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Modelabel Rika : Bed & Fashion

Dafür ist Lundgren bestens bekannt mit Helena Christensen. Die Designerin und das ehemalige Topmodel kennen sich noch aus der Zeit, als Lundgren als Stylistin gearbeitet hat. Mit der Zeit entwickelte sich aus der Bekanntschaft eine Freundschaft. „Natürlich bekam sie es mit, als ich die Star Bag entworfen hatte“, erinnert sich Lundgren. „Sie meinte, damit müssten wir doch irgendetwas in New York anstellen können.“ Christensen lud daraufhin gleich mal ihre Freundinnen auf eine kleine Party ein, wo sie die Taschen kaufen konnten. „Als Nächstes besorgte ich mir Vintage-Stoffe und fertigte daraus Kleider, dann kam Strick dazu.“

Dennoch, die Star Bag ist bis heute, zwischen den Biker-Jacken, den Leoparden-Drucken, den dicken Sweatshirts, ein wichtiger Teil der Kollektion. „Ich würde sie nie aus dem Programm nehmen, im Gegenteil, ich lege sie stets in neuen Varianten auf und lasse sie immer beim gleichen Lederfabrikanten fertigen.“ Den Sattler der Hells Angels hat Lundgren mittlerweile gegen einen Betrieb in der Türkei getauscht. „Aber die Idee von Kontinuität ist mir sehr wichtig.“

Die bewusste Unentschlossenheit

Deshalb ändert sich auch die Formel nicht, mit der Lundgren an ihre Entwürfe geht. „Sie ist ein bisschen Rock ’n’ Roll, ein bisschen klassisch, ein bisschen weiblich“, es geht um das Mischen verschiedener Stile, um eine bewusste Unentschlossenheit, die der Mehrheit der Frauen gerade recht sein dürfte, die ihren eigenen Stil wohl kaum auf ein Adjektiv wie sportlich, sexy, elegant, klassisch, weiblich herunterbrechen könnten. Oder es überhaupt wollen. Lundgren bietet ihnen stattdessen Versatzstücke, die sich dem eigenen Auftritt zu fügen scheinen. „Stil ist heute etwas, das von Person zu Person unterschiedlich ist. Aber solche Kunden möchte man doch haben, Kunden mit einem Gehirn, die sich nicht von Kopf bis Fuß in einer Marke kleiden.“

Es ist schon ein Eiertanz für junge Designer: Auf der einen Seite sollen Kunden ihre Mode kaufen, auf der anderen sollen sie diese nicht mehr auf die ziemlich altmodische Weise von Kopf bis Fuß tragen. Oder das nächste Problem: „Es ist sehr gefährlich für eine Marke, zu erfolgreich zu werden“, meint Lundgren. „Man muss Erfolg haben, aber man darf nicht so erfolgreich sein, dass man die Marke überall sieht, dass man ihr Image kaputtmacht. Dann denkt man sich doch nur noch: ,Wie schade!‘”

Cover einer Ausgabe von Rica-Magazine: Ein bisschen Rock’n’Roll, ein bisschen klassisch, ein bisschen weiblich.
Cover einer Ausgabe von Rica-Magazine: Ein bisschen Rock’n’Roll, ein bisschen klassisch, ein bisschen weiblich. : Bild: Rika Magazine

Um also mit ihrer Mode den begehrten Status eines Geheimtipps zu wahren, ist die Designerin nebenbei in die Hotellerie eingestiegen und gibt ihr Marketingbudget nicht für Anzeigen in Hochglanzmagazinen aus, sondern unterhält damit gleich die eigene kleine Rika-Redaktion, die das Magazin herausgibt - auf bewusst mattem Papier. „Wir sind jetzt, nach fünf Jahren, bei Ausgabe Nummer zehn angelangt“, sagt Lundgren. „Der Anfang war superschwer. Um von anderen Marken Kleidungsstücke zum Fotografieren zu bekommen, haben wir verschwiegen, dass wir selbst eine Marke sind.“ Schließlich ist nur ein kleiner Teil der im Magazin abgebildeten Mode tatsächlich von Rika.

Gut, für Ausgabe Nummer neun schaffte Lundgren es, 22 Frauen ihre Sweatshirts überzuziehen, darunter neben Lundgrens Busenfreundin Christensen Persönlichkeiten wie Carla Bruni, Julianne Moore oder Ernest Hemingways Urenkelin Dree. Auch mit solchen Projekten verschafft man sich Gehör.

Oder man borgt sich gleich die Stimmen anderer Leute, wie die des südschwedischen Sattlers oder die des Galeriebesitzers, ihres ehemaligen Nachbarn in Amsterdam. „Ihm gehörte das Haus direkt gegenüber meinem Laden“, sagt Lundgren. „Unten war die Galerie untergebracht, er wohnte im Obergeschoss. Ich wusste, eines Tages würde ich mit ihm sprechen und ihm das Haus abkaufen. Das entwickelte sich zu einer echten Mission.“ Der Herr wurde immer älter, 85, 86. „Seine Kinder wollten das Haus nicht, und er lebte nun zu einem großen Teil mit seiner Frau in Paris.“ Irgendwann hat der Galeriebesitzer das hübsche Haus an der Herengracht dann doch noch an Ulrika Lundgren verkauft. Unten zog die Designerin mit einem zweiten Laden ein. Oben schlafen heute ihre Gäste, ihre Kunden.

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