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Voller Kleiderschrank : Warum wir Kinderkleider besser mieten sollten

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Kinder brauchen viele Kleider. Mit den Jahren sammelt sich einiges an. Wer sie nur mietet, ist besser dran. Bild: imageBROKER/PhotoGraphX / Eva Be

Bodys, Söckchen und Pullis kann man kaufen. Noch besser ist es, sie zu mieten. Das ist günstiger, umweltfreundlicher und lässt die Schränke nicht überquellen.

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          Hört man sich bei Eltern um, dann scheint es zu viel Kinderkleidung zu geben. Ständig wollen Eltern Bodys, Hosen und Schuhe loswerden. Sie verschenken die Kleidung an Neu-Mamas, die oftmals dankend abwinken, weil sich bei ihnen schon tütenweise gebrauchte Babykleidung im Kinderzimmer stapelt, die das Kind wahrscheinlich niemals komplett anziehen wird, oder sie versuchen, die Kleidung auf Ebay oder auf Flohmärkten loszuwerden, von denen sie oft mit ihren vollen Kleiderkisten wieder nach Hause kommen, weil sich die Kleiderberge an allen Ständen auftürmen. Es haben scheinbar alle mehr als genug.

          Der Kauf ist natürlich auch verlockend. Bei den großen Modeketten findet sich niedliche Kinderkleidung für wenig Geld, die man schnell im Vorbeigehen kauft, auch wenn man sie nicht immer tatsächlich benötigt.

          Dass kontinuierlich gekauft wird, zeigt auch der leichte Umsatzanstieg der letzten Jahre im Bereich Kinderbekleidung, wie der BTE Handelsverband Textil mitteilt. Hoffnungsvoll stimme unter anderem die positive Geburtenentwicklung. Die mittelfristigen Aussichten für die Nachfrage der Kinderbekleidung seien somit erfreulich.

          Während ständig über Nachhaltigkeit, Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie und Klimaschutz gesprochen wird, scheint das in den Kinderzimmern nur wenige zu interessieren. Dort herrschen oft Konsum und Überfluss. Kinderkleidung wird allerdings bisher nur selten nachhaltig und unter fairen Bedingungen hergestellt. Aber gerade Babys und Kleinkinder, die Hosen und Röcke nur kurz tragen, brauchen nicht ständig das neueste Outfit im Schrank. Eine Alternative: Kinderkleidung mieten. Hier tummeln sich mittlerweile einige Anbieter auf dem Markt.

          Gebrauchte Kleider, die nachhaltig sind, gibt es wenig

          Stöbert man ein wenig im Netz, dann findet man unter anderem die Seite von „Räubersachen“: einer Plattform, auf der ökologische Kinderkleidung zum Mieten angeboten wird. Dahinter steckt Astrid Bredereck, die nach der Geburt ihres Sohnes nach gebrauchter ökologischer Kinderkleidung suchte: „Ich habe es auf Flohmärkten und Ebay versucht, aber es hat mich genervt. Oft waren Sachen kaputt, und es war sehr zeitaufwendig. Also habe ich kurzerhand eine Plattform gegründet, die das, was ich gesucht habe, anbietet: ökologische Kinderkleidung zum Mieten.“

          Bredereck meldete ein Gewerbe an und baute nachts die Plattform auf – wenn ihr Sohn schlief. Ihr Ziel: Die Kleidung sollte so nachhaltig wie möglich sein und deshalb auch immer wieder repariert werden können. Bredereck sagt, ihre Seite sei in den letzten Jahren ohne Werbung und Kooperationen organisch gewachsen, einfach indem sich ihr Angebot bei den Kunden herumgesprochen habe.

          Doch auch wenn es gut läuft, verdient Bredereck nicht viel mit „Räubersachen“, da sie einen sehr idealistischen Ansatz verfolgt: „Nach der Gründung 2015 ist ,Räubersachen‘ seit 2018 eine GmbH, die Sinn vor Gewinn stellt, und in der inzwischen 25-köpfigen Bande verdienen alle gleich viel.“ Es konnte erst kürzlich der Lohn für alle erhöht werden. Es laufe gut, aber reich werde man nicht.

          Viel Handarbeit sei zudem nötig. „Wir sitzen in einer alten Dorfschule, in der alles untergebracht ist: Es gibt eine Wäscherei, die Kleidung wird zum Teil gebürstet und von Hand in Form gezogen, und dort wird auch repariert, Löcher werden gestopft und Flicken aufgenäht.“ Wie lange ein Kleidungsstück halte, hänge neben der Qualität natürlich auch vom Alter der Kinder ab und wie sehr etwa eine Hose beansprucht werde. „Bei Krabbelkindern muss häufiger ein Flicken aufgenäht werden als bei einem Säugling“, sagt Bredereck.

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