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Verlobungsringe : Wer kann dazu Nein sagen?

Ohne Ring keine Frage: Zur Verlobung ist ein Ring mehr als schmuckes Beiwerk. Bild: Getty Images/RooM RF

Es mag spießig sein, den Partner als seinen Verlobten vorzustellen, Verlobungskarten zu verschicken, Verlobungspartys zu feiern. Aber der Verlobungsring ist so beliebt wie noch nie. Warum?

          Nein! Auf die Frage aller Fragen bekommt der promovierte Theologe eine ernüchternde Antwort. Es ist das Jahr 2004, der Theologe aus Frankfurt verbringt, trotz Erkältung, ein Wochenende bei seiner Freundin, die zu jener Zeit noch in Luxemburg wohnt. Die beiden führen eine Fernbeziehung, 240 Kilometer liegen unter der Woche zwischen ihnen. Jetzt sind sie gemeinsam spazieren. Es geht steil bergauf. Als sie ein paar Meter voranläuft, fasst er sich ein Herz. Die Erkältung hindert ihn daran, frei durchzuatmen, aber er denkt sich, dass der richtige Zeitpunkt gekommen sein muss. Er ist jetzt Anfang dreißig.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Er ruft zu seiner Freundin hinüber: „Willst du mich heiraten?“ Die Freundin dreht sich zu ihm um. Seine Hände sind leer, er kniet nicht auf der Erde. Die Freundin ruft zurück: „Das kannst du wohl knicken.“ Sie hat sich das ganz anders vorgestellt. Deshalb sagt sie noch: „Nur mal so gefragt, das ist kein Antrag. In meiner Vorstellungswelt gehört ein Ring dazu.“

          Im ersten Moment ist der Theologe verstört. „Äh, du sagst nein?“ Aber dann dämmert es ihm. „Es war plötzlich klar, dass es ein Ritual braucht. Einen Ring, der eine Bedeutung hat.“

          Keine Ehe aus latentem Zwang

          In den Siebzigern, als junge Paare sich vom Vorbild ihrer Eltern, die Ehen aus latentem Zwang eingingen, zu lösen begannen, wäre eine Szene wie die in Luxemburg wohl kaum denkbar gewesen. Da wären der Theologe und seine Frau wahrscheinlich stolz darauf gewesen, beim Besteigen des Berges kurzatmig und spontan beschlossen zu haben, den Bund der Ehe einzugehen. Und in der Generation davor, als die Ehe zwischen Mann und Frau kaum hinterfragt wurde, als der Hochzeit aber Heiratsantrag und Verlobung unbedingt vorgeschaltet waren, gab es wiederum nur für die wenigsten überhaupt einen Verlobungsring. Üblicher war es damals für Mann und Frau, die Ringe in der Verlobungszeit an der linken Hand zu tragen und mit dem Eintritt in die Ehe auf den rechten Ringfinger zu wechseln.

          Heute mag es spießig sein, den Partner in der Zeit zwischen Verlobung und Hochzeit Fremden gegenüber als Verlobten vorzustellen. Oder eine Verlobungsparty auszurichten, wenn die Hochzeit wenige Monate später mit allem Drum und Dran gefeiert wird. Es flattern erheblich weniger Verlobungskarten als Hochzeitseinladungen ins Haus. Und Verlobungsanzeigen sind ganz aus den Zeitungen verschwunden. Es entscheiden sich auch immer weniger Menschen dafür zu heiraten. 1960 gab es noch 9,4 Eheschließungen pro 1000 Einwohner, 2012 waren es gerade einmal 4,8 - knapp 400 000 Hochzeiten.

          Der Trend geht in Richtung Diamant

          Und doch ist es heute nicht mehr ungewöhnlich, dass sich Männer Gedanken um einen Verlobungsring machen. Und am Ende vielleicht sogar einen mit Diamant wählen. „Wir stellen seit etwa zehn Jahren einen Trend in diese Richtung fest“, sagt Oscar Steffen, Direktor Schmuck beim Juwelier Bucherer. Obwohl die Zahl der Eheschließungen also sinkt, gehen diejenigen, die sich dafür entscheiden, den Schritt bewusster an.

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