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Voller Kleiderschrank : Warum wir Kinderkleider besser mieten sollten

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Etwa 45 Hersteller sind bei „Räubersachen“ vertreten, hauptsächlich aus Deutschland und Österreich, ein paar auch aus weiteren europäischen Ländern. Wichtig sei Nachhaltigkeit und dass keine Ausbeutung stattfinde. „Außerdem sollten die Hersteller unser Feedback annehmen und ihre Produkte besser machen und weiterentwickeln. Denn wir sehen, wie haltbar die Kleidung tatsächlich ist und wo es Schwachstellen gibt. Diese Infos geben wir weiter.“

Mieten und für vier Wochen behalten

Und wie funktioniert „Räubersachen“ für den Kunden? „Eltern können frei nach ihren Bedürfnissen ab einem Kleidungsstück mieten und es etwa vier Wochen behalten. Es müssen keine Boxen oder Mindestzahlen bestellen werden, die sie vielleicht überhaupt nicht benötigen.“ Wenn man einen Body oder Schuhe länger mieten will, ist das auch kein Problem: „Ist über den Mietpreis der Kaufpreis erreicht, kann man das Kleidungsstück auch behalten.“ Wichtig ist dem Unternehmen, dass nur bestellt wird, was auch gebraucht wird: „Kinder und Eltern sollen sich mit der Kleidung wohlfühlen, so als ob es die eigene ist. Sie darf ruhig dreckig werden oder kaputtgehen.“

Bei „Räubersachen“ zahlt man beispielsweise für einen Body 2,40 Euro im Monat – viele Kunden finden das fair und günstig. Bei einem besonders beliebten Kleidungsstück bei „Räubersachen“, dem Walkoverall für den Winter, kann sich das Mieten finanziell auch durchaus lohnen. Neu kostet der Overall je nach Hersteller ungefähr 80 Euro. Zu mieten gibt es ihn ab elf Euro im Monat. Die Preise setzen sich allerdings unterschiedlich zusammen: Es lassen sich auf der Plattform nicht nur die Kleidungsstücke auswählen, sondern auch deren Zustand, zum Beispiel, ob sie bereits repariert wurden. Diese Kleidung ist billiger als neue Ware und sehr beliebt, da sie mit viel Liebe repariert und also einzigartig ist, wie Bredereck berichtet. „Reparieren bedeutet für uns auch zu entschleunigen, denn Reparaturen und Handwäsche haben in unserer schnelllebigen Welt keinen Platz mehr“, so ihre Beobachtung. „Es wird eher weggeschmissen und neu gekauft.“

Die Kundenzusammensetzung sei sehr unterschiedlich. Deshalb soll es bald auch „soziale Preise“ geben: Einzelne Familien sollen dann für zwei Familien bezahlen können und so einer anderen Familie, die sich das Mieten nicht leisten kann, die Miete ermöglichen. „Räubersachen“ ist also auch ein großes soziales Experimentierfeld. Etwa 3000 aktive Kunden aus ganz Deutschland zählt die Seite. Es kann mittlerweile vorkommen, dass beliebte Artikel „ausgeräubert“, also derzeit nicht verfügbar sind, weil alle Teile unterwegs beim Kunden sind.

Für den Versand werden bereits gebrauchte Kartons genutzt. Ein Problem sei derzeit, dass Kunden die Pakete oft mit sehr viel Paketband aus Plastik verschließen, das schlecht für die Umwelt ist und einer Wiederverwertung der Kartons im Wege steht, da auf dem Plastik keine neuen Aufkleber halten. „Räubersachen“ macht darauf aufmerksam, etwa über Social Media, und zeigt Alternativen auf. Es geht darum, dass das Gesamtkonzept möglichst nachhaltig ist.

Laut des Handelsverbandes BTE wird im Bereich Kinderkleidung auch immer öfter auf Nachhaltigkeitsaspekte geachtet. Gerade bei Babys sollen die Produkte ohne Schadstoffe, aus ökologischen Materialien und unter sozialverträglichen Bedingungen produziert worden sein. „Räubersachen“ scheint den Bedarf erkannt zu haben.

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