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Fragebogen mit Jan Frodeno : „Zu jeder Mahlzeit Fett, am liebsten eine gute Butter“

Die Ziellinie überquert: Jan Frodeno bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking Bild: AFP

Am Sonntag wird Jan Frodeno um den Sieg beim Ironman in Frankfurt kämpfen. Im Fragebogen verrät der Triathlon-Star, warum er so gerne über Kaffee redet und weshalb er auf Butter nicht mehr verzichten kann.

          Er sei kein Masochist, sagte Jan Frodeno dieser Zeitung einmal, „ich leide extrem ungern“. Schmerz und Leiden aber sind unumgänglich im Triathlon, der Kombination von Schwimmen, Radfahren und Laufen – zumindest, wenn man so erfolgreich sein will wie der Siebenunddreißigjährige. Als erster Triathlet gewann er sowohl olympisches Gold als auch den Ironman auf Hawaii. Er wurde in Köln geboren, wuchs in Südafrika auf und war dort unter anderem Rettungsschwimmer, ehe er 2000 zum Triathlon kam. Frodeno ist mit der Australierin Emma Snowsill verheiratet, ebenfalls Triathlon-Olympiasiegerin. Mit ihr hat er zwei Kinder. Am 30. Juni startet er beim Ironman Frankfurt.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Was essen Sie zum Frühstück?

          Kaffee ist obligatorisch, auf leeren Magen. Ansonsten meist nur frische Luft vor dem ersten Lauf des Tages.

          Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?

          Ich kann das nicht mehr, in Boutiquen rumlaufen und so, dazu fehlt mir die Geduld. Ich gehe nicht nur online einkaufen, sondern indirekt online: Wenn ich ehrlich bin, macht das meine Frau. Ich sage grob, was ich will, wobei das recht einfach ist, weil ich kleidungsmäßig ziemlich basic unterwegs bin.

          Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank?

          Ein Schlaf-T-Shirt, das inzwischen aussieht, als wäre ich von einer Schrotflinte durchsiebt worden, dunkelblau und mit absoluter Tiefschlafgarantie. Habe ich 2001, als ich meine Mutter in Nizza besuchte, in einer Boutique gekauft.

          Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?

          Das war ein Air-Mail-Brief, den man komplett falten konnte, Umschlag und Brief in einem, das müsste aus einem Trainingslager in Südkorea gewesen sein, vor den Olympischen Spielen 2008. Da habe ich gedacht, jetzt musst du Mama mal einen Brief schreiben.

          Welches Buch hat Sie im Leben am meisten beeindruckt?

          Vielleicht das, was ich grade selbst schreibe – also im übertragenen Sinn die eigene Geschichte. Sachbücher interessieren mich, aber nicht so, dass sie mich für das ganze Leben faszinieren würden.

          Keine Geschichte verpassen: F.A.Z. Stil bei Facebook und Instagram

          Wie informieren Sie sich über das Weltgeschehen?

          Traurigerweise hauptsächlich über Twitter, wo ja vor allem vorgefertigte Meinungen verbreitet werden, wenig Journalismus stattfindet und das Weltgeschehen meist subjektiv beschrieben wird. Ich muss mich leider schuldig bekennen, dass ich mich oft an Meinungen und nicht an Fakten orientiere. Es ist klar, dass da viel Schrott dabei ist. Wenn ich dem klassischen News-Outlet folge, dann der F.A.Z. oder der BBC und anderen.

          Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?

          Kaffee. Ich liebe Kaffee. Darüber kann ich stundenlang reden. Manche brauchen ihren Kaffee unbedingt als ersten Fix des Tages. Andere, die gesundheitlich angehaucht sind, sind überzeugt, dass er ihren Körper übersäuert. Darüber kann man diskutieren. Und auch darüber, aus welcher Region er kommt, wie lange er stehen muss, wenn er geröstet ist, wie viele Milliliter es sein sollten. Ein endloses Thema für Kaffeeliebhaber.

          Bei welchem Film haben Sie zuletzt geweint?

          Bei einer Folge der Netflix-Serie „Chef's Table“. Die Geschichte des Inders Gaggan Anand, der seinen anfangs unwirklichen Traum verwirklicht hat, die Küche seiner Heimat zu revolutionieren, mit großer Leidenschaft und Hingabe. Seine Geschichte hat mich sehr bewegt, weil ich mich mit ihr so sehr identifiziert habe, mit verschiedenen Aspekten: dem Bezug zur Familie, diesem Einfach-nur-Machen, den Rückschlägen, dem Ankommen. Und da habe ich mich komischerweise mittendrin tatsächlich weinend erwischt. Ich kann mir das nur damit erklären, dass diese Geschichte nah an meiner eigenen ist.

          Sind Sie abergläubisch?

          Nein.

          Olympia-Sieger und Ironman-Weltmeister: Jan Frodeno

          Worüber können Sie lachen?

          Über mich selbst. Das war nicht immer der Fall. Es gibt relativ wenig, was ich heute nicht mit Humor bewältigen könnte. Humor ist die Antwort auf alle möglichen Situationen, insbesondere die tragischen.

          Ihr Lieblingsvorname?

          Lucca und Sienna, die Namen meiner Kinder.

          Machen Sie eine Mittagspause?

          Absolut obligatorisch. Ohne Mittagspause bin ich zu gar nichts zu gebrauchen.

          In welchem Land würden Sie gerne leben?

          In Spanien.

          Was fehlt nie in Ihrem Kühlschrank?

          Butter. Butter brauche ich immer. Ich habe vor Olympischen Spielen mal eine ganze Weile mit einer Null-Fett-Diät gearbeitet und mich auf drei Prozent Körperfett runtergehungert. Das hat mich fürs Leben so vernarbt, dass ich jetzt zu jeder Mahlzeit Fett brauche, am liebsten eine gute Butter.

          Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?

          Ohne Auto. Ich fühle mich frei auf dem Rad auf einem Pyrenäen-Pass.

          Was ist Ihr größtes Talent?

          Ich glaube, mein größtes Talent ist es, die Stimmung bei Menschen zu erkennen und darauf zu reagieren, sie zu ändern, zu verbessern.

          Was tun Sie, obwohl es unvernünftig ist?

          Bisweilen schnelle Autos fahren.

          Welcher historischen Person würden Sie gerne begegnen?

          Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich Julius Caesar nehmen. Würde mich interessieren, wie einer als halber Gott in seiner Zeit gelebt hat.

          Tragen Sie Schmuck? Und eine Uhr?

          Als Schmuck nur meinen Ehering. Eine Uhr immer. Ich habe immer die Zeit im Blick.

          Haben Sie einen Lieblingsduft?

          Den Duft von frischem Kaffee morgens ganz früh.

          Was war Ihr schönstes Ferienerlebnis?

          Als Ferienerlebnis im klassischen Sinne: eine Mauritius-Reise, die wir meinem Vater zum Sechzigsten geschenkt haben und bei der wir als family unterwegs waren.

          Auf welchem Konzert waren Sie zuletzt?

          Michael Jackson, 1997 oder so, in Kapstadt. Mein erstes und letztes Konzert. Nicht dass es schlecht war, aber ich bin nicht so der Konzertgänger.

          Was fehlt Ihnen zum Glück?

          Gar nichts. Ich suche täglich danach. Und finde es inzwischen auch in Kleinigkeiten.

          Was trinken Sie zum Abendessen?

          Am liebsten ein Glas Rotwein. Carinyos heißt mein aktueller Lieblingstropfen.

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