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Der Franzose Roland Herlory lebt seit 2001 auf der Karibikinsel St. Barths. Seit 2012 ist er Geschäftsführer des Pariser Bademodeunternehmens Vilebrequin. Bild: Vilebrequin

Vilebrequin Geschäftsführer : „Wir liegen noch gar nicht so lange am Strand“

Bademoden von Vilebrequin sind bunt, locker – und schwer auszusprechen. Geschäftsführer Roland Herlory über die Entstehung des Namens, kulturelle Erkenntnisse und den Unterschied zwischen Frauen und Männern.

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          Herr Herlory, Sie sind Geschäftsführer der Bademoden- Marke Vilebrequin. Menschen, die sich für Stil interessieren, fällt bei diesem Stichwort ein ganz bestimmtes Paar Shorts ein: bunt, locker, auf dem Steiß das Emblem in Dunkelblau. Vor 50 Jahren kam ihr Gründer Fred Prysquel auf diese Idee. Dabei bedeutet Vilebrequin übersetzt: Kurbelwelle.

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Begriff ist wirklich umständlich, egal in welcher Sprache, Vilebrequin ist einer der am schwersten auszusprechenden Namen überhaupt. Aber die Geschichte dazu ist schön: Fred war Motorsport- Journalist, Autos waren seine Leidenschaft. In Saint-Tropez lernte er eine Frau kennen und verliebte sich. Sie ging ihm nicht mehr aus dem Kopf, deshalb zog er dorthin. Das war die Zeit nach 1968, Saint-Tropez war der Inbegriff von freiheitlichem Leben. Bis dahin gab es kein Strandleben, und in Saint-Tropez wurde daraus eine Kunst. Die Männer trugen kleine Badehosen, und darin fühlte sich Fred Prysquel nicht wohl. Um die Frau in Würde für sich zu gewinnen, kam er auf eine andere Lösung, auf die Schwimmshorts. Fred hatte zuvor Surfer in Kalifornien in solchen Hosen gesehen, aber seine waren nicht dafür da, um darin Sport zu machen, sondern um den ganzen Tag am Strand zu verbringen.

          Konnte er damit auch bei der Frau landen?

          Ja, er war erfolgreich, sie heirateten, bekamen Kinder und verbrachten ihr ganzes Leben gemeinsam. Die Frau, Yvette, hatte eine Boutique, Mode war ihre Leidenschaft, und sie erkannte, dass auch die Shorts dieses Manns interessant waren. Also verkauften sie die in ihrem Laden, und dafür brauchten sie einen Namen. Weil seine Leidenschaft Autos waren, und es in Yvettes Laden eine Metalltreppegab, die von weitem an eine Kurbelwelle erinnerte, tauften sie die Shorts: Vilebrequin. Der schlimmste Name fürs Marketing. Selbst die Franzosen schreiben es falsch.

          Vor 50 Jahren gründete Fred Prysquel „Vilebrequin“. Zum Jubiläum gibt es eine neue – noch buntere – Kollektion. Bilderstrecke
          Bademoden- Marke Vilebrequin : Shorts aus der Jubiläumskollektion

          Strandmode ist damals wie heute ein heikles Thema. Sie wohnen auf St. Barth, in Strandnähe. Sind Frauen nach Ihren Beobachtungen wirklich so viel sensibler als Männer?

          Beide sind sensibel, jeder auf seine Weise. Frauen achten mehr auf die Optik, Männer achten mehr auf den Komfort.

          Das klingt trotzdem nach: Frauen machen sich Druck, Männer sind entspannt.

          Frauen betrachten ihren Körper ganz anders, und auch da gibt es große regionale Unterschiede. Nicht überall mögen sie ihren Körper gleich gerne, und das bestimmt die Art und Weise, wie sie ihn zeigen.

          Was sind Ihre wichtigsten kulturellen Erkenntnisse zum Thema Strandmode?

          Es gibt immer Ausnahmen, aber die Tendenz in Europa ist: Frauen fühlen sich im globalen Vergleich in ihrem Körper wohl. Sie wollen ihn auch nicht verändern und akzeptieren ihn, wie er ist. So zeigen sie ihn auch. In den USA gestalten sie mehr, sie nutzen zum Beispiel Pushups. Dort hat das Thema Körper eine größere Brisanz: Man darf diesen Teil der Brust zeigen, aber nicht jenen, etwa die Brustwarze. Also braucht es mehr Polsterung. Es gibt gewisse gesellschaftliche Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen. In Asien sind viele Frauen zwar super dünn, aber ihrem Körper wollen sie ein bisschen Form geben, also ist es wichtig, dass Bikini-Oberteile zum Beispiel Volants haben. Es geht ihnen damit auch um das Gefühl, bekleidet zu sein, obwohl sie nicht viel anhaben.

          Und Südamerikanerinnen?

          Dort haben viele gar kein Problem mit Nacktheit, je weniger Stoff, umso besser.

          Sie unterhalten einige Läden in Sanya. Ist das wirklich das Saint-Tropez von China?

          Das ist der Strandort für die Chinesen. Aber es ist komplett anders als Saint Tropez: große Hotels, alles ist neu, selbst das Schwimmen und die Sonne sind neu. In Asien legt man sich traditionell nicht in die Sonne, weil man nicht braun werden will, und Schwimmen war nie ein Thema. Das ändert sich, mit Wasserparks und Wassersport. Dort lernen sie jetzt neben schwimmen auch surfen, zu drei Vierteln sind es übrigens Frauen in den Surfschulen. Und in den Großstädten werden allerorts Schwimmbäder gebaut. Auch dort lernen viele das Schwimmen. Das erinnert aber auch daran, dass die Strandkultur auch bei uns noch recht jung ist.

          Damals in Saint-Tropez ...

          Ja, in den Siebzigern ging das los. Seit gerade einmal fünf Jahrzehnten machen wir das: den ganzen Tag dort zu verbringen. Wir liegen noch gar nicht so lange am Strand.

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