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Männermode : Ist das Absicht?

  • -Aktualisiert am

Die Wurzeln des Hauses in die Jetztzeit geführt: Dior Homme unter Kim Jones Bild: EPA

Kaum ein Mann kauft sich heute noch einen Anzug, wie er einst die Männermode bestimmte. Aber was ist dann Männermode? Die Verwirrung in der Branche war noch nie so groß wie heute – auch darüber, was die Kunden eigentlich wollen.

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          In Paris, der letzten Station der Männermodesaison, wartet ein weißer Michael-Jackson-Kristallhandschuh als Einladung für die Louis-Vuitton-Schau. Sieht stark nach einer Hommage an den King of Pop aus. Der neue Designer Virgil Abloh, der erst eine Kollektion gezeigt hat, will also gleich mal die ganze Popkultur neu erfinden. Die finanziellen Möglichkeiten seines neuen Arbeitsgebers nutzt er für ein gutes Setting: In einem Zelt in den Tuilerien hat er die Lower East Side von Manhattan nachgebaut.

          Seine erste Kollektion fliegt förmlich zu den Kunden. Geht es jetzt so weiter? Abloh steht in der Mode für das neue Zauberwort diversity: ein Schwarzer bei der größten Modemarke der Welt, ein Allrounder als Modemacher. Mit seiner Streetwear spricht er ganz neue Zielgruppen an. Die dekorative Stola, die er bei der Met-Gala über der weißen Jacke trug, sieht man nun auch auf jedem roten Teppich in Los Angeles. Er hat Einfluss, obwohl er kein Modedesigner ist, was man an den schlampigen Silhouetten der Anzüge erkennt. Oder ist das Absicht?

          Die überdimensional aufgebauschten Daunenbomber über Jacken sehen grotesk aus, die zu langen Hosen kurz vor untragbar. Aber die Idee, mit Flaggen aus Afrika und von Michael Jacksons Geburtsstaat Indiana die Welt auf Sweatshirts zu setzen, ist stark in Aussage und Wirkung. Ein Michael-Jackson-Doppelgänger, der traumwandlerisch durch die Schau tanzt, berührt das Publikum. Der Aufruhr im Zelt erinnert an das Konzert eines Popstars und nicht an eine Modenschau. Louis Vuitton spielt auf Risiko, und der Virgil-Abloh-Hype geht weiter.

          Verwirrung auf dem Markt

          Es ging schon lange nicht mehr so spannend zu in der Modebranche wie jetzt. Keiner weiß so richtig, was sich am besten verkauft, wie man noch an den Kunden kommt, ob Frauen sich wie Männer anziehen wollen oder andersherum, wie man die sozialen Medien wirklich einsetzt, was man von Influencern halten soll, ob man überhaupt noch Designer braucht oder nicht besser gleich Social-Media-Stars wie Abloh. Und sollte man wirklich Frauen und Männer gemeinsam über einen co-ed runway jagen? Das sind fundamentale Fragen – und vor allem bei den Männern zeigt sich die Verwirrung.

          Kaum ein Mann kauft sich heute noch einen Anzug, wie er einst die Männermode bestimmte. Stolze italienische Marken wie Canali, Corneliani oder Pal Zileri wissen nicht mehr, was zu tun ist. Modenschauen auf dem Laufsteg abhalten? Sich doch auf der Herrenmodemesse Pitti Uomo in Florenz anmelden? Oder den Kunden direkt mit Events ansprechen? Diese Marken verlieren an Bedeutung, auch weil ein Exzentriker wie Thom Browne immer mehr im Mainstream ankommt oder Brunello Cucinelli seine Lifestylemarke zum Modekult erhoben hat und endlos Cordhosen und Blazer absetzt. Thom Browne wurde von der Zegna-Gruppe aufgekauft, weil seine außergewöhnlichen Entwürfe gut bei Millennials ankommen. Und Cucinelli ist ein Börsenwunder mit mehr als einer Milliarde Umsatz und Fans wie Jeff Bezos, der in Umbrien zum Lunch vorbeischaut.

          Außerdem die große Stilfrage. Geht es zurück zu Eleganz und Männlichkeit? Oder verharrt man bei Logo-Streetwear und Unisex-Teilen wie Bomberjacken oder Kapuzen-Sweatshirts? Der Hang der neuen Generation zu extremer Markensucht ist tragisch. Es geht mehr um Kult als um Verständnis. Auf Internetplattformen werden Preise um 10.000 Euro für alte Bomberjacken von Raf Simons oder Helmut Lang erzielt – für Kleidungsstücke also, die sie gar nicht berühmt gemacht haben. Meistens bieten reiche junge Asiaten.

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