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  • ON Y VA!

  • Die Europameisterschaft beginnt. Der Weltmeister, jenseits des Rasens von Boss ausgestattet, gehört zu den Favoriten. N’est-ce pas?

    Fotos von NACHO ALEGRE, Styling von MARKUS EBNER, Texte von CHRISTIAN EICHLER

  • MARIO GÖTZE Ein verstohlener Seitenblick in den Spiegel, ein Mustern des Schnitts, der eigenen Wirkung, dann traut er sich vor die Linse. Mario Götze mag das schrill gemusterte Jackett, sogar mit Weste im identischen Dekor. Der Mann, dessen Siegtreffer im WM-Finale 2014 gegen Argentinien eines der bekanntesten Bilder der Welt wurde, mag das Spiel mit der Kamera. Mal Strahlemann, mal Pokerface, mal Hände in den Taschen oder Arme verschränkt, egal ob posieren und wichtig gucken oder ganz locker und jung nur rumstehen: „Was geht?“ Alles geht – wenigstens hier. Am Ball lief seit dem Traumtor in Rio weniger. Bei den Bayern verlor er den Platz im Rampenlicht. Bei der EM will er ihn sich zurückholen.

    Nacho Alegre
  • MANUEL NEUER Der beste Torwart der Welt hat jede rechtwinklige Fläche sofort im Griff. Er muss ihr dazu nur den Rücken zukehren. Sei es das Tor, sei es die aufgebaute blaue Leinwand beim Mode-Shooting in München, sei es die weiße Mauer des abgeteilten Hotel-Tagungsraums, in dem es stattfindet. Manuel Neuer, Pullover, Schal, noch ein Schal, stellt sich barfuß erst vor die blaue, dann vor die weiße Wand. Und steht dann da wie die menschliche Wand, die er ist, wenn ein Stürmer auf ihn zukommt. Selbst auf dem Boden, im Schneidersitz auf dem Teppich, dessen amöbenhaftes Muster aussieht, als sei es beim alten Schul hof spiel „Lange Nase“ entstanden, wirkt er wie immer: lässig, raumfüllend, unüberwindlich.

    Nacho Alegre
  • BASTIAN SCHWEINSTEIGER Er kommt von einem anderen Shooting und muss gleich zum nächsten. Dunkler Anzug, schwarze Krawatte, ganz Businessman, knapper Zeitplan. Deshalb: Style-Wechsel im Tempo eines Formel-1-Boxenstopps. Pullover, Blouson; nur das hübsche Halstuch verweigert er. Auch durch den Hinweis „Sieht gut aus“ lässt sich Bastian Schweinsteiger nicht erweichen. Für einen Hosentausch reicht die Zeit nicht, der Kapitän ist gefragt. So darf nur die obere Hälfte ins Bild. Bitte die Hand zum Gesicht, fordert der Fotograf. Schweinsteiger gehorcht, nimmt das Kinn in die Faust, und heraus kommt die Fußballversion von Rodins „Denker“ – der ja in Wirklichkeit auch Sportler war. Modell für die berühmte Bronze stand übrigens der Preisboxer und Ringer Jean Baud.

    Nacho Alegre
  • JULIAN DRAXLER Das Kapital eines Sportlers ist sein Körper – ein Spruch fürs Phrasenschwein. Das Schwein wird fetter, die Fußballer werden schlanker. Allenthalben verzehren sie keinen Weizen oder keine Kuhmilch mehr. Oder sie essen gar, der angeblich besseren Fettver brennung wegen, den Nachtisch zuerst – wie es Robert Lewandowski tut und wir als Kinder es ja auch schon wollten. Julian Draxler beschäftigt mit 22 Jahren einen privaten Ernährungsexperten und Koch, der ihm täglich zwei Mahlzeiten zubereitet. Sein Körper ist entsprechend polsterfrei. Das erhöht Beschleunigung, Belastbarkeit und Bekleidungsoptionen. Foto mit Jacke, ohne Jacke, mit Pullover um die Hüften, ohne Pullover um die Hüften, mit Schal, ohne Schal. Guter Fußballspieler, gutes Modell: Ihm passt alles.

    Nacho Alegre
  • LEROY SANÉ Als er strahlend, federnd, funkelnd um die Ecke biegt, vor dem Kleiderständer auftaucht, ist gleich klar: Der Kerl kriegt das Schrillste, das auf der Stange hängt. Leroy Sané liebt es, und man sieht ihm das an, wenn er es trägt. Markus Ebner, der das Shooting organisiert, hat schon oft mit Spielern als Models zu tun gehabt. „Es ist sehr schwer“, meint er, „eigentlich fast unmöglich, weil sie nichts so richtig versuchen wollen.“ Hier ist es anders. Ebner sagt zu Joachim Löw, der die Szene auf einem Stuhl verfolgt wie sonst das Spiel auf der Bank: „Dem steht alles gut. Euer Nummer-1-Dressman.“ Der Bundestrainer nickt. Es scheint ihn nicht zu wundern. Immer noch ist er dabei, etwas zu finden, was sein neuer Jungstar nicht kann.

    Nacho Alegre
  • THOMAS MÜLLER Beim Umziehen entblößt sich ein magerer weißer Oberkörper mit braunen Armen. Thomas Müller könnte auch als Tour-de-France-Profi durchgehen, doch hat er einen anderen Grund, im Sommer nach Frankreich zu fahren. Er ist der Glücksbringer des Nationalteams. Wann immer er ein Tor schoss bei einer WM oder in einem Qualifikationsspiel, gewann Deutschland. Nur bei einer EM traf er noch nie. Das soll sich nun ändern. Der Mann mit dem häufigsten deutschen Namen hat sich auch als Weltstar etwas herrlich Halbstarkes bewahrt. Heller Anzug, Arme verschränkt, herausfordernder Blick – auf ironische Weise halbseiden. Ein bisschen Monaco Franze. Dann, ohne Sakko und Socke, Hosenbein hochgeschoben, schiefes Grinsen: ein junger Belmondo in der Drehpause. Müller hat sie alle drauf.

    Nacho Alegre
  • MATS HUMMELS Fußballspieler lernen zu tun, was der Trainer sagt. Und der Ausstatter. Vor dem Spiel liegen in der Kabine Trikot, Hose und Strümpfe vom Verein bereit und die Schuhe vom Ausrüster – der sich gern mal etwas farblich Auffälliges ausdenkt. Aber mancher hat seinen eigenen Kopf, reißt sich das Hemd dann mitten im Spiel vom Leib (was zur Gelben Karte führt). Oder zieht sich manches erst gar nicht an. Mats Hummels, Pullover, Blouson, die strubbeligen Haare für die Kamera ordnend, sieht das Accessoire, das der Stylist ihm bringt, und wehrt entschieden ab: „Nee, so ein Ding trage ich nicht.“ Später liegt er auf dem Rücken, lässt sich fotografieren und denkt vielleicht nach, welche Farbe ihm von Juli an am besten steht. Gelb-Schwarz ist es nicht mehr.

    Nacho Alegre
  • SAMI KHEDIRA Sami Khedira und die Kunst, einen Anzug mit italienischer Lässigkeit zu tragen. Ist es die Übung in Turin? Das halbe Jahrzehnt bei den „Königlichen“ von Real Madrid? Oder die lange Liaison mit „Germany’s Next Topmodel“, der Siegerin der ersten Ausgabe der Casting-Show 2006? Während des ersten großen Export-Booms deutscher Weltmeister ans Mittelmeer, nach dem WM-Sieg 1990, bewegten Fußballer, die noch einen richtigen Beruf erlernt hatten, wie Raumausstatter Matthäus, Bäcker Klinsmann, Automechaniker Brehme oder Metzger Riedle, sich abseits des Spielfelds noch etwas unsicher. Die Weltmeister von 2014 sind gelernte Fußballstars – und machen auch in Italien und Spanien bella figura.

    Nacho Alegre
  • JOACHIM LÖW Bundestrainer.

    Nacho Alegre
  • OLIVER BIERHOFF Nationalmannschafts-Manager.

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  • THOMAS SCHNEIDER Löws Assistenztrainer.

    Nacho Alegre

Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin

Veröffentlicht: 11.06.2016 09:58 Uhr