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Aufstrebende Schmuckdesignerin : Schillert schnell

Valerie Messika mit ihrem eigenen Schmuck Bild: F.A.S.

Valérie Messika baut im Zeitraffer ein Schmuckhaus auf. Ihre Artikel liegen jetzt in 400 Läden in 55 Ländern. Wie hat die junge Frau das nur geschafft?

          2 Min.

          Valérie Messika ist nervös. Sie hat an diesem frühen Abend in ihrem Büro im neunten Pariser Arrondissement, fünf Minuten mit dem Auto von der Oper entfernt, zum Gespräch Platz genommen, aber das Handy legt sie nicht aus der Hand. Wenn es klingelt, weist sie den Anrufer nicht ab, sondern geht ran, spricht schnell und aufgeregt. Zwischendurch entschuldigt sie sich und checkt immer wieder ihre Mails. Aber nein, jetzt sei ein guter Anlass für das Gespräch. Valérie Messikas Leben ist immer schnell. Aber an diesem Nachmittag stockt es plötzlich. Das ist das Problem. Die Schmuckunternehmerin, weiße Rüschenbluse, schwarze Hose, Stiefeletten mit hohen Absätzen, in den Ohrläppchen Diamantohrringe, wartet auf fünf Bilder von Gigi Hadid. „Ich muss sie nur checken“, sagt sie, „und dann weiterleiten.“ Ihre Mitarbeiter sind an diesem Tag schon länger an der Sache dran, aber jetzt scheint es langsam zu drängen.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es sind die Bilder vom Vorabend, Valérie Messika hat eine große Party geschmissen, seit zehn Jahren entwirft sie eine der wichtigeren Linien ihrer Marke. Aber eigentlich ist die Party vor allem eine Gelegenheit, um der Welt zu zeigen, wer sie ist. Valérie Messika, 41 Jahre alt, könnte die größte noch recht unbekannte Schmuckdesignerin überhaupt sein. Sie baut im Zeitraffer ein Diamantenhaus auf, ein Vorhaben, das für gewöhnlich mindestens Jahrzehnte braucht. Keine zwölf Jahre, wie in diesem Fall. Natürlich, es gibt jetzt viele junge und erfolgreiche selbständige Schmuckmacher, und oft sind es Frauen, Delfina Delettrez zum Beispiel oder Aurélie Bidermann. Jene, die früh erkannt haben, dass ihre Generation mit Schmuck selbstverständlicher umgeht.

          „Die Leute kennen meine Wurzeln“

          Aber schneller als Valérie Messika wächst aktuell wohl niemand auf einem solchen Niveau, ihr Diamantschmuck liegt jetzt in 400 Läden in 55 Ländern. „Im vergangenen Jahr haben wir unseren Umsatz um 30 Prozent gesteigert“, sagt sie. Und sie hat Gigi Hadid als Ko-Designerin für eine Linie an Bord geholt. Dieses Star-Model, das ebenfalls einen Riecher für ein gutes Geschäft hat. Das noch für eine andere Marke kreativ tätig ist, nämlich für Tommy Hilfiger. Das sind die Dimensionen, an die auch Valérie Messika denken dürfte, also Gigi Hadid. „Ich habe einfach ihren Agenten angerufen“, sagt die Französin. „Gut, es hat Zeit gebraucht, wir mussten zeigen, wer wird sind und welche Ziele wir haben, aber als wir uns dann trafen, haben wir uns gleich verstanden. Ich glaube, sie und ich, wir sind Menschen, die aus dem Instinkt heraus handeln.“

          400 Läden in 55 Ländern: Messika wächst rasant.

          Nun hatte Valérie Messika in ihrem Vorhaben – eine Schmuckmarke, die es mit den Schwergewichten der Branche aufnehmen kann – einen entscheidenden Vorteil: ihren Vater. Andre Messika, ehemals einer der wichtigsten Diamantenhändler in Paris. In diesem Umfeld wuchs Valérie auf. Nach dem Studium bat ihr Vater sie, mit ihm zusammenzuarbeiten. „Er sagte, gib mir ein Jahr, und ich zeige dir, dass Diamanten deine Welt sind. Wir waren in der Zeit viel auf Reisen, aber eine Leidenschaft für den Handel konnte ich nicht so recht entwickeln.“ Trotzdem stieg sie bei ihm ein, für wenige Jahre. „Dann eröffnete er mir von einem Tag auf den anderen, dass er nach Israel auswandern wolle, ich könne ohnehin mit ihm an meiner Seite nicht wachsen. Zunächst dachte ich, er mache Witze. Aber so kam ich auf eine bessere Idee: Ich erzählte ihm von der Idee einer eigenen Marke.“

          Der Vater hilft ihr noch heute, von Israel aus. „Die Leute kennen meine Wurzeln und wissen, dass sie von einer Expertin kaufen“, sagt die Tochter, die jetzt mit ihrem Ehemann zusammenarbeitet und deren Leben nicht langsamer wird. „Unsere Kinder sind sechs und fast vier, morgens setzen wir sie an der Schule ab, aber zum Glück habe ich meine Mutter und eine gute Kinderfrau und einen Weg gefunden, wie ich sie trotzdem oft sehe“, sagt sie. „Ich muss viel reisen, um meine Marke auf der ganzen Welt bekannt zu machen. Aber die Kinder möchte ich nicht allein lassen. Zum Glück haben sie hier in Frankreich so oft Ferien, dass ich meine Trips in die Zeit lege und sie einfach mitnehme.“ Das sei dann auch für sie, die Mutter, Auszeit, zumindest ein bisschen. Das Handy klingelt wieder. Valérie Messika geht ran. Und weg ist sie.

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