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Von wegen Kleiderordnung : Wo das Personal den Trend setzt

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Vielleicht liegt das ja am Personal. Das trägt im Seven Pines nämlich keine steifen Uniformen, sondern eher etwas, das als stylisches Outfit beschrieben werden kann. Einige Mitarbeiterinnen tragen so schöne weiße Kleider mit Lochstickerei und Stehkragen, dass die weiblichen Gäste gar keine andere Wahl hätten, als zu fragen, wo es die denn wohl zu kaufen gebe. Die männlichen Mitarbeiter wiederum könnten in ihren weißen Hemden mit schwarz abgesetztem Kragen und den schmal geschnittenen Hosen – je nach Position dunkel, beige oder hellblau – auch selbst problemlos auf Ibiza ausgehen. Die Entscheidung für diese Arbeitskleidung der italienischen Firma Maurel fiel ganz bewusst, so Lück: „Unsere Philosophie ist, dass die Mitarbeiter nicht uniformiert aussehen, sondern cool und leger im Ibiza-Stil an den Gast treten können. Die Mitarbeiter sehen toll aus und sind stolz, so aufzutreten. Das stärkt auch das Selbstbewusstsein und das Zugehörigkeitsgefühl.“

Breidenbacher Hof in Düsseldorf: Eine Kleiderordnung gibt es hier nicht.

Die Arbeitskleidung mit Stolz zu tragen, das ist auch im Breidenbacher Hof wichtig. Cyrus Heydarian spricht lieber von „dem, was wir tun, um unser Leben zu gestalten“, als von Arbeit, schließlich verbringe man damit mehr Zeit als mit der eigenen Familie. Umso wichtiger sei es, sich dabei wohl zu fühlen und Kleidung zu tragen, die ihre Funktion erfülle und dem Zeitgeist entspreche. „Deshalb haben wir 2015 mit dem Designer Thomas Rath und den Mitarbeitern gemeinsam die Uniformen entworfen“, erzählt Heydarian. Ein gewisser Stolz darauf, einer der ersten Hoteliers in Deutschland zu sein, der nicht nur einen Designer, sondern auch das Personal in diesen Prozess einbezogen hat, ist nicht zu überhören.

„Vollbärte können keine Ausschlusskriterien mehr sein“

Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit sind maßgeschneiderte Etuikleider, zarte Blusen und Westen mit dem Logo des Hotels, mal Ton in Ton zur Hose, mal kariert. Dazu trägt die Mehrheit des Personals weiße Sneakers – eine Idee von Rath. Anfangs habe er gezögert, gibt Hotelmanager Heydarian zu: „Nach kurzer Bedenkzeit war ich aber überzeugt.“ Einige ältere Stammgäste waren weniger begeistert: „Aber mit Aufklärung kommt auch Verständnis. Wenn man sich gegen den Zeitgeist wendet, verliert man die jüngeren Generationen.“ Damit meint Heydarian nicht nur die Gäste: Die Hotellerie müsse sich um Nachwuchs bemühen. „Natürlich haben wir Standards und Grenzen, aber Tätowierungen und Vollbärte können heute keine Ausschlusskriterien mehr sein.“ Eine gewisse Offenheit sorge auch für eine geringere Fluktuation der Mitarbeiter.

Die Mode erobert auch die reine Gastronomie: Das Designerduo Talbot Runhof entwarf 2018 die Kleidung für das Personal des Münchner Sterne-Restaurants „Tantris“. Das ist für seine Küche, aber auch für sein extravagantes Interieur im Stil der siebziger Jahre bekannt. Das greifen die Talbot-Runhof-Entwürfe auf: Die Blumenmuster der Tapeten finden sich auf Hemden und Kleidern wieder, das Orange der Lampen in Ziernähten an Hosenbeinen. Und im Londoner Restaurant „Ella Canta“ erwarten die Gäste mexikanische Küche und Mitarbeiter in leuchtend roten und blauen Jumpsuits und Kleidern des britischen Luxuslabels 1947, das weibliche Personal trägt dazu Blumenkronen à la Frida Kahlo im Haar. Unternehmen wie Lady and Butler in New York spezialisieren sich ganz auf Service-Uniformen, die man auch als Gast am liebsten selbst anziehen würde.

Je mehr die einst strengen Kleiderregeln für Gäste in den Hintergrund rücken, desto schicker erscheint das Personal an Tisch und Tresen. Und so hat die schöne neue Arbeitskleidung auch einen ganz praktischen Nebeneffekt: Wenn das Personal gut angezogen ist, wollen die Gäste mithalten – und zeigen, dass Lässigkeit eben nicht nachlässig aussehen muss.

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