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Vor der Fashion Week : Die neuen Modetrends aus der Hauptstadt

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Während der Gastgeber Björn Swanson das kulinarische Rezept paradoxerweise als „bodenständig“ beschreibt (damit meint er wohl, dass seine Speisen ohne soundsoviele Saucen pro Teller auskommen), greift das „Golvet“ schon räumlich nach den Sternen: Gelegen im ehemaligen Club „40 Seconds“, haben Besucher hier im achten Stock einen phantastischen Blick über den Potsdamer Platz in der Nähe, mitsamt der Baukräne und der Philharmonie. Ein weiteres Highlight, mal abgesehen vom hochglanzpolierten Käsewagen, der hier um kurz nach 19 Uhr hereingeschoben wird, ist die 13 Meter lange Bar. Es ist ein guter Ort, um sich nach anstrengenden Vernissagen oder letztlich doch nervigen Einkaufstouren spät noch einen Snack und/oder Absacker zu gönnen.

ANDRA DUMITRASCU KOMMT VON UNTEN NACH OBEN

Ausgerechnet eine Berlinerin versetzte bei der vergangenen Pariser Modewoche das Publikum in Begeisterung, als sie eine Impromptu-Show in der Metro inszenierte. Geplant war der Auftritt so nicht. Eigentlich wollte Andra Dumitrascu mit ihrem Label Dumitrascu im Centre Pompidou über den Dächern von Paris ihre Kollektion zeigen, aber Komplikationen mit der Ausstellungsfläche zogen sie kurzerhand in den Untergrund, nämlich in die angrenzende Station Rambuteau. Bei ganz normalem Verkehrsbetrieb am Freitagabend im Zentrum der französischen Hauptstadt (die U-Bahn kommt im Abstand von wenigen Minuten) liefen Models in ihren Entwürfen zwischen den Fahrgästen die Bahnsteige auf und ab.

Metro-Ticket als Einladung: In der Pariser Station Rambuteau präsentierte  Andra Dumitrascu ihre Kollektion.
Metro-Ticket als Einladung: In der Pariser Station Rambuteau präsentierte Andra Dumitrascu ihre Kollektion. : Bild: Hersteller

Die Einladung war das Metro-Ticket, als Front-Row-Plätze dienten die Wartesitze der öffentlichen Verkehrsbetriebe. Die Kritiker waren begeistert. Und zwar nicht nur von der Überraschungsshow, sondern auch von den Entwürfen: Ihre zweite Kollektion, „Kebaby“ für den Sommer 2018, ist ein wunderbar eklektisches Gewirr von Straßenkultur und hoher Schneiderkunst aus High-Tech-Funktionsstoffen; halb Hommage an Kreuzberg, halb Erinnerung an die Kindheit im kommunistischen Rumänien, wo Aldi-Tüten mit einem Stolz getragen wurden wie heute PradaTaschen. Kleider und Sweatshirts wie geschmolzenes Plastik, weite Hosen aus hauchdünner Synthetik-Seide in Batik- und Schlangenhautprint, dazu Oversize-Hemden und Blazer: Das humorvolle Spiel mit dem klassischen Luxusempfinden hat auch auf Concept Stores aus aller Welt gewirkt.

Zu dem Dutzend Händlern der ersten Stunde gehören Maryam Nassir Zadeh (New York), Opening Ceremony (New York, Los Angeles), Shine (Hongkong) oder Sprmrkt (Ibiza). Auch wichtige französische Einzelhändler haben schon an die Tür des Berliner Studios geklopft. Wäre sie in Frankreich, würde Dumitrascu mit ziemlicher Sicherheit schon von Verbänden oder Privatwirtschaft gefördert. In Deutschland ist das Interesse derzeit noch zurückhaltend. Dabei ist Andra Dumitrascu, die an der „Angewandten“ in Wien bei Raf Simons studiert hat, schon lange in der Berliner Kreativszene. Sie hat Produktionen für Künstler mitverantwortet, und seit mehr als zehn Jahren betreibt sie in der Mulackstraße ihr eigenes Geschäft. Zuerst namenlos, seit einigen Jahren unter dem Namen Sal-Bazaar, ist es ein Ort für Kenner mit Marken wie Lemaire, Eckhaus Latta oder Bless. Jetzt führt sie dort natürlich auch ihr eigenes Label. Selbst wenn die Prophetin im eigenen Lande nichts gilt: Auf die Berliner wirkt internationale Anerkennung irgendwann doch - weil sie so wenig davon haben.

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