt „alternative Vereinbarungen“ vor. Er stößt jedoch auf wenig Gegenliebe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.