https://www.faz.net/-hrx-9vaqk

Voller Kleiderschrank : Warum wir Kinderkleider besser mieten sollten

  • -Aktualisiert am

Ein anderer Anbieter, der auf das Vermieten von Kinderkleidung setzt, ist „Kilenda“. Der Gründer Hendrik Scheuschner hat selbst noch keine Kinder, hat aber mitbekommen, wie sich Freunde über die Kleiderberge geärgert haben und selbst keine Lust auf das Verkaufen auf Kleiderbörsen hatten. Oft hätten sie einfach 100 Teile für 100 Euro auf Ebay gestellt oder die Kleider in die Altkleidersammlung gegeben. „Also dachten wir uns: Dann probieren wir das Vermieten von Kinderkleidung einfach mal aus.“ „Kilenda“ hat mehr als 10 000 Kunden aus ganz Deutschland und Österreich, aus der Stadt und vom Land, der Anteil an Akademikern mit gutem Einkommen ist hoch.

Scheuschner setzt nicht komplett auf Nachhaltigkeit, sondern hat etwa ein Drittel Bio- und Fair-Trade-Marken, ein weiteres Drittel konventionelle Kindermode und ein Drittel bekannte hochwertige Luxusmarken im Sortiment. Und es gibt ein Abo-Modell: Für 29,99 Euro im Monat gibt es eine Flatrate mit 7 Kleidungsstücken. Im Jahr kommt man auf 360 Euro. „So günstig kann man mit Sommer- und Winterjacken im Jahr nicht bei H&M einkaufen“, sagt Scheuschner. Es lassen sich aber auch einzelne Stücke mieten, etwa ausgefallene Kleider für Anlässe, die im Handel schon mal 150 Euro kosten können. Ein Drittel der Kunden nutzt mittlerweile das Abo, so der Gründer. Die Zusicherung, dass Kleider kaputtgehen können, ist im Preis schon inbegriffen. Die Teile schicken die Kunden zurück, und es wird geschaut, ob sie repariert werden können.

Hochwertige Kleidung wird repariert

Die Kleider werden im Schnitt zwischen zwei- und zehnmal vermietet. Hochwertige Kleidung wird repariert, wenn sie kaputt ist, andere Stücke werden an die Deutsche Kleiderstiftung gespendet oder gehen ins Textilrecycling. Auch bei „Kilenda“ wird auf Langlebigkeit und Haltbarkeit gesetzt, etwa beim Einkauf. „Es muss natürlich den Kunden gefallen und nachgefragt werden, aber wir haben zum Beispiel wenig Weißes im Sortiment, keine dünnen Jeans, die schnell am Knie durchgerieben sind, und keine T-Shirts mit Pailletten oder Glitzer, die schnell kaputtgehen“, sagt Scheuschner. Wenn ein Einzelteil besonders gut gefällt, können Kunden es mit Rabatt kaufen. Ansonsten gehen die Kleider nach etwa drei Monaten zurück an „Kilenda“. Wenn der Kunde ein Paket bekommt, kann er die Kleider, die doch nicht gefallen oder passen, mit der alten, getragenen Bestellung zurücksenden. So stehen keine Kartons in den Ecken, und es werden weniger Pakete verschickt.

Und wie nachhaltig ist das Hin- und Herschicken von Kleiderpaketen eigentlich? „Viele Leute wollen es nicht glauben, aber der Online-Handel ist selbst mit 100 Prozent Retourenquote umweltfreundlicher als ein Ladengeschäft. Da fast niemand zu Fuß ins Geschäft läuft, sondern meistens allein im Auto vorfährt, ist es schlicht günstiger, mit einem Transporter und 500 Paketen von Ort zu Ort zu fahren“, sagt Scheuschner. Darüber hinaus seien die Emissionen von Ladengeschäften durch Tag- und Nachtbeleuchtung oder Klimageräte viel höher als in einer simplen Lagerhalle. „Um die Klimabilanz unseres Mietmodells müssen wir uns keine Sorgen machen“, so sein Fazit.

Auch Tchibo bietet mittlerweile Kleidung und vieles mehr zum Mieten an. „Kilenda“ stellt Tchibo die Software und den Prozess zur Verfügung. Ein Modell mit Zukunft also? Besser, als ständig Kleidung neu zu kaufen und nach ein paar Wochen nicht mehr zu wissen, wohin damit, ist das Mieten bestimmt.

Weitere Themen

Buhmann der Nation

FAZ Plus Artikel: Kritik an Adidas : Buhmann der Nation

Nach der Ankündigung, die Miete für geschlossene Läden nicht zu bezahlen, stand der Sportartikelhersteller in der Kritik. Adidas-Vorstandschef Kasper Rorsted entschuldigt sich jetzt. Ob das reicht, ist fraglich.

Topmeldungen

 Mehr als 200.000 Gastarbeiter der Millionärsmetropole, tätig allein nur im Baugewerbe, leben in Massenunterkünften, den Dormitories.

Singapur : Eingeschlossen im Containerdorf

Der rigide Stadtstaat Singapur hatte sich in der Corona-Krise bisher eigentlich bewährt. Nun aber steht er vor einer Herausforderung: 24.000 Gastarbeiter sind wegen der Ansteckungsgefahr isoliert.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.