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Mode der Sixties : Alles ist Vintage

Von gestern für heute: Die Mode aus den sechziger Jahren von Grays Antiques aus London. Bild: Grays Antiques

Die Mode aus den Sixties ist nie ganz ausgestorben und scheint durch den Vintage-Style auch heute noch einen gewissen Anklang zu finden. Bis heute hinterlässt diese Mode vor allem in London ihre Spuren.

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          Diese Schuhe! Hellblau und vorne rund. Claire Stansfield nimmt sie aus dem Regal. Eigentlich hätte die Modehändlerin, die am Rande des Londoner Viertels Notting Hill gemeinsam mit zwei Geschäftspartnern den Vintage-Shop Rellik führt, die hellblauen Schuhe nicht gekauft. Claire Stansfield, dicke blonde Locken, rosa Lippenstift, schwarzer Blazer, orangefarbener Nagellack, streicht über das hellblaue Leder an den Seiten und über die dicken Absätze. Die Schuhe sind von Clarks, aus dem Jahr 1969, und Claire Stansfield hält sie jetzt zusammen, so dass sich die runden Kappen berühren. „Wegen des Musters, das sich ergibt, wenn Sie Ihre Füße darin zusammenstellen.“ Deshalb hat die Vintage-Expertin die Schuhe doch gekauft.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sie zeigt auf die weißen Lederstreifen auf den Kappen. Hält man sie nebeneinander, ist es ein Dreieck, das über das Paar läuft. „Das ist doch auch etwas, was zum Beispiel Miu Miu machen würde.“ Etwas, das Miu Miu, die Prada-Zweitlinie, vor fünf Jahren hätte machen können. Oder in zwei Jahren machen wird. Oder schon in der nächsten Saison. Deshalb hat Claire Stansfield die Schuhe gekauft.

          Für Rellik in West-London, wo jeder Zentimeter Kleiderstange mit einem anderen Stück aus einer anderen Ära belegt ist, Glam-Rock-Lamé neben Breitcord neben antik anmutenden Jacken, ist die Vergangenheit ziemlich zeitlos. Zeitgemäß sieht sie in jedem Fall aus, auch wegen solcher Schuhe.

          Nie ganz ausgestorben: Vintage-Mode von Search & Destroy. Bilderstrecke

          Oder auf der anderen Seite der Stadt, bei Beyond Retro im Osten von London. Hier türmen sich Baskenmützen und Turbane und Pullover mit Marabufedern, ebenfalls Requisiten der Sechziger, sorgsam so sortiert, dass man alles, was man heute für einen coolen Look braucht, sofort findet. An einer Stange hängen nichts als Samt-Jacken. Nur der Geruch, das typische Vintage-Odeur getragener Kleidung, erinnert daran, dass die Vergangenheit doch länger zurückliegen muss.

          Draußen hört es an diesem Donnerstag nicht auf zu regnen. Drinnen ist Spaß angesagt, also Shopping. Ausnahmslos Jugendliche, über den Armen Kleider mit ausgestellten Röcken, Hemden mit spitzen Kragen, mal für fünf Pfund, mal für 35 Pfund. Teurer ist es hier selten. Und selbst wenn die Teile nicht neu sind, sondern mindestens aus zweiter Hand, muss man nicht lange nach ihnen suchen, sondern kann gleich kaufen. Es hängt ja schon alles bereit. Ohne die Sixties sähe die Vergangenheit auch hier nicht so zeitgemäß aus.

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          In London begegnet man ihr an jeder Ecke. Alles ist hier Vintage. Möglich, dass es ohne die Swinging Sixties heutzutage keine Primark-Koma-Käufe gäbe. Ohne die Swinging Sixties wäre die Mode womöglich auch nie zum popkulturellen Phänomen geworden. Mit der Alltagsästhetik und der Globalisierung hätte es noch eine Weile länger gedauert. Aber trotzdem, die tiefsten Spuren hinterlassen die Swinging Sixties an ihrem Ursprung, wo es mit der Mode, wie man sie heute kennt, losging, hier in London.

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