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Kleidung mieten : Rent a Kleid?

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Ständig neue Kleidung tragen und trotzdem soll es nachhaltig sein? Start-ups bieten jetzt das Mieten von Alltagskleidung an. (Archivbild) Bild: dpa

Fair Fashion ist zwar gut für die Umwelt, aber meistens sehr teuer. Eine Alternative: Kleidung mieten, statt zu kaufen. Doch ist das wirklich nachhaltig?

          Überfüllte Fußgängerzonen, laute Musik und überall die gleichen Styles. In der Stadt einzukaufen, das kann ziemlich anstrengend sein. Deshalb bestellen viele Menschen ihre Kleidung online. Doch ständig neue Kleidung kaufen, ist nicht unbedingt das Beste für die Umwelt. Eine Alternative bieten Unternehmen, die sich an einem Trend orientieren, der in immer mehr Lebensbereiche übergreift: mieten, statt kaufen. Was in der Großstadt für Autos, E-Scooter oder Fahrrädern längst angeboten wird, war für Kleidung bislang nur für spezielle Anlässe möglich. Wer Dirndl oder Lederhose für das Oktoberfest suchte, eine Verkleidung für die Mottoparty oder ein Karnevalskostüm brauchte, konnte das schon seit einigen Jahren ausleihen. Das ändert sich gerade, denn mittlerweile kann auch die Alltagskleidung gemietet werden.

          Anbieter wie „Stay awhile“ und „Fairnica“ etwa bieten das nach einem einfachen Prinzip an: Für eine monatliche Mietgebühr erhält man eine Box mit mehreren Kleidungsstücken. Wenn man keine Lust mehr auf sie hat, dann schickt man diese zurück und erhält neue Kleidungsstücke. Falls man das neue Lieblingskleid nicht wieder hergeben will, kann man es dem Anbieter auch abkaufen. Nach Angaben der beiden Unternehmen werden alle Kleidungsstücke unter fairen Bedingungen hergestellt.

          Aber ist das Mieten von Alltagskleidung wirklich eine umweltschonende Alternative zum Kaufen? Wie steht es mit dem Kauf von Second-Hand-Kleidung. „Die ist sehr günstig zu bekommen und eine nachhaltigere Alternative“, sagt Modedesignerin Martina Glomb. Sie arbeitete bei Vivienne Westwood in London und leitet heute den Studiengang Modedesign an der Hochschule Hannover. Dem Konzept des Modemietens, um Ressourcen zu schonen, steht sie eher kritisch gegenüber. Trotzdem findet sie, dass die Idee gut ist, um Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass man nicht alles besitzen muss. Sie rät grundsätzlich, genau zu überlegen, ob man etwas wirklich brauche. Laut Greenpeace wird jedes fünfte Kleidungsstück im Schrank nie getragen.

          Eine Kapsel für 30 Outfits

          Auf diese Überfülle setzt auch das Kleider-Miet-Start-up „Fairnica“. „Nachhaltig am Kleidung mieten ist, dass keine Ressourcen im Kleiderschrank verstauben“, sagt die Geschäftsführerin Nicola Henseler. Kunden erhalten hier eine Kapsel mit fünf bis acht Kleidungsstücken. Die Anzahl ist je nach Jahreszeit und Inhalt der Kapsel unterschiedlich. Mit den Basics, die jeder zuhause hat, soll man auf 30 Outfits kommen. Außerdem sollen die Kunden dank dem Mieten der Kleidung nur noch Lieblingsstücke im Schrank haben, die dann sehr oft und sehr lange getragen werden.

          Henseler sagt, dass es die nachhaltigste Methode sei, eine geringe Garderobe zu besitzen, diese zu tragen und zu reparieren, bis es nicht mehr möglich ist. Das komme jedoch für viele modebewusste Menschen nicht in Frage – dafür seien Mietservices eben eine gute Alternative.

          Auf das Schlagwort „Nachhaltigkeit“ setzt auch der Miet-Service „stay awhile“. Hier kann man sich die Box zusammenstellen lassen oder selbst aussuchen. Sie beinhaltet in der Regel mindestens vier Teile. „Es ist nicht nur perfekt für dich, sondern schont auch noch Ressourcen und ist somit die nachhaltigste Art Kleidung zu konsumieren – ohne auf Abwechslung verzichten zu müssen“, so wirbt der Anbieter „stay awhile“. Das Motto des Anbieters ist: “Rent what you like, buy what you really love”.

          Make it last

          Für Designerin Martina Glomb hingegen heißt Nachhaltigkeit nicht einfach nur Kauf-Verzicht. Zu dem komplexen Thema gehöre auch sich genau über die Materialien zu informieren, aus denen Kleidung gefertigt wird. Baumwolle sei zwar sehr beliebt, aber der Stoff benötige sehr viele Ressourcen. Glombs persönlicher Lieblingsstoff ist Wolle, da diese viele Eigenschaften wie Elastizität, Kälte und Wärmeschutz hat.

          Aber auch ein Kleidungsstück aus Wolle müsse entsprechend gepflegt werden, damit es lange hält und somit auch nachhaltiger ist. Überhaupt fasse es das Motto von Vivienne Westwood sehr gut zusammen: „Buy less, choose well and make it last“. Das heißt, man soll seine Kleidung sehr sorgfältig aussuchen und richtig pflegen und falls  etwas kaputtgehe, sollte man es reparieren. Außerdem rät sie, „einfach mal mit Humor und Kreativität an seinen eigenen Kleiderschrank ran zu gehen anstatt ständig neue Sachen zu kaufen“.

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