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Praktisch elastisch : Warum mechanische Uhren jetzt auch wie Smartwatches aussehen

Immer öfter geht die beliebte Smartwatch über die Theke. Doch was wird aus den guten alten Armbanduhren? Bild: dpa

Statt mit Armbändern aus Leder oder Metall sind viele Uhren jetzt mit Kautschuk versehen. Gerade im Sommer ist das Material angenehm zu tragen. Trotzdem: Man muss es mögen.

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          Rico Steiner trägt eine Uhr mit dickem schwarzem Band. Es ist mit dem Logo der Marke geprägt, mit lauter Oris-Schriftzügen. Das passt schon deshalb, weil Steiner für das Schweizer Uhrenhaus als Manager arbeitet. Das Modell an seinem Handgelenk heißt „Aquis Depth Gauge“, eine Taucheruhr, die Menschen mit Faible für Uhren heute ebenso selbstverständlich zum Anzug und Kostüm tragen, zu Krawatte und Lederschuhen, und darauf hastig die Zeit ablesen, wenn die Konferenz schon wieder zu lange dauert. Das Band an Rico Steiners Uhr ist trotzdem aus Kautschuk. Er wird darauf nicht mehr oft angesprochen. „Für ein schwarzes Kautschukband gibt es heute keinen Kommentar mehr“, sagt der Uhren-Experte selbst. Ein Armband aus Kautschuk ist in den vergangenen Jahren schließlich zum selbstverständlichen Teil einer Luxusuhr geworden.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Man sieht es an den aktuellen Neuheiten: Kautschukbänder finden sich nicht nur erwartungsgemäß an einer Casio-Uhr mit dem Namen „Gravitymaster“, sondern auch an den Modellen von Bell & Ross, an der Glashütte Original „Senator Chronograph Panoramadatum“, die die für das Haus typisch minimalistische Anmutung hat und sich trotzdem mit Gummi um das Handgelenk ihres Besitzers schlingt. Und Breitling nimmt sich für seine „Superocean Héritage“ die eigentlich feingliedrige Milanaisestruktur – und fertigt sie aus Kautschuk. Es sind eben längst nicht mehr nur Taucheruhren, Kautschuk scheint in diesen Tagen an Modelle aller Art zu gehören.

          Rolex hat dafür vor zwei Jahren ein speziell entwickeltes Gewebe lanciert: Für nicht Eingeweihte sieht die Struktur wie Kautschuk aus, dabei handelt es sich hier um ein mit Metallfederblättern verstärktes Elastomerband. Es passt auch zur neuen „Yacht-Master 40“ mit 32 Saphiren, acht Tsavoriten und einem Diamanten auf der Lünette. „Immer mehr Uhrenmarken bieten Modelle nicht nur mit Armbändern aus Leder und Stahl an, sondern auch aus Kautschuk“, sagt auch Patrick Graf vom Schweizer Juwelier Bucherer, der in Deutschland zehn Filialen unterhält. „Seit gut zwei Jahren ist das ein Trend.“ Graf sagt, es gehe dabei vor allem um den sportlichen Touch einer traditionellen Armbanduhr. Leder oder Stahl mag gefälliger rüberkommen, ein Kautschukarmband hingegen wirft ein paar Fragen auf. Zum Beispiel: Sieht das nicht selbst zu einer Uhr, die mit Dutzenden Karat aufgemotzt ist, ein bisschen billig aus? Fast hässlich?

          Mit Elastomerband: „Yacht Master 40“ von Rolex Bilderstrecke

          Die Fitnesstracker und Smartwatches hinterlassen eben selbst bei den Bastionen der mechanischen Uhren ihre Spuren. Ohne Kautschuk kein Schrittzähler. Weil immer weniger Menschen ohne jenen das Haus verlassen, gehört Kautschuk also längst an ihre Handgelenke. Wenn das Schweißband in den achtziger Jahren suggerierte, sein Besitzer sei ein sportlicher Mensch, dann ist es heute das Band aus Kautschuk. Kein Wunder, dass es auch die neue Smartwatch von Louis Vuitton, „Tambour Horizon“, mit Kautschukband geben muss. Ein Kautschukarmband ist die einfachste Möglichkeit, um zu signalisieren, dass man einigermaßen auf sich bedacht durchs Leben geht.

          Entsprechend viele Uhren mit Gummiband wechseln am Ladentresen die Seiten: Beim Juwelier Bucherer seien es zwar immer noch weniger als zehn Prozent, aber für Porsche Design ist die Uhr mit Kautschukband längst zur Instanz geworden. Gut vierzig Prozent aller verkauften Modelle sehen so aus, das sind mehr, als das Haus etwa mit Metall oder Leder ausstattet. Rolf Bergmann von Porsche Design erklärt sich die Tendenz auch mit dem erhöhten Tragekomfort: „Kautschuk schmiegt sich perfekt dem Handgelenk an, das ist mit Leder nicht so gut möglich. Die spezielle Laserflexstruktur auf der Innenseite belüftet zugleich.“

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