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Designlegende : Kenzo Takada kennt keinen Ruhestand

Seit 1965 lebt Kenzo Takada in Paris. Seine Faszination für Farben hat all die Jahrzehnte überdauert. Bild: AFP

Er war der erste japanische Designer in Paris: Kenzo Takada. Sein Stil traf damals die überladenen achtziger Jahre. Seitdem ist der 79-Jährige eine Legende in der Modebranche. Warum er nicht an den Ruhestand denkt.

          Er arbeitet immer noch. Im Nebenzimmer sind einige seiner Mitarbeiter heute sehr gut beschäftigt. Kenzo Takada setzt sich in diesen riesigen Räumen eines Prachtbaus an der Rue de Sèvres im sechsten Pariser Arrondissement zum Gespräch hin. Er hat gerade ein neues Parfum lanciert, zusammen mit dem Unternehmen Avon, das wiederum auf den Duft folgt, den er erst vor drei Jahren herausgebracht hat. „Ich arbeite einfach gerne“, sagt er.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Life Colour, der Name des Parfums, ist somit auch eine Erinnerung daran, dass der Mann Kenzo Takada weiter eigenständig tätig ist - unabhängig von der Marke Kenzo, die mittlerweile zum LVMH-Konzern gehört und von Carol Lim und Humberto Leon kreativ verantwortet wird. „Sie laden mich zu ihren Schauen ein, die Marke atmet jetzt jungen Geist, das ist wichtig“, sagt Kenzo Takada. „Am Anfang, kurz nachdem ich das Haus 1999 verlassen hatte, war es trotzdem komisch, an den Geschäften vorbeizulaufen.“ Sie trugen ja weiterhin seinen Namen.

          1964 war er per Schiff nach Marseille gekommen, mit einem Diplom des Bunka Fashion College in Tokio und wenig Geld in der Tasche. Seit 1965 lebt er in Paris. Seine Faszination für Farben hat all die Jahrzehnte überdauert - das wunderschöne Empfangszimmer mit den bodentiefen Fenstern und den vielen Kunstwerken ist dafür ein guter Beweis.

          Sieht so ein Mann aus, der bald 80 Jahre alt wird? In der Regel nicht. Aber auch diese Regel bricht der Designer Kenzo Takada, der am 27. Februar 1939 in der Präfektur Hyogo nordwestlich von Osaka geboren wurde. In Paris, wohin er 1965 kam, führte er die japanische Modewelle der siebziger Jahre an. Nach dem Verkauf seiner Marke Kenzo an den Konzern LVMH in den neunziger Jahren behielt er die Rechte an seinem vollständigen Namen - unter dem er nun auch wieder Parfums verkauft.

          Den Schritt in die Selbständigkeit wagte er 1970. Als einer der wenigen nicht-französischen Designer in Paris – und überhaupt erster Japaner in Paris – gründete er seine Marke. Yohji Yamamoto, Issey Miyake, Rei Kawakubo kamen erst später. Als er anfing, war ein Erfolg, wie er ihm bevorstehen sollte, eigentlich noch ein Ding der Unmöglichkeit. Aber mit seinem Sinn für Farben und Muster überwand er auch diese Hürde. Auf die erste Damenkollektion folgten ein eigener Laden, eine Männerkollektion, Parfums, Homewear. Sein Stil traf in den überladenen achtziger Jahren einen Nerv und hatte sich in den dann ästhetisch reduzierteren Neunzigern als Klassiker etabliert. So wurde die Marke Kenzo im Laufe des späten 20. Jahrhunderts auf der ganzen Welt ein Begriff und der Mann zur Legende.

          Dass seitdem viel Zeit vergangen ist, sieht man dem Begründer eines kleinen Imperiums nicht an. Kenzo Takada sieht aus wie vielleicht 59, dabei ist er 79. Das Geschäft mit Luxus habe sich in den vergangenen Jahrzehnten natürlich verändert, sagt er. „Es ist heute viel einfacher, eine Marke bekannt zu machen oder ein Parfum. Mode ist jetzt weniger eine Kunst, aber sie ist immer noch künstlerisch. Heute geht es darum, Menschen auf der ganzen Welt damit zu erreichen, der Luxusmarkt muss auf viele verschiedene Kulturen eingehen. Für mich ist das Arbeit, aber ich finde das auch sehr interessant.“

          Deshalb macht er also weiter, wenn auch in einem anderen Tempo als noch vor 25 Jahren. In Japan verbringe er weiterhin viel Zeit, sagt er. "Mehrere Monate im Jahr. Aber Paris ist meine Basis. Ich reise viel, gönne mir Massagen, besuche Ausstellungen, und dann arbeite ich ein wenig. Nicht jeden Tag, aber regelmäßig." Bis zu seinem Büro hat er es nicht weit, und das dürfte noch ein Grund sein, weshalb es schwer sein wird aufzuhören. Er wohnt nämlich direkt obendrüber.

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