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Modelabel Rika : Bed & Fashion

Ulrika Lundgren hat es geschafft, aus Rika eine Marke zu machen. Bild: Rika

Was hat eine junge Modemacherin beim Sattler der Hells Angels verloren? Und wie hat sie das Unmögliche geschafft, innerhalb von wenigen Jahren mit ihrem Label Rika zur Marke zu werden?

          5 Min.

          Ulrika Lundgren hat modisch etwas zu sagen. Das ist gut, denn wer als junger Modemacher keine eigene Stimme hat, kann eigentlich gleich einpacken. Vielleicht hat Lundgren das von einem Mann gelernt, der in seiner Arbeit eine ganz eigene Ausdrucksweise hat. Von keinem jungen Mann, sondern von einem, der ohne Computer auskommt und noch Faxe versendet. Von keinem Marc Jacobs oder Ralph Lauren, sondern von einem, dessen visuelle Stimme so laut ist, dass sie zum Image einer Gruppe Teufelskerle passt.

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Mir fehlte ein Markenzeichen“, erinnert sich Lundgren, die in Schweden aufgewachsen ist, in Dänemark lebte, im Alter von 23 Jahren in die Niederlande zog, dort 2005 ihr Label Rika gründete und damit heute direkt an der Amsterdamer Herengracht sitzt. „In meiner Heimatstadt in Südschweden, in Helsingborg, gab es einen Sattler, dessen Lederarbeiten mir sehr gut gefallen haben. Zu dem ging ich, und wir fertigten zusammen die erste Star Bag“, eine schlichte schwarze Ledertasche mit einem silbernen Stern, das Markenzeichen, nach dem die junge Designerin damals gesucht hatte.

          Es gibt nur Schwarz und Weiß

          „Wir saßen gemeinsam bei ihm auf dem Fußboden. So arbeitet er dort, den Oberkörper immer nach vorne gebeugt. Dort fertigte ich meine ersten Taschen und er derweil seine Gürtel und Waffenhalter.“ Waffenhalter? „Er ist der Ausstatter der Hells Angels. Zwei Tage braucht er für einen einzigen Gürtel. Für die Geduld bewundere ich ihn“, sagt Lundgren, ohne eine Miene zu verziehen. „Das heißt natürlich nicht, dass ich mit dem einverstanden bin, wofür die Hells Angels stehen“, ergänzt die Designerin noch vorsichtshalber und nimmt an einem runden Marmortisch in der dritten Etage des gemütlichen Grachtenhauses Platz.

          Hier scheint es buchstäblich nur Schwarz und Weiß zu geben. Das Mobiliar ist schwarz und weiß. Auch Lundgren trägt heute nur Schwarz und Weiß. Die Kombination fehlt auch in kaum einem ihrer Entwürfe. Trotzdem, dass sie innerhalb von nur neun Jahren das eigentlich Unmögliche geschafft hat, aus einem jungen Label eine Marke zu machen, ohne dabei am Nabel der Modewelt zu leben, könnte nicht nur an ihrem eigenen ausgezeichneten Geschmack liegen. Dass ein Designer heute keine Chance mehr hat, wenn sein Label nicht auch zum Lebensstil der Kunden passt, könnte sie eben auch von dem Sattler der Hells Angels gelernt haben. Was wären die Hells Angels schließlich schon äußerlich ohne ihre schweren Lederwesten? Oder ohne ihre knatternden Harleys?

          Dem Kunden eine Vorlage geben, wer er sein könnte

          Auch jeder andere Kunde sucht sich heute, in der Flut an Modemarken, die nicht zwei Kollektionen im Jahr auf den Markt werfen, sondern oft zehn oder mehr, diejenigen Stücke heraus, die zur eigenen Lebensweise passt. Nur wer als Designer da etwas zu sagen hat, wird mit seiner Mode in anderer Leute Kleiderschränken landen können.

          Lundgren, heute Mitte 40, hat etwas zu sagen: Zu ihrem kleinen Imperium gehören heute, neun Jahre später, neben der Modemarke Rika auch das Rika Guesthouse, ein kleines Hotel, und das Rika Magazine, das zweimal im Jahr von einer eigenen Redaktion zwischen New York und London herausgegeben wird und weltweit erhältlich ist. Im Rika Flagship-Store, mitten in den „Neun Straßen“ der Amsterdamer Innenstadt, wo junge Leute in großen Strickcardigans und Dr. Martens an den Füßen nachmittags auf den Bänken vor den Läden herumlungern, gibt es derweil nicht nur die eigene Marke zu kaufen, sondern von Lundgren ausgesuchte Stücke anderer Designer.

          Die Marke ist ihr eigener Lifestyle, dessen Bereiche sich gegenseitig beflügeln. „Es geht darum, dem Kunden eine Vorlage zu geben, wer er sein könnte“, sagt die Designerin. Das klappt ganz gut. „Die Touristen zum Beispiel, die im Hotel schlafen, kommen dann auch mal in den Laden zum Einkaufen“, sagt Lundgren. Und wenn sie wieder zu Hause sind, stoßen sie auf die Kollektionen der Dame, bei der sie übernachtet haben, in den Modeboutiquen. „In Deutschland sind es jetzt 20.“

          Die Designerin und das ehemalige Topmodel

          Es wären wohl noch mehr Läden, wenn Rika ihren Hauptsitz in New York, London oder Paris hätte. „Wenn man an diesen Orten lebt, dann trifft man sich mit entscheidenden Modeleuten zum Frühstück oder zum Mittagessen. Amsterdam ist dagegen ein Dorf; es ist nicht so, dass man hier abends essen geht und am Nebentisch sitzen die Designer einer anderen Marke, PR-Leute oder Redakteure, die zu dir kommen und dich mit anderen Modeleuten bekannt machen.“

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