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Umsatzwachstum : L’Oréal schlägt den Kosmetikmarkt

Gute Stimmung: L’Oréal-Show bei der Fashion Week in Paris Bild: Reuters

Kosmetikprodukte finden unabhängig von der Konjunktur fast immer ihre Kunden. Dem weltgrößten Hersteller L’Oréal bringen das Asiengeschäft und Luxusmarken starkes Wachstum.

          Kosmetikprodukte erweisen sich zunehmend als Waren, die unabhängig von der Konjunktur fast immer ihre Kunden finden. „Schönheit ist nicht einfach nur eine Handelsware, wir reden hier von einem Streben, das einen Sog entfaltet“, sagte der Vorstandsvorsitzende des weltgrößten Kosmetikherstellers L’Oréal, Jean-Paul Agon, auf der Bilanzpressekonferenz am Konzernsitz im Pariser Vorort Clichy. Die hehren Worte kann der 62 Jahre alte Manager, der L’Oréal seit dem Jahr 2011 führt, konkret belegen: „Die Kunden sind in der Tendenz immer bereit, für höhere Qualität auch mehr zu bezahlen.“

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Vor diesem Hintergrund hat L’Oréal im vergangenen Jahr nicht nur den Umsatz wechselkursbereinigt und bei vergleichbarem Konzernkreis um 7,1 Prozent auf 26,9 Milliarden Euro erhöht, sondern auch bei der operativen Umsatzrendite mit 18,3 Prozent einen historischen Rekord erzielt. Wachstumstreiber waren geographisch gesehen der asiatisch-pazifische Raum, der jetzt Nordamerika als zweitwichtigste Weltregion hinter Westeuropa abgelöst hat; dort stiegen die Erlöse um ein Fünftel. Westeuropa wies dagegen einen leichten Umsatzrückgang aus.

          Was die einzelnen Produktsparten angeht, zog das Luxussegment mit Marken wie Lancôme, Kiehl’s, Yves Saint Laurent und Georgio Armani den Konzern nach oben; es steigerte seinen Umsatz um fast 11 Prozent. Dahinter folgte mit gut 9 Prozent Erlösplus die „aktive Kosmetik“, die in Apotheken erhältlich ist und Namen wie Roche-Posay, Vichy und Skinceuticals umfasst. Mit seinem Umsatzwachstum übertraf L’Oréal im vergangenen Jahr auch den globalen Kosmetikmarkt, der um 5,5 Prozent zulegte.

          China zeigt das Potenzial

          Auch in diesem Jahr rechnen die Franzosen wieder mit einem „bedeutenden Plus“, ohne dass sie das näher beschreiben. Allein der Riesenmarkt China, wo L’Oréal Marktführer ist, zeigt das Potential: Viele Frauen kaufen dort noch kaum Kosmetikprodukte, und wenn sie das tun, geben sie im Schnitt nur ein Fünftel des Budgets einer Französin oder einer Amerikanerin aus. „Wir haben im asiatisch-pazifischen Raum einen Marktanteil von 8,7 Prozent. Wir stehen erst am Anfang unserer Wachstumsstory“, sagte Agon.

          Schönheitsprodukte eignen sich auch besonders für den elektronischen Handel; Tipps können leicht im Internet gegeben werden, und der Versand ist einfach. L’Oréal sorge inzwischen im Schönheitsbereich für ein Drittel des gesamten Verkehrs von Youtube, berichtet das Unternehmen. Man ist auf Amazon ebenso unterwegs wie auf der chinesischen Plattform Tmall. 11 Prozent des globalen Umsatzes erfolgt über den elektronischen Handel.

          L’Oréal betont dabei, dass das Umsatzwachstum nicht durch überproportional höhere Aufwendungen für Werbung oder Forschung erkauft wurde. Der Nettogewinn stieg um 8,8 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro. Die Dividende erhöht der Konzern entsprechend um 8,5 Prozent auf 3,85 Euro. Damit schüttet das Unternehmen 54,4 Prozent seines Nettogewinns aus – mehr als jemals zuvor. Eine Obergrenze sei damit aber dennoch nicht erreicht, teilt L’Oréal mit.

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