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Vantablack : Schwarz ist das neue Schwarz

  • -Aktualisiert am

Schwärzer geht’s nicht: „Vantablack“ entsteht durch ein dichtes Gestrüpp hauchdünner Kohlenstoffnanoröhrchen. Sie verhindern, dass Licht zurückgestrahlt wird. Das Schwarz soll zum Beispiel dabei helfen, Kameras noch genauer zu kalibrieren Bild: Surrey NanoSystems / CC BY-SA 3.0

„Vantablack“ ist ein Produkt der Nanotechnologie und für den Einsatz in der Wissenschaft gedacht. Mittlerweile interessieren sich auch Künstler und Designer für die Farbe. Leider hat die Sache zwei Haken.

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          Seit Bekanntgabe der Erfindung im Juli kann sich der englische Hersteller vor Interessenten kaum retten. Surrey NanoSystems ist ein Unternehmen, das für Industrie und Wissenschaft Nanotechnologie entwickelt. Der ursprüngliche Verwendungszweck für Vantablack war der Einsatz in wissenschaftlichen Sehinstrumenten – zur Beobachtung des Alls oder der Untersuchung mikroskopischer Kleinststrukturen. Solche feinen Instrumente können ihre Messfähigkeit durch die Minderung von Restlichtstrahlung potenzieren.

          Jetzt aber melden sich Künstler, Designer und Architekten aus aller Welt und wollen das neue Schwarz ins Repertoire ihrer Materialien übernehmen. Was den Forschern zunächst nur als kleine Sprosse auf der unendlichen Leiter des technischen Fortschritts erschien, ist für Schwarzliebhaber und Kreative eine Sensation. Denn die besten Anwendungsmöglichkeiten des neuen Schwarz liegen natürlich im Einsatz für das Wahre, Gute und Schöne, also für Kunst, Architektur und Mode.

          Man stelle sich dieses Schwarz auf der Palette des Malers vor. Malewitschs berühmtes „Schwarzes Quadrat“, 79 mal 79 Zentimeter, Schwarz auf weißem Hintergrund. Mit Vantablack wäre das Seherlebnis nicht schwarz auf weiß, sondern ein schwarzes Nichts. Malewitschs Idee, die Empfindung von Gegenstandslosigkeit und Leere, hätte mit Vantablack seine symbolischen Versuche mit einem Schlag zum Erfolg geführt und das Nichts materialisiert.

          Oder man denke an den „White Cube“: Mit Vantablack als Farbanstrich wäre so ein Ausstellungsraum ein „Black Cube“, dessen Wände verschwänden. Die Kunstwerke würden zu schweben beginnen, isoliert von jedem umliegenden optischen Einfluss und nur auf ihre Wirkung konzentriert, sie hingen in der Luft vor einer ins Unendliche reichenden tiefen Schwärze.

          Die Regierung hat Vantablack zur Geheimwaffe erklärt

          Und in der Mode? Wie wäre ein Abendkleid, bis oben geschlossen, eng anliegend? Der Körper der Trägerin würde verschwinden, nur Kopf, Hände, Füße zu sehen? Avantgardistischer Tarnmantel und Ganzkörperverhüllung aus einem wundersamen Stoff: das nanokleine Schwarze!

          Zwei Haken hat die Sache allerdings. Nummer eins: Die Farbe ist weder flüssig aufzutragen, noch kann sie zum Einfärben der Stoffe genutzt werden. Vielmehr wächst die Schwarzstruktur bei ungefähr 400 Grad auf ihrem Trägermaterial, das entsprechend hitzebeständig sein müsste. Die Couturiers müssten also mit Alufolie schneidern, Malewitsch müsste auf Metall statt Leinwand arbeiten, statt Wandanstrich würde die Farbe auf der Wand ausgesät und beheizt werden. Machbar? Wahrscheinlich.

          Haken Nummer zwei: Die britische Regierung hat doch tatsächlich Vantablack zur Geheimwaffe erklärt! Schwarzer Humor? Keineswegs. Exportverbot, weil militärisch einsetzbar: kein Verkauf ins Ausland und schon gar nicht an Privatpersonen! Wer Vantablack sehen will, muss selbst ins Labor nach Südengland fahren. Oder warten. Man plane eine Kooperation mit einem großen Museum. Wo? Wann? Das alles liegt im Dunkeln.

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