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Unisex-Design : Warum Frauen heute Herrenuhren tragen

Passt doch: Schauspielerin Charlize Theron mit der „Deepsea“ von Rolex bei einem Basketballspiel. Bild: Getty

Herb, aber herzlich: In der Mode ist dieser Tage oft die Rede vom Auflösen der Geschlechtergrenzen. Ausgerechnet die Uhrenmarken setzen diese Idee in die Tat um.

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          Damenuhren? Jean-Paul Girardin, Vizepräsident von Breitling, hat zu Damenuhren nicht viel zu sagen. Kein Wunder, bei Breitling handelt es sich schließlich um den Spezialisten für Chronographen, und die sind auch in Zeiten, da die Uhren an den Handgelenken von Frauen immer größer zu werden scheinen, kaum mit Damenuhren gleichzusetzen. Aber über Damen hat der Manager trotzdem einiges zu erzählen. Sie gehören ja zu seinen Kundinnen, trotz des Chronographen-Schwerpunkts der Marke. Oder gerade deshalb.

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Girardin weiß also zum Beispiel, dass es für seine Kundinnen keine Rolle mehr spielt, ob ein Hersteller nun eine Uhr als Damen- oder Herrenmodell ausweist. Und dass das vor zehn Jahren noch ganz anders war. Dass aber ein Chronograph seiner Meinung nach eine gewisse Größe haben muss, mindestens 38 Millimeter im Durchmesser, damit die Lesbarkeit gewährleistet ist. Also wählen seine Kundinnen oft genau diese Modelle. Mit 38 Millimetern Durchmesser sind die nicht zu klein, mit 43 Millimetern – das ist etwa der Durchmesser des „Navitimers“ von Breitling – gerade noch passend. Denn wenn jetzt Damen wie selbstverständlich Herrenuhren tragen, dann dürfte die Größe am Handgelenk höchstens zweitrangig sein. Vielmehr zählt ein Design, das so nüchtern gehalten ist, dass sich Männer damit kaum geschmückt fühlen, und das an Frauenhandgelenken eben einen ähnlichen Effekt hat. Gut, vielleicht kommt es ein bisschen herber rüber.

          Nüchternes Design: Der Navitimer von Breitling ist auch bei Frauen beliebt. Bilderstrecke
          Nüchternes Design: Der Navitimer von Breitling ist auch bei Frauen beliebt. :

          Natürlich gibt es aus der Vergangenheit etliche Beispiele von Herrenuhren aufzuzählen, die später auch Vorbild für Damenmodelle wurden: Rolex etwa lancierte 1945 die „Datejust“, den ersten Armbandchronometer, der neben der Zeit auch das Datum auf dem Zifferblatt, auf Höhe von drei Uhr, anzeigte. 1957 hatte sich das Modell so hinreichend etabliert, dass die „Lady-Datejust“ dazukam, ein Herrenmodell abgestimmt auf das Handgelenk einer Frau. Oder, noch früher, die „Tank“ von Cartier, ursprünglich inspiriert von den klobigen, auf Gleisketten rollenden Renault-Panzern an der Westfront im Ersten Weltkrieg. Louis Cartier entwarf daraufhin eine Uhr mit rechteckigem Gehäuse und breiten Bandanstößen. Klar richtete er sich damit 1918, als der Krieg gerade vorbei war und die Uhr lanciert wurde, an Herren. Aber einige Jahre später kamen kleinere und gebogenere Varianten für Damen dazu – wieder gewissermaßen als halbe Portion.

          Frauen kaufen „Macho-Uhren“

          Heute warten Frauen nicht mehr auf ihr Modell, sie kaufen sich einfach das für Männer und machen es zu ihrem. Sie tragen 4000-Euro-Uhren von Bell & Ross oder 300-Euro-Uhren von Nixon. „Wir verzeichnen unsere größten Erfolge, wenn unsere Modelle möglichst aufgeräumt aussehen“, erzählt Jenny Sehic von Nixon, jener kalifornischen Marke, die 1998 gegründet wurde und sich vornehmlich an Herren richtete, bis man vor einigen Jahren anfing zu beobachten, dass der Anteil von Frauen, die dort ihr Geld lassen, ebenso hoch ist wie der von Männern.

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          Ganz so viele dann doch nicht sind es bei Bell & Ross, der Marke für Uhren mal mit Camouflage-Muster, mal ganz in Schwarz, mit Modellen, die selbst ihr Kreativ-Direktor Bruno Belamich im Gespräch zuweilen als Macho-Uhren bezeichnet. „In einigen unserer Geschäfte verkaufen wir vielleicht zehn Prozent der Uhren an Frauen. Die Camouflage-Uhr war in der Hinsicht aber bislang mit Abstand die erfolgreichste.“ Eine Uhr mit markant eckigem Keramikgehäuse und Funktions-Synthetik-Band, die Frauen also wie selbstverständlich tragen.

          Wenn in der Mode dieser Tage oft die Rede von geschlechtsneutralen Entwürfen ist, von Designern, die sich weder auf männliche noch auf weibliche Kundschaft festlegen wollen, wenn erste Ansätze davon tatsächlich im Stadtbild sichtbar sind, dann setzt ausgerechnet die Uhrenbranche, die in den vergangenen Jahren nicht unbedingt mit Fortschritt in Verbindung gebracht wurde, diese Ideen beherzter in die Tat um.

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