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Comeback der Spice Girls : „Never Give Up On The Good Times“

Damals:Die Spice Girls 1997 bei den Brit Awards. Von links nach rechts: Melanie Chisholm (Mel C oder Sporty Spice),Emma Bunton (Baby Spice), MelanieBrown (Mel B oder Scary Spice), Geri Halliwell (GingerSpice) und Victoria Adams (Posh Spice). Bild: dpa

Die Spice Girls waren nicht irgendeine Girl-Band. Sie waren die Girl-Band und prägten eine Generation junger Frauen – durch zwei Dinge, die bis heute aktuell sind.

          3 Min.

          Ende vergangenen Jahres, als der geplante Brexit den Briten auf die Stimmung schlug, kam diese Ankündigung gerade recht: Die Spice Girls gehen wieder auf Tour! Immerhin vier der fünf Mitglieder sollen auf der Bühne stehen. Also alle außer Victoria Beckham, die es als einzige geschafft hat, ein Leben nach den Spice Girls zu führen und trotzdem ein Star zu bleiben. Als der Kartenverkauf für die Konzerte begann, brachen die Websites der Ticketshops mehrmals zusammen, so groß war der Ansturm.

          Maria Wiesner
          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Die Begeisterung zeigt, dass die Spice Girls noch immer ein Phänomen sind. Zu ihren Fans gehören Frauen, die heute selbst große Stimmen im Musikgeschäft sind: Katy Perry zum Beispiel oder Adele, die bei einer zufälligen Begegnung mit Melanie Chisholm, besser bekannt als Mel C, sogar Tränen der Freude vergossen haben soll und die gegenüber dem Late-Night-Moderator James Cordon gestand, dass ihr der Weggang Geri Halliwells aus der Band als Jugendliche das Herz gebrochen habe.

          Was diese Frauen schon in den Neunzigern als Sängerinnen erfolgreich machte, ist auch jetzt wieder gefragt. Zwei Dinge zeichnen die mit bislang 85 Millionen verkauften Alben erfolgreichste Girl-Band der Popgeschichte aus. Da war zum einen die Sache mit dem Union Jack: Während der Brit Awards im Februar 1997 trug Geri Halliwell ein Minikleid mit dem Motiv der Flagge des Vereinigten Königreichs.

          Ikonische Entscheidung: Geri Halliwell ließ ihre Schwester das „langweilige“ schwarze Kleid durch eine Union-Jack-Flagge aufpeppen.
          Ikonische Entscheidung: Geri Halliwell ließ ihre Schwester das „langweilige“ schwarze Kleid durch eine Union-Jack-Flagge aufpeppen. : Bild: dpa / empics

          Jahre nach dem Auftritt erzählte sie in einer Fernsehshow, dass sie ursprünglich in einem schwarzen Gucci-Kleid auftreten sollte. „Boring“, dachte sie, und dann kam ihr die Idee: Halliwell bat ihre Schwester, ein großes Geschirrhandtuch mit der Flagge vorne auf das Kleid zu nähen. Sie trug die knappe Eigenkomposition mit roten Lack-Plateaustiefeln, während sie den Hit „Who Do You Think You Are“ sang, und schuf damit einen Moment der Popgeschichte. Als der britische „Daily Telegraph“ 2010 seine Leser fragte, welches das wichtigste Kleid der vergangenen 50 Jahre gewesen sei, landete Halliwells „Union Jack dress“ auf Platz eins - vor Marilyn Monroes weißem Kleid, das ihr über dem U-Bahn-Schacht um die Schenkel wehte.

          Das Flaggenkleid passte zum „Cool Britannia“ Mitte der neunziger Jahre. London war modisch und musikalisch wieder international gefragt, die Wirtschaft brummte, und junge Briten schauten optimistisch auf Tony Blair, der damals als cooler Politiker galt, 1997 mit der Labour-Partei die Wahl gewann und Premierminister wurde. Die Spice Girls stehen bei ihren Fans für diese optimistischen Zeiten, als Flaggen-Patriotismus noch nicht an einen Brexit denken ließ.

          Mit zwei weiteren Schlagwörtern werden die Spice Girls in Verbindung gebracht: Girl Power und Female Empowerment. Damit forderten Geri Halliwell (heute Horner), Victoria Adams (heute Beckham), Emma Bunton, Melanie Brown und Melanie Chisholm die Gleichberechtigung der Geschlechter. Nur taten sie das auf eine Art, wie das ausschließlich im Pop möglich ist: laut, bunt, glitzernd.

          Die Slogans hatten sie nicht selbst erfunden, sondern von der Riot-Grrrl-Bewegung übernommen. Sie war zu Beginn der neunziger Jahre in Olympia im amerikanischen Bundesstaat Washington entstanden und wurde vor allem von der feministischen Punkband Bikini Kill geprägt, die von der männlich dominierten Musikszene genug hatte. Auf einem Flyer von Anfang der neunziger Jahre definierte die Band den Begriff Girl Power: Er sollte für Frauen in Musik und Medien stehen, die mit ihren Liedern und Magazinen andere Frauen ansprechen, auf dass nicht immer „auf jede Boy Band eine Boy Band, auf jedes Boy Zine ein Boy Zine, auf jede Boy Punk Band eine Boy Punk Band“ folgte. Zudem richtete sich der Slogan gegen Sexismus und sexuelle Gewalt, mit denen Musikerinnen und ihre Fans häufig zu kämpfen hatten.

          Als die Spice Girls den Slogan übernahmen, hatte er zwar seinen punkigen Stachel verloren, der Pop-Anstrich half aber, die Botschaft zu verbreiten. Dass die fünf Frauen es ernst meinten mit der Gleichberechtigung, sieht man schon an der Aufteilung ihrer Rollen in der Band. Es gab nicht eine Anführerin, hinter der die anderen als Background-Sängerinnen verschwanden. Jede brachte sich ein, bekam ihre Textzeilen, wurde in den Songcredits gewürdigt. Selbst die unterschiedlichen Stilvorlieben flochten sie in den Liedern zusammen, sodass sich auch mal Hip-Hop- und Rap-Zeilen mit spanischen Anteilen abwechselten.

          Der feministische Überbau aus der Girl-Power-Botschaft spiegelte sich aber nicht zuletzt in den Liedtexten. Es ging darin um Themen wie Safer Sex (“Be a little bit wiser baby, put it on, put it on“ in „2 Become 1“) und sexuelle Selbstbestimmung (“What part of no don't you understand“ in „Too Much“). Dass solche Texte nach wie vor aktuell sind, zeigt nicht erst die #MeToo-Bewegung. Die Frauen, die mit Girl Power aufwuchsen, sind jetzt erwachsen. Ob sie die Texte noch kennen, wird sich im Sommer bei den Konzerten zeigen.

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