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Vor der Fashion Week : Die neuen Modetrends aus der Hauptstadt

  • -Aktualisiert am

Kommunikationsspezialist Mumi Haiati arbeitet mit dem rebellischen Image Berlins. Bild: Jonas Lindstroem

An diesem Dienstag beginnt in Berlin die Fashion Week. Die Hauptstadt ist immer offen. Daher verändert sie sich so schnell. Ein kleines Trend-Update.

          6 Min.

          MUMI HAIATI IST DAS PERSONIFIZIERTE BERLIN

          Wie keine zweite deutsche Stadt ist Berlin ein hedonistischer Hort der Club- und Jugendkultur, der jungen Kunst und der teils etwas gespreizten internationalen Macher. Das alternative Image der Hauptstadt lässt sich bestens für Marketing- und PR-Zwecke ausschlachten. Komisch eigentlich, dass gerade die Berliner Modeagenturen sich die Stärken des Stadt-Storytellings so wenig aneignen. Einer, der die Berliner counterculture hingegen bestens repräsentiert, ist der Kommunikationsspezialist Mumi Haiati. „Berlin war schon immer rebellisch. Der besondere Vibe macht uns auch im Ausland attraktiv. Dieses Potential möchte ich für meine Kunden nutzen“, sagt Haiati, der sich nach Stationen in London, Barcelona, New York und Paris im Jahr 2014 in Berlin selbständig gemacht hat. Im Portfolio seiner Agentur Reference Studios sind künstlerische Streetwear-Labels wie Nhu Duong, DSTM und Hornof, die den experimentellen Charakter der Hauptstadt gut darstellen, aber auch internationale Größen, zum Beispiel die Schwulen-Plattform Grindr, das Pariser Label Faith Connexion oder der hippe Mailänder Shop Slam Jam. Haiatis Clou?

          Statt Konzepte etablierter Modemetropolen wie Paris oder New York zu imitieren, also in Berlin auf biedere Cocktailpartys oder herkömmliche Modenschauen zu setzen, baut Haiati lieber auf vielschichtige Events. Mode trifft dann zum Beispiel auf Performance-Kunst oder Untergrundmusik. Zur reinen Kollektionspräsentation schickt er seine Labels wiederum in die etablierten Modestädte - dorthin, wo die Einkäufer auch wirklich Kleidung kaufen wollen. In Berlin tüftelt der bärtige Hüne mit der zarten Stimme übrigens gerade an einem Konzept für ein groß angelegtes interdisziplinäres Festival, bei dem Design, Kunst, Mode und Musik performativ und installativ miteinander verschmelzen. Okay, das klingt handelsüblich. Aber es ist etwas anderes als das klassische Fashion-Week-Format. Mal sehen!

          Odeeh hat den Laden im Bikini-Komplex gegen ein besonderes Konzept in der Potsdamer Straße getauscht.

          ODEEH ERFINDET DIE BERLINER SALONKULTUR NEU

          Bei Odeeh ist immer etwas los. Erst im vergangenen Sommer haben die Designer Otto Drögsler und Jörg Ehrlich auch die Kreativdirektion der Porzellanmanufaktur Meissen übernommen. In diesem Jahr feiert das Label mit Sitz in Giebelstadt bei Würzburg schon seinen zehnten Geburtstag - für eine Modefirma aus dem deutschen Mittelstand ist das fast eine Ewigkeit. Die Marke, die vor allem für ihre heiteren Muster und ausladenden Silhouetten bekannt ist, funktioniert also beständig. Das hat wohl auch damit zu tun, dass die Gestalter erkannt haben: Heute reicht es nicht mehr, seinen Kunden nur Mode zu präsentieren, sondern man muss für sie ganz neue Welten erschaffen. „Uns gefällt es, Odeeh in einen visuellen und inhaltlichen Zusammenhang zu stellen, mit anderen Kollektionen, mit Kunst, Fotografie oder Design“, sagt Jörg Ehrlich.

          Im vergangenen Jahr haben sie deshalb, sozusagen als vorgezogenes Jubiläumsgeschenk, ihren Laden im Bikini-Komplex gegen ein besonderes Konzept in der Potsdamer Straße getauscht. Die Altbauwohnung mit knarzenden Dielen und Berliner Zimmer im denkmalgeschützten Anton-von-Werner-Haus gleich gegenüber von Andreas Murkudis' Concept Stores dient den beiden Designern als interdisziplinäre Fläche, als Treffpunkt, Arbeitszimmer, Präsentationsraum. „Es ist ein Ort für vieles, was wir visuell mögen.“ Tatsächlich erweckt Odeeh die Berliner Salonkultur wieder zum Leben. Gelegentlich haben hier schon Cocktails oder Ausstellungen von Künstlern wie Robert Barta oder Sigurd Grünberger stattgefunden. Außer Odeeh-Produkten werden auch Taschen der deutschen Ledermarke Stiebich & Rieth verkauft sowie Interior-Objekte wechselnder Designer. „In Zeiten des Online-Shoppings muss ein Store mehr sein als nur ein Geschäft“, sagt Jörg Ehrlich. „Nämlich ein inspirierender Raum.“

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