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Malia und Sasha Obama : Der Sommer ihres Lebens

Seltener Moment: Malia auf einem Instagram-Bild mit einem T-Shirt des amerikanischen Hip-Hop-Kollektivs „Pro Era“ aus Brooklyn. Bild: ddp Images

Malia und Sasha Obama zeigen sich in der Öffentlichkeit gerne modisch. Revolutionär ist das, was sie anhaben, zwar selten, aber es gibt markante Ausnahmen.

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          Die Jugend der Obama-Kinder im Weißen Haus war im besten Sinne keine Revolution. Zumindest wirkt es so aus der Ferne, aus der Sicht aller anderen, die also nicht gerade zufällig der Familie nahestehen, für sie gearbeitet oder mit Malia und Sasha die Sidwell Friends School besucht haben. Betrachtet man Fotos der beiden Mädchen, dann erzählen sie jedenfalls von keinen großen Brüchen, nicht von Revolution, sondern von Evolution. Was die beiden darauf tragen, wie sich ihr Stil über die Jahre entwickelt, könnte darüber Aufschluss geben.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wie sie Anfang November 2008, im Alter von zehn und sieben Jahren, in Taftkleidern in Rot-Schwarz zwischen ihren ebenfalls in Rot-Schwarz gekleideten Eltern standen, unterscheidet sich gar nicht so sehr von, sagen wir, dem letzten White-House-Sommer eine halbe Teenager-Ewigkeit, also acht Jahre später, als sie zum Beispiel alle zusammen nach New Mexico aufbrachen: die beiden Obama-Töchter, die längst nicht mehr wie Kinder aussehen, in Hosen in Beige bis Khaki zu rustikalen T-Shirts und ihre Eltern, in Hosen in Khaki bis Navy und rustikalen Hemden.

          Mode, gerade für Teenager ist das ein wichtiges Thema. Wenn man erwachsen wird und selbst noch nicht so recht weiß, wer man eigentlich ist und sein will, dann ist die Mode eine Art Kompass. Die Pfeile können in alle Richtungen zeigen, die Mode lässt sich selbst auf krause Teenagergedanken ein. Sie hilft ebenso beim Abgrenzen wie dabei, sich zugehörig zu fühlen.

          Mode als Statement

          Andererseits ist sie zugleich eines der wenigen Stilmittel, das anderen dazu dient, sich Personen zu nähern, die ständig in der Öffentlichkeit auftauchen, die interessant sind, sich aber nicht oft äußern wollen oder können – siehe etwa die gesamte britische Königsfamilie, insbesondere die Duchess of Cambridge, die Queen, Prinz George. Oder eben die Obama-Töchter. Als Malia Obama zum Beispiel im Januar 2015 ein weißes T-Shirt mit dem Logo des Rap-Kollektivs Pro Era trug und ein Bild davon irgendwie ins Internet gelang, war das einer der seltenen Momente, in denen man eine Ahnung davon bekommen konnte, wie es sich so als heranwachsende Tochter des amerikanischen Präsidenten wirklich lebt.

          Ein T-Shirt mit dem Logo einer Band aus Brooklyn sagt mehr aus als die Seidenkleider und ausgestellten Röcke von sogenannten Bridge-Labels, Marken, die es kaum in der Mall gibt, deren Kleider aber auch nicht Tausende kosten. Die anschließenden Fragen und Antworten: Ist sie doch cooler als erwartet? Vermutlich ja! Hat sie ihre rebellische Phase noch vor sich? Vermutlich nein! Gut, anderthalb Jahre später hatte Malia Obama dann wohl so etwas wie den Sommer ihres Lebens, die unbeschwerte Zeit nach dem High-School-Abschluss. Nachdem sie mehrmals auf dem Lollapalooza-Musikfestival mit ihren Freunden beim Kiffen erwischt wurde, zauberte sie das passende T-Shirt hervor. Die Aufschrift: „Smoking kills“.

          So fing alles an: Michelle Obama mit ihren Töchtern Sasha (rechts) und Malia 2008. Bilderstrecke
          Malia und Sasha Obama : Malia und Sasha Obama

          Ansonsten schienen sich die beiden Obama-Töchter ganz gut eingerichtet zu haben in ihrem Leben mit wohlanständigen Kleidern, von denen sie unter normalen Umständen vielleicht ein, zwei im Schrank hängen gehabt hätten statt wer weiß wie viele genau. Man muss – mal abgesehen von Malias zwei Stunts, den Pro-Era- und „Smoking kills“-T-Shirts – tatsächlich meistens von beiden in einem Atemzug sprechen. Wenn Malia und Sasha nicht gleich so abgestimmt auf den Look ihrer Eltern angezogen auftauchten wie in der Wahlnacht 2008 oder im vergangenen Sommer auf dem Weg nach New Mexico, dann schienen sie sich zumindest untereinander abgesprochen zu haben. Trug die eine ein hellblaues Sommerkleid und Riemchensandalen, hatte die andere im Zweifel etwas ganz Ähnliches an. Sie sahen nicht gleich aus, waren aber so gut wie immer auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen – und halfen sich damit gegenseitig.

          Schließlich konnte so keine der beiden von Boulevardjournalisten wie von politischen Rivalen des Vaters kurzerhand eine bestimmte Rolle aufgezwängt bekommen. Skater, Goth, Tussi, Streber, Psycho – Labels gibt es zumindest genug. Aber wahrscheinlich bestand auch nie Anlass für eins davon. Die gebügelten Shiftkleider an ihnen harmonierten geradezu selbstverständlich mit dem Mix aus viel Baumwolle, bunten Farben und Muster, den dicken Strümpfen zu schweren Boots. In den vergangenen acht Jahren sahen Malia und Sasha meistens wie typische Teenager aus, nur koordinierter und mit weniger Jeans und T-Shirts.

          Zwei kleine Ausnahmen – und die Stylistin der Mama?

          Nur einmal schien das Doppel bewusst die Spielregeln missachten zu wollen. Thanksgiving 2014, ihr Vater war gerade dabei, den Truthahn zu begnadigen, und im Hintergrund standen die Töchter, die Arme verschränkt vor der Brust, der Blick ziemlich gelangweilt, die Röcke ziemlich kurz. Den Truthahn streicheln? Nah! Ihr Auftritt habe keine Klasse gehabt, sagten die einen. Die anderen applaudierten. Endlich Pubertät!

          In Beige und Khaki neigt es sich dem Ende zu: Familie Obama vor dem Präsidenten-Hubschrauber in New Mexico im Juni 2016. Öffnen
          Die Obama-Töchter : Alles richtig gemacht Bild: Reuters

          Gut möglich, dass auch über diese Outfits der beiden vorab noch mal jemand geschaut hatte. Ob Malia und Sasha mit einem Stylisten zusammenarbeiteten, hat das Weiße Haus zwar nie bestätigt, aber dass Michelle Obama eine professionelle Beratung an ihrer Seite hat – nämlich Meredith Koop, die früher in Obamas Boutique des Vertrauens in Chicago gearbeitet hatte, bei Ikram –, ist seit langem klar. Warum sollte die Stylistin sich nicht auch um Obamas heranwachsende Töchter kümmern?

          Während ihre Mutter mit ihrer Kleiderwahl den asiatisch-amerikanischen Designern so viel Erfolg bescherte wie dem schulterzeigenden Tank-Top, haben die Töchter mit ihren diversen Auftritten den Geschmack amerikanischer Teenager kaum geprägt; es gab ja nichts Markantes, womit sie Einfluss hätten nehmen können. Doch das scheint ein kleiner Preis dafür, erwachsen zu werden, ohne ständig das eigene Äußere bewertet zu bekommen. Stattdessen behielten die beiden einfach die Strategie der Wahlnacht 2008 bei, abgestimmt aufzutreten. Keine Revolution, sondern Evolution.

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