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Influencer in sozialen Medien : Warum Frauen sich auf Instagram so gern ins Haar fassen

  • -Aktualisiert am

Die Kunst ahmt den Zufall nach: Lena Meyer-Landrut weiß genau, wie man zur Nicht-Frisur kommt. Bild: Instagram

Heute schon mit der Hand an den Kopf gefasst? Frauen machen das auf Instagram ja ständig. Aber warum ist gerade diese Pose eigentlich so beliebt? Die Antwort ist zum Haareraufen.

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          Wenn die Hand durch das Haupthaar gleitet, dann geschieht auf chemischer Ebene nichts anderes als eine Wanderung der Fettmoleküle. Sie springen vom Hautnetz der Fingerkuppen und gleiten auf die Haarsträhne, an der sie sich festhaften, ja festkrallen. Zum Glück leben wir im Zeitalter von Dry-Shampoo und täglichem Haarewaschen. Und, vielleicht das Wichtigste, in der Ära der digitalen Nachbereitung, falls alle Vorkehrungen ins Leere laufen. Und so kommt es, dass die Wanderung der Fettmoleküle von Finger auf Strähne den Instagram-Persönlichkeiten, also den Influencern, egal ist, und sich die Frauen der Stunde dort in kunstvoller Selbstinszenierung nach Lust und Laune ins Haupthaar greifen. Sie spielen mit den Strähnchen, zuppeln die Frisur scheinbar zurecht und greifen die Pose in tausendfacher Interpretation und Variation immer wieder auf.

          Da gibt es zum Beispiel das verspielte Hinters-Ohr-Streichen; die Geste, perfektioniert von der Hamburgerin Caro Daur, wird nur angedeutet, die Fingerspitzen sind von der Ohrmuschel verdeckt, als wäre die Frisurkorrektur schon vorgenommen worden. Dann wäre da noch das Auflockern der Mähne. Dabei dienen die Fingerspitzen als Kamm, der mit seinen fünf Zinken nicht bändigen soll, sondern die Strähnen auflockernd übereinander legen, so dass es aussieht, als wären sie gerade von einem Windstoß erwischt worden.

          Im Bewegtbild ist diese Pose im Zwei-Minuten-Takt bei Schriftstellerin Kat Kaufmann zu beobachten, auf Instagram hat unter anderen Pamela Reif daran Gefallen gefunden, in Kombination mit dezent verführerischem Blick. Und dann gibt es da noch die schüchterne Variante, die das Auge des Betrachters unbemerkt auf die Haarpracht lenken soll, ohne dass man die verwunschene Mähne allzu aggressiv als Objekt der Begierde präsentiert – so gesehen bei Lena Meyer-Landrut.

          Mehr Dynamik ins Bild

          Es mag widersprüchlich klingen, aber bei allen Variationen der Pose steht nicht die Korrektur der Frisur im Vordergrund. Die Haarpracht soll weder gezähmt noch inszeniert wirken, sondern unbedacht, mit einem Hauch von Natürlichkeit - einem seltenen Gut in Zeiten der sozialen Medien und vielleicht dem plausibelsten Grund für die Beliebtheit der Pose.

          Instagram-Star und Model Caro Daur, mit der Geste in all ihren Varianten vertraut, ist sich des Mehrwerts bewusst. Die Aufnahme wirke dadurch „optisch besser", sagt sie. Man integriere mehr Dynamik. Der Griff ins Haar geschehe ganz unbewusst, das sei eine natürliche Bewegung. Das Unbewusste als Ursprung der Pose, ein natürlicher Reflex in Zeiten der hochprofessionellen Selbstinszenierung? Das würde voraussetzen, dass das Ganze eigentlich nichts Neues ist, sondern ein Kontinuum der Geschichte. Theoretisch ist das durchaus möglich, denn schließlich hatte der Mensch schon immer sowohl Haare als auch Hände.

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