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Fashion-Industrie : Lebensgefühl in der Seidenbluse

  • -Aktualisiert am

Konsumverhalten für Mode hat Tiefstand erreicht

Mit beiden Beinen im Leben stehen heißt: Die Kollektion ist modisch, aber nicht trendy. Sie ist hochwertig, aber nicht luxuriös. Kurzum: Sie entspricht auf unprätentiöse Art dem Lebensgefühl von Millionen von Frauen. Man konzentriert sich auf Strick, simple Shirts, edle Seidenblusen, lässige Lederteile. Allesamt unkomplizierte Einzelteile, die einen Look ergeben, mit dem Frauen morgens die Kinder in den Kindergarten bringen, anschließend zur Arbeit fahren können und abends im Restaurant ihre Freundinnen treffen.

Hinzu kommt der vernünftige Preis: Eine Seidenbluse von The Mercer N.Y. kostet rund 130 Euro, ein Kaschmirpullover um die 200 Euro. Das ist nicht gerade wenig Geld, aber für ein hochwertiges Basic auch nicht allzu viel. Es sind Preise, die den Deutschen entgegenkommen, denn das Konsumverhalten für Mode hat derzeit seinen Tiefstand erreicht. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) beziffert den Teil, der vom verfügbaren Einkommen für Mode und Bekleidung ausgegeben wird, in diesem Jahr auf 1,8 Prozent. 2000 waren es noch doppelt so viel.

Und das, obwohl die allgemeine Konsumlaune hierzulande bestens ist. Laut dem Institut war die Ausgabebereitschaft der Deutschen in diesem Frühjahr so hoch wie seit 13 Jahren nicht mehr. Nur liegen die Prioritäten heute eben woanders: Mode hat einen anderen Stellenwert als früher. Die Menschen investieren ihr Geld zunehmend auch in Beauty, Essen und elektronische Geräte wie Smartphones und Tablets.

Eine völlig neue Einkaufskultur

„Die Begehrlichkeit für Mode ist nach wie vor vorhanden“, sagt Ulla Ertelt, Geschäftsführerin des Marktforschungsinstituts HML Modemarketing in Frankfurt. „Aber die Marke steht nicht mehr so im Vordergrund, sondern das Produkt.“ Eine Entwicklung, die maßgeblich dem Erfolg von Fußgängerzonen-Anbietern wie Zara, Mango, Hennes & Mauritz, COS und & Other Stories geschuldet ist. Dank ihrer kreativen Leistung ist es heute möglich, modische Trends mitzumachen, ohne sich finanziell ruinieren zu müssen. Daraus resultiert eine völlig neue Einkaufskultur, die eine gesamte Branche nachhaltig verändert hat.

Belohnt werden schon jetzt in den schwierigen Zeiten diejenigen, die eine klare modische Botschaft haben oder einen Traum verkaufen, so wie internationale Designermarken wie Gucci, Prada oder Chloé. Die kleineren deutschen Luxusmarken – ohne Millionenbudgets für Werbung und Marketing – bleiben hingegen auf der Strecke. Wer sich zurzeit vor allem behauptet, bietet ein starkes Produkt, das kein Vermögen kostet.

Man sieht es an deutschen Marken der gehobenen Mitte wie Set, Drykorn oder Opus – oder eben an den Eigenmarken wie Manguun, Review und The Mercer N.Y. Gemeinsam ist diesen Kollektionen eines: Sie basieren auf einem unkomplizierten, lässigen Look mit Preisen, die Kunden für verhältnismäßig halten. Mehr braucht es nicht. Im Frühjahr hat Opus die hochwertige Kollektion Someday auf den Markt gebracht. Preislich liegt sie 40 Prozent über der Hauptlinie und ist dennoch immer noch bezahlbar. Die Vorschusslorbeeren sind jedenfalls groß: Es soll Einkäufer geben, die diese Kollektion gekauft haben, ohne sie davor gesehen zu haben.

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